Niederlande

Winter auf Schiermonnikoog – Kleinod in der Nordsee

Schiermonnikoog

Nordsee im Winter – Schiermonnikoog

Sommer, Sonne, Strand und Meer – das sind wohl die Begriffe, die viele am ehesten mit einer Nordseeinsel in Einklang bringen.

Doch die mit ihren rund 16 mal 4 Kilometer kleinste der (bewohnten) niederländischen Nordseeinseln beweist eindrucksvoll, warum insbesondere die Wintermonate an der See einen ganz besonderen Reiz haben. Die Rede ist von Schiermonnikoog.

Schiermonnikoog bedeutet in etwa die Insel der grauen Mönche, doch dazu später mehr. Die Anreise auf die autofreie Insel (bis auf ein paar wenige Ausnahmen) erfolgt mit der Fähre vom Hafen aus in Lauwersoog. Knapp eine Dreiviertelstunde ist man unterwegs auf der Nordsee.

Nordsee im Winter

Als wir uns im Dezember auf den Weg Richtung Seeluft machen und endlich den nordrhein-westfälischen Verkehrskollaps hinter uns gelassen haben, liegt der Hafen an der niederländischen Küste bereits im Dunkeln. Wir nehmen die Fähre um halb sieben und außer, dass einige Wellen für ein leichtes Schwanken sorgen, bemerken wir kaum, dass wir bald kurz vor der Insel sind.

Der erste Eindruck war es dann nicht, der uns von Schiermonnikoog überzeugt hat. Als wir im Dunkeln bei starken Regen in den Bus Richtung unserer Unterkunft starten, können wir noch kein Inselgefühl feststellen. Die Luft? Ja, die ist anders, mehr bekommen wir aber nicht wirklich mit.

Dank Ilja vom Strandresort Schier, die auch den Appartmentkomplex Koningskaars mit betreut, was unser Domizil für das verlängerte Winterwochenende ist, finden wir aber schließlich doch noch sicher den Weg in unser Appartement. Und hier überzeugt die Insel schon auf ganzer Linie, denn außer Wind und Regen ist absolut kein Geräusch zu vernehmen. Das macht uns Hoffnung für den zweiten Eindruck. Der folgte am Samstagmorgen und hätte besser nicht sein können.

Schiermonnikoog Leuchtturm

Natur pur – Nordsee zum Genießen

Das Wetter auf Nordseeinseln kann bekanntermaßen wechselhaft sein. Zu unserem Erstaunen begleitete uns an diesem Samstag zunächst die Sonne. Wie bestellt, denn eine Fahrradtour stand auf dem Programm, auf der Insel gibt es viel zu entdecken und so ging es vom Inselzentrum mit dem wichtigsten Fortbewegungsmittel auf Schiermonnikoog auf eine knapp zwei Stunden lange Tour durch die vielfältige Landschaft der Nordseeinsel.

Dabei stand uns ein echtes Insel-Original zur Seite. Tijs wurde hier geboren, lebt hier und bietet diese Touren auch auf Deutsch an. Gemächlich folgt unser kleiner Trupp aus sechs Personen bei kaltem, aber wunderschönem Winterwetter unserem Guide, der uns neben der Geschichte vor allem die Natur näherbringt.

Die Insel hat schon seit 1989 den Status eines Nationalparks und das merkt man auch. Neben den langen Sandstränden, dem Watt und den Dünen stehen wir plötzlich und doch recht überrascht in einem Kiefernwald. Thijs hat so manche Geschichte der Insel parat, von uralten Muscheln und Knochen, die er hier am Strand schon gefunden hat bis hin zu aktuellem Geschehen auf dem Eiland.

