36 Stunden in New Orleans

New Orleans empfängt uns mit Stau und Gewitter. „Damit wir uns heimisch fühlen“ mutmaßt Anja. Und ein wenig muss ich ihr recht geben – mit dem gewünschten Sonnenschein und den relaxten „New Orleans Flow“ hat unsere Ankunft am Louis Armstrong Airport nichts zu tun.

Doch wir haben Glück. Unser Chauffeur gibt uns in der Wartezeit gleich mal einen Einblick in das Leben in New Orleans und seine Sehenswürdigkeiten. Während also draußen auf den Straßen das Wetter immer usseliger wird – lehnen wir uns zurück und erfahren so einiges spannendes.

Ein Abend im Napoleon House

Ich habe noch Hunger. Und das, obwohl mein Körper mir sagt, dass es in Deutschland irgendwas zwischen 2 und 3 Uhr nachts ist. Nicht in New Orleans. Halb schlaftrunken laufen wir durch das langsam erwachende Nachtleben von New Orleans, schauen in verschiedenen Bars des French Quarters mit jazziger Musik vorbei und finden schlussendlich das „Napoleon House“.

Eine Zeitreise? Ja irgendwie schon. In diesem Haus, welches seinen Ursprung im Jahre 1794 hat, soll einst Napoleon Bonaparte während seines Exils genächtigt haben. Und fast wirkt die Einrichtung so, als wenn man alles „beim alten“ belassen will. Ich bestell ein Po-Boys: Ein für die Südstaaten sehr typisches Sandwich, ganz lecker.

Durchnässt im Hotel ;)

Während um uns herum die Welt untergeht und der Regen wieder stärker wird – sitzen wir geschützt auf der überdachten Terrasse des Napoleon House. Nur der Rückweg führt dazu, dass wir im Zimmer keine Dusche mehr brauchen.

Dauphine Orleans – Ein Hotel mit Geschichte

Wir nächtigen im Dauphine Orleans Hotel mitten im French Quarter. Unser Zimmer zeigt zu einem Innenhof – schön ruhig ist es da.

So kommt es, dass wir in der Ankunftsnacht auch sehr gut schlafen und ohne größeren „Jetlag“ mit einem kleinen Frühstück starten. Unser Zimmer ist klassisch amerikanisch, jedoch mit vielen Südstaatenelementen und Farben ausgestattet. Der Blick vom Balkon zeigt zwar kein Meer, ist aber auch ganz nett und auch das Frühstück bietet eine gute Basis, um die ersten Stunden gut zu überstehen.

Mir besonders aufgefallen ist neben dem kleinen Pool die Bar des Hotels. Die hat eine ganz besondere Geschichte, denn sie war im 18ten Jahrhundert ein Etablissement des horizontalen Gewerbes. Und ja – dort habe ich auch meinen ersten und zweiten Pimm´s Cup getrunken – einen Cocktail, der nicht nur als das bekannteste alkoholische Getränk von New Orleans gilt, sondern auch richtig lecker ist. Basierend auf Gin mit frischer Zitronenlimonade könnt ich mich in diesen Cocktail wirklich verlieben!

Das Nationalgetränk von New Orleans – Pimm´s Cup

Eine andere Geschichte wird wohl eher die Geisterjäger unter euch interessieren – denn in dem doch schon recht geschichtsträchtigen Haus soll der eine oder andere Geist herumschwirren. Ich für meinen Teil hab jedoch nicht einen einzigen entdecken können.

Unsere Fahrt mit der Straßenbahn

Die Straßenbahn entlang des Mississippi

New Orleans besitzt neben einer Bahnanbindung Richtung Chicago auch eine Straßenbahn mit Tradition. Vom French Market aus gibt es eine zweigleisige Straßenbahnlinie, die sich nah am Mississippi entlangschlängelt. Insgesamt gibt es in der Stadt drei Straßenbahnlinien – die „historische“ ist aber vor allem für Fotos meines Erachtens die reizvollste. Eine Mitfahrt ist mit knapp 1,50 Dollar auch recht erschwinglich.

Ausflug auf die Plantage

Am Ende der Toulouse-Street fahren nicht nur Dampfschiffe zu einem Ausflug auf den Mississippi ab, hier kann man auch Tickets für Bustouren zur bekanntesten Plantage von Louisiana kaufen.

