Wandern auf dem Eifelsteig. Unterwegs auf den Spuren der Römer

Grüner Pütz

Sonntag morgen, Wanderparkplatz des kleinen beschaulichen Ortes Urft, mitten im Nationalpark Eifel. Die Luft ist klar, ich scheine einer der wenigen Besucher zu dieser frühen Stunde hier zu sein. Nach dem 1. Deutschen Bloggerwandertag am Samstag bin ich heute allein unterwegs. Keine halbe Stunde Autofahrt liegt hinter mir, nachdem ich das Kurparkhotel in Gemünd nach einem reichhaltigen Frühstück verlassen habe.

Gut gestärkt hoffe ich erstmal, dass ich mich auf dem heutigen Wanderweg auch gut zurecht finde. Heute ist die geplante Laufstrecke immerhin deutlich kürzer – das sollte ich hinbekommen, denke ich mir. Zum Eifelsteig selbst muss ich erst noch kommen von hier aus, meine Sonntagswanderung beginnt nämlich auf dem Römerkanalwanderweg, dem ich ein gutes Stück folgen werde.

Beginn Urft Römerkanalwanderweg

Dem Wasserfluss von früher folgt dieser Wanderweg entlang den Relikten vergangener Tage. Der Römerkanal ist eine fast 100 Kilometer lange Wasserleitung, die angelegt wurde, um das antike Köln mit Wasser aus der Nordeifel zu versorgen. Schon sehr beeindruckend. Aber zurück zum Weg, der ja bekanntlich das Ziel ist.

Von Urft aus geht es los, ein kleiner Anstieg und ich bin wieder auf dem Weg. Irgendwie schade, dass sich das Wochenende schon mit zügigen Schritten im wahrsten Sinne des Wortes dem Ende nähert. Doch noch bin ich unterwegs, weit und breit ist niemand zu sehen. Erst geht es auf klassischen Wegen durch bewaldetes Gebiet, aprubt endet plötzlich der Weg – denke ich zumindest. Doch er ist nur deutlich enger geworden – also immer noch richtig unterwegs.

 

Dann laufe ich entlang der Urft, entlang des Wasserweges und stoße auf die ersten Relikte aus den alten Tagen der Römer – auch einen Teil der alten Kanalführung kann ich hier begutachten.

Das einzige was ich hier wahrnehme, sind der Fluß und der ein oder andere kleine Waldbewohner – die Maus wollte allerdings nicht sehr lange für ein Foto Portrait stehen. Ich verlasse dann den Flusslauf und das mittlerweile vertraute Zeichen des Eifelsteigs zeigt mir an, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Bevor ich mich allerdings auf mein letztes Teilstück in Sachen Wandern Richtung Nettersheim aufmache, lege ich eine Pause beim „Grünen Pütz“ ein.

Quellfassung Grüner Pütz

Der Grüne Pütz ist eine Quellfassung aus den Zeiten der Römer. Aus einer Sickerleitung lief hier Quellwasser hinein, von dieser Stelle aus nahm das Wasser seinen Weg weiter nach Köln. Die Steine am Rand stellen Medusenhäupter dar, die Unheil fern halten sollten. Bei der Wanderung muss man hier einen kleinen Schlenker abwärts einlegen, damit einem dieser Platz nicht entgeht.

Weiter geht es für mich auf dem Eifelsteig – vor mir liegt jetzt wieder ein dichteres Waldgebiet. Bisher bin ich heute wirklich sehr entspannt gewandert, keine Frage. Während der Wegweiser mit Nettersheim mein Ziel ankündigt, merke ich nun allerdings, warum der Eifelsteig auch Steig heißt. Der kurze Aufstieg hat es schon etwas in sich und ich komme doch ordentlich  ins Schnaufen – Schlendern ist jetzt nicht mehr denke ich mir.

Was trotz aller Anstrengung bleibt ist eine Entschleunigung, man ist auf den Moment konzentriert, auf den eigenen Körper und auf die Natur um einen herum – an Wandertag Nummer 2 beginne ich noch deutlicher zu erahnen, warum das Thema viele so fasziniert.

Wegweiser

Den Wald lasse ich bald wieder hinter mir, es zeigen sich Felder und Wiesen, die Sonne legt auch gut zu am späten Vormittag. Das Ziel meiner Etappe ist aus der Ferne schon sichtbar, vorher beschreite ich noch einen sehr schmalen Abwärtspfad, der mich fast schon in Nettersheim wieder ausspuckt. Ein kleines Stück laufe ich nun wieder auf asphaltieren Straßen – es ist an der Zeit, einzukehren.