Die Insel hat vor allem Natur zu bieten, von daher verdient man hier sein Geld fast ausschließlich mit dem Tourismus. Doch eine Spezialität hat sich hier entwickelt, mit der man erstmal nicht rechnet. Überall stößt man auf Sanddorn, aber dass die Insel eine eigene Apfelsorte hervorgebracht hat, ist überraschend. Aus den wilden Äpfeln der Insel hat sich sogar eine eigene Sorte entwickelt – der „Ambro“ ist ein Herbstapfel und ein echter Schiermonnikooger.

Viel zu schnell vergeht die Zeit, dafür haben wir jetzt einen groben Überblick über die Insel. Im Winter sind es um diese Zeit nur wenige Besucher, die sich auf den Weg zur Insel machen. Deutlich in der Überzahl sind somit die Bewohner (unter 1.000), jeder kennt jeden, man grüßt sich, Inselleben pur. Dementsprechend leer sind auch die Strände und wenn der Wind etwas zu stark und kalt bläst, setzt man einfach seine Wanderung im Wald oder hinter den Dünen fort.

Strand Schiermonnikoog

Nochmal zurück zum Namen und – ganz kurz- zur Inselgeschichte. Im 13. Jahrhundert waren es Mönche, die den Weg auf die Nordseeinsel fanden und hier sesshaft wurden. Im grauen Gewand gekleidet übrigens, so kam es zur Namensgebung der Insel. Nachdem die Insel später in privaten Besitz übergegangen war, ist sie seit dem Ende des 2. Weltkrieges wieder im Besitz der Niederlande.

Ebenfalls gibt es Bunker auf Schiermonnikoog zu sehen, zudem gibt es sogar ein eigenes Bunkermuseum. Das hat zur Winterzeit allerdings nur am Sonntagnachmittag geöffnet und hier hat uns das Wetter dann doch einen Strich durch unsere Wochenendplanung gemacht.

Kulinarik am Meer – Modern und Klassisch

Nach der vielen frischen Luft und ein paar Fahrradkilometern war es an der Zeit für eine Stärkung. Wer auf der Insel aber Strandrestaurants am Fließband erwartet, der irrt sich gänzlich. Wer am Strand unterwegs ist und hier einkehren will, dem wird die Auswahl leicht gemacht.

Im Strandpaviljoen De Marlijn findet man eine der wenigen Gelegenheiten, zwischen den Dünen einzukehren. Das ist aber alles andere als schade, denn das Angebot ist reichlich und vor allem lecker. Zudem macht es die Insel halt auch einfach aus, dass es hier halt nicht eine Vielzahl von Buden und Pavillons gibt. Schiermonnikoog ist und bleibt immer noch ein Nationalpark.

Alternativ kann man im Zentrum der Insel noch einkehren, hier findet man u.a. das Hotel-Restaurant Van der Werff oder auch das Hotel Graaf Bernstorff. Beide sind sehr klassisch gestaltet, runden das Angebot einer ruhigen Auszeit im Winter aber gut ab.

Schiermonnikoog

Ruhe pur – Winterauszeit

Die meisten Unterkunftsmöglichkeiten findet man im Zentrum der Insel. Noch ruhiger geht es im Winter Richtung Strand zu. Hier finden sich auch Zimmer und Appartements, die zu dieser Jahreszeit wenig frequentiert sind, voller wird es dann erst wieder zu Silvester, aber das kennt man ja von den meisten Inseln.

Die Sonne hatte uns leider schon am frühen Samstagnachmittag wieder verlassen und Schnee und Regen sorgten für einen etwas kürzeren Aufenthalt als geplant an der Seeluft. Am folgenden Morgen kam einem die Insel noch ruhiger vor, das mag auch an deutlich weniger Fahrrädern liegen, die sich auf die noch vereisten Wege wagten.

Der Strand war menschenleer, als wir schon kurz vor Sonnenaufgang fast im Watt stehen. Hier und da ein paar Vögel, sonst herrschte eine Ruhe, wie man sie sonst kaum findet. Aufgrund der Witterung haben wir uns zu einer ausgedehnten Wanderung entschieden, zu entdecken gibt es schließlich genug. Am Strand entlang der Dünen, danach schlagen wir unseren Weg Richtung Leuchtturm ein, der in der Nacht einsam die Lichtherrschaft über die Insel hat. Richtung Zentrum der Insel kommen wir an seinem Bruder vorbei, der weiße Leuchtturm wird aber schon länger nicht mehr genutzt.