Oak Alley liegt rund 1 1/2 Busstunden entfernt, auf der einiges zur Region, Geschichte der Plantagen und der Stadt New Orleans berichtet wird. Nebenbei fährt man auch noch auf einer der längsten Brücken Amerikas, die zumindest mir das Gefühl gegeben hat, das sie nie mehr endet. Rechts und links Wasser und Sümpfe – ich konnte gar nicht mehr wegschauen.

Zeitreise durch Louisiana

Oak Alley besticht vor allem durch seine beeindruckende Eichenallee – die den Blick zu einem aus Tanz der Vampire bekannten Gutshaus aus dem Jahr 1837. Die Eichen befinden sich auf einer Strecke von knapp 240 Metern und bietet das eine oder andere Fotomotiv.

Das Haus – durch welches wir eine Führung gemacht haben – ist zwar recht nett anzusehen und auch die Geschichte ist recht spannend – für Europäer ist es jedoch nichts Besonderes – und erinnert mich an so manches englische Haus.

Umso spannender fand ich dann die Ausstellung über das Leben der Sklaven im ausgehenden 18ten Jahrhundert. Die Holzbaracken dazu kann man sich auch anschauen – sie geben einen Einblick in das bescheidene Leben damals.

Nur gut 2 1/2 Stunden verbringen wir hier, bis unser Bus uns zurückerwartet. Gerne wäre ich länger verweilt, denn in der Nachbarschaft von Oak Alley entdecke ich noch andere Gutshäuser. Wie ich in einem Film auf der Rückfahrt erfahre waren es vor allem Deutsche Farmer, die in Louisiana auf Sumpfboden niederließen, Krankheiten und Naturgewalten trotzten und so einen großen Anteil an der Wirtschaftskraft von New Orleans hatten.

Eindrücke von Unterwegs

Es ist recht spät, als wir an diesem Abend zurück nach New Orleans fahren. Die Stadt ist voller Partygäste – unsere elektronischen Geräte lechzen jedoch nach Strom – ein Grund um mal schnell im Hotel vorbei zu schauen.

Feed me. Ein etwas anderes Foodkonzept

Fragt mich bitte nicht, was ich da gegessen habe. Es war innen glaub ich vegetarisch ;)

Abends sparen wir uns die lange Suche und folgen einer Empfehlung des Hotelchefs. Nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt gibt es ein recht einfaches Restaurant „Louisiana Bistro“ mit einem sehr kreativen Koch. Auf das Kennwort „Feed me.“ überrascht er uns mit tollen Eigenkreationen zu durchaus bezahlbaren Preisen.

Ein Blick in den Cemetery

Es ist der nächste Morgen und ein Freitag. Während um uns herum noch alles schläft, haben wir uns den Wecker früh gestellt – denn für den heutigen Tag steht das French Quarter auf dem Programm. Ich starte den Tag alleine und laufe zum St. Louis Cemetery, der nur einen Häuserblock von unserem Hotel entfernt liegt.

Friedhöfe sind in New Orleans ganz besonders, da die Menschen nicht „unter die Erde“ sondern in Mausoleen beerdigt wurden. Warum das so ist, könnt ihr gerne hier nachlesen. Doof nur, dass der Friedhof erst um 10 Uhr öffnet und eine Führung rund 20 Dollar kostet. Dafür bleibt mir an diesem Tag leider keine Zeit. Und so laufe ich nur einmal Drumherum und erhasche nur einen kurzen Blick auf die Gräber, die schon in einigen Filmen rund um New Orleans gezeigt wurden.

Spaziergang im New Orleans Jazz National Historical Park

Ich habe noch etwas Zeit und der Blick auf meine Navigationsapp verrät mir, das nur wenige Meter weiter ein schöner Park zu finden sein soll.

In den New Orleans Jazz National Historical Park am Rande des French Quarter verliebe ich mich jedoch auf einen Schlag. Ein paar Obdachlose sitzen am Eingang, grüßen mich jedoch freundlich. Später erfahre ich, dass dieser Park auch für Musikfestivals und Events genutzt wird.

Bei strahlenden Sonnenschein und herrlicher Ruhe sind es jedoch die entspannten Momente im grünen, die mich an diesem Morgen so faszinieren.

Im ganzen Park ist Kunst aufgestellt, die eng mit dem Thema Jazz, Louis Armstrong und Musik verknüpft sind. Ein großer See lockert dass Grün etwas auf. Die Zeit hier vergeht wie im Fluge und so fällt mir der Abschied ziemlich schwer.