Dafür kann ich nur eine Empfehlung für das Café zur Römerquelle bei Norbert Hess aussprechen. In der Fachwerk-Winkelhofanlage wird neben dem Café auch eine Bäckerei betrieben. Die Gebäude stammen noch aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zum stärken ideal wäre jetzt vernünftige Hausmannskost – auch die gibt es hier. Der Eifelsteig-Topf gibt einem verbrauchte Energie zurück und ist einfach nur lecker.

Café zur Römerquelle

Wenn man den Weg nach Nettersheim auf dem Eifelsteig wandert, landet man übrigens automatisch hier. Wenn man denn den Wegweisern folgt. Der Blogger von heute hat natürlich automatisch die Tendenz dazu – wenn er wieder etwas näher am gefühlten alltäglichen Leben ist – sein Smartphone zu nutzen, um das angepeilte Ziel zu erreichen.

Danach war mir in der Natur selber nie wirklich, mal abgesehen von den Twitter-Eindrücken von unterwegs. Doch für die Routenplanung war das nicht notwendig. Kurzum komme ich also an, aber auf dem apshaltieren Weg und nicht auf dem Eifelsteig an sich.

Eifelsteig-Topf

Züruck zum Café, aber auch zurück zur Bäckerei: Das Eifelsteig-Brot ist hier ein Renner und findet auch den Weg in mein Gepäck. Im Familienbetrieb legt man Wert auf regionale Produkte – das ist auch das, was man erhofft, wenn man hier landet – enttäuscht wird man auf keinen Fall.

Norbert Hess selbst ist übrigens auch passionierter Wanderer und hat in diesem Zusammenhang auch die ein oder andere Empfehlung parat. Und wo wir schon beim Smartphone waren – seine Touren gibt es auch als GPS zum Download – einfach mal bei Interesse durchklicken.

Farbenpracht

Das Café liegt beschaulich hier in Nettersheim, man findet Zeit, Kraft zu schöpfen. An diesem Sonntag zeigt sich die Sonne immer mehr und es füllt sich allmählich. Einige Wanderer, dazu auch Gäste, die per Pferd anreisen, lassen sich hier nieder. Ich muss zugeben, schwerlich kommt mir der Gedanke, gleich per Bahn zurück an meinen heutigen Startort zu fahren.

Erst aber geht es noch für eine kleine Runde durch Nettersheim, das hat sich der Ort aber auch verdient. Im Naturzentrum Eifel muss man auf jeden Fall Halt machen. Vielfältige Ausstellungen gibt es hier, dazu reichlich Infos, was in und um den Ort so los ist. Und das ist eine ganze Menge, beispielsweise kann man einige Themenwanderungen unternehmen. Archäologie entdecken ist nur eine Variante – die lohnt sich, wenn man weiter auf den Spuren der Römer unterwegs sein möchte.

Das schaffe ich an diesem Sonntag dann aber nicht mehr – dennoch, so richtig mit der Bahnrückreise kann ich mich nicht anfreunden – auf der anderen Seite muss der Weg zurück zum Auto aber irgendwie genommen werden. Die Wasserflasche ist gefüllt, ich fühle mich nach der Einkehr hier gestärkt, was liegt also näher, als den Rückweg zu Fuß anzutreten, was ich auch kurzerhand mache.

So habe ich noch ein wenig Zeit für mich, das Smartphone bleibt jetzt tief unten im Rucksack, um meine letzen Eindrücke vom ersten Wanderausflug in der Eifel zu genießen. Es soll nicht der letzte gewesen sein, wohin dann auch immer, gerne auch wieder – ohne Zweifel – mitten in die Eifel.

unterwegs sonnig

Offenlegung: Wir wurden von den Top Trails of Germany, sowie dem Eifelsteig zum 1. Deutschen Bloggerwandertag eingeladen.Herzlichen Dank dafür. Unsere Meinung bleibt die eigene. 

Jens & Sonja
Jens & Sonja

Von Düsseldorf aus die Welt bereisen… Zwar sind Jens und Sonja mehrmals im Jahr in Sachen Motorsport unterwegs, doch es bleibt noch Zeit für einige Kurztrips. Die beiden werden euch hauptsächlich zu den Themen Wandern und Auszeit mit einigen Insidertipps versorgen.

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