Das Tageslicht bestimmt den Rhythmus von Schiermonnikoog zu dieser Jahreszeit, so dass es ab halb fünf langsam schon wieder dunkel wird.

Nach reichlich Kilometern an diesem Tag stoppen wir noch kurz bei Vrouwe Jakoba oder auf Deutsch Frau Jakoba. Dieses Geschäft hat auch am späten Winterabend alles, was man braucht. Von Lebensmittel bis Souvenirs, dazu bietet man sogar einen Pizza-Lieferdienst an – die Wege zu den meisten Bewohnern und Unterkünften sind ja auch angenehm kurz.

Nordsee Winter

Wieder zurück in unserem Apartment beruhigt sich auch das Wetter wieder. Sogar der Wind lässt nach und beim Einschlafen hört man absolut nichts. Eine Ruhe, die uns nach der Rückkehr in die Stadt übrigens besonders fehlt. Durchatmen, zur Ruhe kommen, im Winter kann es kaum bessere Plätze dafür geben, als auf diesem Kleinod in der Nordsee.

Unser Abschied von der Insel am Montag fällt uns schwer, zudem kam praktisch mit unserer Abreise der Schnee zurück. Die Winterlandschaft können wir jedoch nur kurz vom Fähranleger aus wahrnehmen, dann ruft uns der Alltag schon wieder. Wir werden dich vermissen Schiermonnikoog.

Dünenblick Schiermonnikoog Fähre

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen

Es empfiehlt sich, vor Ort ein Fahrrad zu mieten. Auf der Insel gibt es zwei Anbieter, mehr dazu auf der Website des VVV.

In der Touristeninformation VVV (Adresse: Reeweg 5) gibt es vor Ort weitere Infos rund um die Insel.

Im Zentrum findet man einen Supermarkt, der allerdings am Sonntag nicht geöffnet hat. Bankautomaten zum Geldabheben findet man u.a. in der Touristeninformation VVV. 

Auf die autofreie Insel geht es nur mit der Fähre vom Hafen im niederländischen Lauwersoog. Die Überfahrt dauert knapp 45 Minuten und kostet ab Januar 2018 pro Erwachsenen 13,05 € für Hin- und Rückfahrt. Im Sommer werden 15,30 € fällig. Mehr Infos gibt es auf der Website der Reederei.

Am Fähranleger stehen Buslinien parat, die euch zur Haltestelle vor eurer Unterkunft bringen. Ein Ticket Hin-und Zurück kostet 3,50 €.  

Wer nicht im Zentrum der Insel nächtigen will, der findet Richtung Strand den Komplex Koningskaars mit modernen Appartements. Direkt angeschlossen findet man im benachbarten Strandressort zudem noch einen Indoor-Pool und finnischen Saunen – im Winter ist man draußen danach schnell abgekühlt

Kulinarisches auf Schiermonnigkoog: Nicht nur leckeren Fisch gibt es im Strandpaviljoen De Marlijn, reichlich gute Auswahl hat auch das Hotel Van der Werff zu bieten.

Offenlegung: Wir wurden vom niederländischen Toursimusbüro The Dutch & German Connection zu einem Wochenende nach Schiermonnikoog eingeladen.

Über den Autoren

Jens & Sonja

Von Düsseldorf aus die Welt bereisen… Zwar sind Jens und Sonja mehrmals im Jahr in Sachen Motorsport unterwegs, doch es bleibt noch Zeit für einige Kurztrips. Die beiden werden euch hauptsächlich zu den Themen Wandern und Auszeit mit einigen Insidertipps versorgen.

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