Straßenkunst

Durch die St. Ann Street eile ich zum Café du Monde, an dem ich mich mit Anja treffen will.

Unterwegs werde ich jedoch immer wieder aufgehalten, denn die Häuser am Rande des French Quarters sehen einfach so unglaublich nett aus.

Eine Impression vom „French Quarter“

Auch die Künstler rund um den Jackson Square faszinieren mich, wenngleich es hier schon wieder unglaublich touristisch wirkt. Auch das Café du Monde ist Geschmackssache – hier stehen die Leute fast 100 Meter in der Schlange um drei der so bekannten Beignets zu kaufen oder sich in ein überfülltes Café zu setzen.

Anja lässt mich probieren – die Beignets sind recht gut – aber der Stress wären sie mir nicht wert. Ein kurzes Foto von der Kathedrale schieße ich noch, dann laufen wir auch schon weiter zu einer Film Tour.

New Orleans – Bekannt aus „Film“ und Fernsehen

Was habe ich mir alles unter einer Film Tour vorgestellt! Und doch wurde ich etwas enttäuscht. In einem Kleinbus ging es quer durchs French Quarter – wir haben Filmsequenzen verschiedener Filme auf einem Bildschirm anschauen können und konnten das Objekt kurz durch das Fenster bestaunen.

Filmorte erkunden im Bus.

Für all diejenigen, die nicht so gut zu Fuß sind, sicherlich eine gute Sache, mir jedoch ging dieser kurze Einblick in die Filmwelt von New Orleans zu schnell. Ich wäre gerne durch die Straßen spaziert, hätte die Orte gerne besucht und Anekdoten gehört.

So kommt es auch, dass ich nur noch wenige Filme in Erinnerung habe, die in New Orleans gespielt wurden. Der seltsame Fall von Benjamin Button und Interview mit einem Vampir waren da neben „True Blood“ schon die einzigen Filmwerke, die hängen blieben.

Straßenmusik

Endlich wieder auf „eigenen Füßen“ spazierten Anja und ich mitten ins Zentrum des French Quarters. Während die Bourbon Street eher so als „Partymeile“ verschrien ist, werde ich großer Fan der Royal Street. Dort entdecken wir eine Jazzband, die mitten auf der Straße geniale Livemusik performed.

Ich kann so gar nicht an mir halten und finde mich kurze Zeit später tanzend auf den Straßen von New Orleans wieder.

Eine kulinarische Auszeit

Tanzen macht natürlich hungrig und so kehren wir in den „Gerichtshof der zwei Schwestern“ – den The Court of Two Sisters ein. Und ich bin abermals verliebt in die kleine Zeitreise, die uns der Blick auf den Hof des Restaurants bietet. Dies ist ein Ort um Zeit zu vergessen.

Und genau das passierte uns auch. Beim Jazz Brunch entspannten wir bei wirklich gutem Essen so sehr, dass wir die Abfahrt unseres Ausflugsschiffes tatsächlich verpassten.

Frischer Fisch, leckere Saucen, viel frisches Obst und Gemüse – für 37 Dollar haben wir uns hier wirklich durch die Genüsse von New Orleans geschlemmt.

French Market und St. Louis Kathedrale

Irgendwann ging unser Brunch dann jedoch auch vorbei und so kam es, dass ich doch noch in den Genuss des French Market kam. Ich muss ganz ehrlich sein – hier hatte ich mir etwas ganz anderes vorgestellt.

Es gibt nette Stände, im Großen und Ganzen handelt es sich bei den Händlern jedoch nicht um klassische Obst und Gemüsehändler, wie das früher einmal der Fall gewesen ist, sondern um Souvenirverkäufer.

French Market

Ich probiere ein paar Masken an und spazieren kurze Zeit später zurück zum Jackson Square. Dort besuche ich das erste Mal in meinem Leben eine amerikanische Kirche.

Die St. Louis Kathedrale oder eher das Grundstück auf dem sie steht ist der älteste kontinuierlich genutzte Gottesdienstort in den USA. Seit 1718 gibt es hier kirchliche Events. 1850 erhielt sie ihr heute bekanntes Aussehen und ist meiner Meinung nach von außen wie von Innen durchaus sehenswert.

Cooking Class

Den Dinner Cruise habe ich leider verpasst

Während Anja sich zu einem „Dinner Cruise“ auf den Mississippi aufmacht, erlebe ich an diesem Abend eine ganz besondere Premiere. Einen amerikanischen Kochkurs. Eine besondere Herausforderung – denn nicht nur die Sprache, sondern auch die Art zu Kochen, die Maßeinheiten – so ziemlich alles ist in den USA ein wenig anders.

Beim Rühren vom Pralinenteig.

Für gut 3 Stunden ist unser Kurs angesetzt und gemeinsam mit 3 Amerikanern lerne ich mehr über die Küche der Südstaaten. Wir machen Pralinen (sehr süß aber lecker), wir kochen eine Gumbo – eine typische Suppe aus der kreolischen Küche und wir bereiten einen Fisch auf einem Gemüsebeet zu.

Ich habe viel Spaß und dank einiger Tipps unseres Chiefs gelingen unsere Gerichte. Mit Wein und Bier und netten Gesprächen endet unser Abend viel zu früh – und während ich so durch die Straßen von New Orleans ziehe höre ich von überall her Musik und gut gelaunte Menschen.

Abschied aus New Orleans

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Taxi zum Bahnhof. Unser nächstes Abenteuer wartet – eine Busfahrt nach Pensacola.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Ausprobieren: Pimm’s Cup (Cocktail), Cumbo (Suppe) und Beignets (Gebäck)
  • Mitnehmen: Lustiges Souvenir aus der Dauphine Hotel Bar: Strumpfhose und Diplom für „Etablissement ;)“
  • Der „Hands on“ Cooking Classes Kochkurs (Schürze dürft ihr danach mitnehmen) kostet 139 Dollar und kann ab online gebucht werden. Die Teilnahme ist ab 18.
  • Das Jazz Brunch im „The Court of two sisters“ beginnt morgens und zieht sich in die Nachmittagsstunden. Wir haben knapp 3 Stunden hier gesessen und genossen. Tee und Kaffee sind im Preis von 37 Euro inklusive. Getränke müssen extra bezahlt werden. Nebenbei wird dezent Musik gespielt. Vorsicht vor Spatzen, die sind hier manchmal etwas dreist ;)
  • Die Movie Tour kann auch online gebucht werden und kostet für 120 Minuten 43 Dollar.
  • Die Tour zu Oak Alley dauert 5 – 7 1/2 Stunden und wird mit dem Bus angeboten. Die Busfahrt, der Eintritt zu Oak Alley und die Führung im Haus sind im Preis inkludiert, Getränke und Speisen können vor Ort gekauft werden. Der Preis beträgt aktuell 63 Dollar. Die Touren gibt’s das ganze Jahr über und sie starten um 12 Uhr am „Ligthhouse“ im French Quarter.
  • Das Dinner „Feed Me“ gibt es als Drei Gänge Menü für 50 Dollar ab 18 Uhr im Louisiana Bistro
  • Mehr zum Napoleon House findet ihr hier
  • In New Orleans im French Quarter ist Alkoholverzehr auf offener Straße erlaubt. Meist bleibt die Partymeute jedoch in der Bourbon Street – und ich habe mich auch immer sicher gefühlt.
  • Im French Quarter gibt es einige nette Läden mit interessanten Souvenirs. Nehmt euch die Zeit und schlendert Tagsüber mal durch die Gassen.
  • Anfang Mai ist Jazzfestival. Wir haben uns sagen lassen, das dieses Event für Jazzliebhaber ein Muss ist!

Von Frankfurt aus gibt es mit Condor Direktflüge nach New Orleans. Diese gehen aktuell zwei Mal pro Woche. Taxis sind durchaus bezahlbar, wir würden bei Unterbringung im French Quarter daher von einem Mietwagen abraten und auf Taxis und Tram sowie Busse umsteigen. New Orleans ist auch von Chicago aus mit dem Zug erreichbar und es gibt Busverbindungen Richtung New York und mit Umsteigemöglichkeit nach Miami.

Ich habe im Dauphine Hotel in New Orleans übernachtet. Das Hotel befindet sich einem älteren Haus am Rande des French Quarters. Die Zimmer sind ausreichend groß und sauber und in den Betten schläft man gut. Falls was nicht funktionieren soll (bei uns der Safe) kommt selbst abends jemand und repariert das sofort. Das Frühstück ist amerikanisch aber gut und ausreichend. Das Hotel hat im Innenhof einen kleinen Pool und einen Fitnessraum.

Offenlegung: Ich wurde auf dieser Reise eingeladen durch Condor und dem Tourismusamt New Orleans sowie dem Dauphine Hotel. 

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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