Ein Kurztrip durch Bautzen – eine ganz besondere Zeitreise

Ein ganz spezieller Rundgang durch Bautzen

Wenn wir schon mal diese Stadt besuchten, sollte eine Stadtführung natürlich nicht fehlen. Aber so ohne Weiteres war uns das gar nicht möglich. Unsere Stadtführerin mussten wir nämlich erst von ihrem Arbeitsplatz abholen. Und da sie einer der Turmwächterinnen ist, hieß es für uns: erst einmal den 1,44 m schiefen und 56 m hohen Reichenturm erklimmen.

Eng, steil, aber zum Glück ohne Gegenverkehr – so erwartete uns die Turmsteige und wir waren doch froh, als wir die Plattform erreichten.

Die Turmwächterin zeigte uns auch gleich voller Leidenschaft die verschiedenen Sehenswürdigkeiten und deren historische Bedeutung von oben. Nur schade, dass der Wind uns mit ziemlicher Wucht um die Ohren pustete. Die gute Dame musste teilweise ganz schön dagegen ankämpfen mit ihrer Stimme.

Mit der Turmwächterin durch Bautzen

Nach diesem ersten Überblick über Bautzen ging es für uns wieder an den Abstieg und im Anschluß in eine sehr gemütliche und unterhaltsame Stadtführung. Ich mag es ja ganz besonders, wenn man Geschichten und Anekdoten von Einheimischen erzählt bekommt. So richtig mit vollem Herzblut bei der Sache. Und genau so war es hier auch. Wir hörten förmlich das Wehklagen der Bautzener bei der Massenhinrichtung der Handwerker oder das Trappeln der Pferdehufe, wenn wieder einmal eine Prozession durch die Stadt ritt.

Wir erfuhren aber auch, warum die Kröte ein Wahrzeichen der Stadt ist. Manchmal wirklich komisch, wie so etwas kommt: da bauten die Urväter einen supertollen obermodernen Wasserturm, damit die Stadt endlich nicht mehr den gefürchteten Stadtbränden so ausgesetzt ist und dann fließt bei der feierlichen Eröffnung kein Wasser.

Der arme Baumeister floh Hals über Kopf. Schließlich war es schon damals so: Einer musste ja schuld sein und dem geht es nun ans Leder! Der gute Mann träumte jedoch in der Nacht seiner Flucht, dass eine Kröte das Rohr des Wasserturms verschließt. Also schlich er sich wieder zurück, entfernte diese und wurde schlußendlich doch noch der Held der Bautzener. Seitdem sieht man die Kröte immer wieder als Wahrzeichen in der Stadt auftauchen…

Wunderschön anzusehen: die gut erhaltene Stadtmauer, die sich durch die Stadt schlängelt und der wir immer wieder begegnet sind

Ich hätte ja die ganze Zeit nur Mauer fotografieren können…

Bautzen und die Sorben

Oder doch eigentlich die Sorben und Bautzen? Ich bin mir nicht ganz sicher und bitte darum, mir zu verzeihen, falls ich das falsch formuliert habe.

Auf jeden Fall sind Beide eng miteinander verknüpft. Dies spürten wir ganz besonders beim Besuch des Serbski Muzej (Sorbisches Museums). Traditionelle Kostüme, Bauten und Erzählungen zeugen von einer vergangenen Zeit, die aber immer mehr wieder von den Sorben gepflegt und wiederbelebt wird.

So gibt es in Bautzen zum Beispiel Schulen, an denen Deutsch und Sorbisch unterrichtet wird. Und das auf Wunsch nicht nur für Sorben. Und ein sorbisch-deutsch sprechendes Theaterensemble.

Natürlich sieht man auf den Straßen nicht viele Sorben in ihrer damaligen Altagstracht, aber den einen oder anderen Gesprächsfetzen in deren Sprache haben wir schon aufgeschnappt.

Besonders beeindruckt hat uns der Besuch des sorbisch-katholischen Friedhofs in Ralbitz.

Es bedarf nicht vieler  Worte, um die Besonderheit darzustellen: jeder Mensch ist im Tode gleich und daher erhält jeder Mensch den gleichen Bestattungsplatz und das gleiche Kreuz. In Reih und Glied. Egal, ob zu Lebzeiten arm oder reich. Egal, ob man neben den Familienangehörigen zum Liegen kommt. Bestattet wird dort, wo der nächste freie Platz ist. Dieser Friedhof hatte seine eigene ganz bedeutsame Ausstrahlung auf uns.

Bautzen und die Sache mit dem Gefängnis

Bautzen ist aber natürlich nicht nur für die Sorben und seinen Senf bekannt, sondern auch durch ein Vermächtnis, das wir nicht unter den Teppich kehren wollen: das ehemalige Stasi-Gefängnis. Dabei war es auch vor den Zeiten des kalten Krieges berüchtigt: auch die sowjetische Geheimpolizei NKWD unterhielt hier für 4 Jahre ein Untersuchungsgefängnis.

Wir haben dieses ebenfalls besucht, weil es uns beiden ein Bedürfnis war, mehr über die damalige Zeit zu erfahren und wurden diesbezüglich nicht enttäuscht. Die Atmosphäre in dem Gebäude, die dargestellten Geschichten, die Enge der Zellen, die Aussichtlosigkeit der Insassen, all das ließ uns aber recht bald regelrecht die Flucht ergreifen.

Wenn auch nicht selbst erlebt, hat uns das Ganze doch mehr berührt als erwartet und wir haben noch lange über das Gesehene gesprochen, bevor es von den anderen Eindrücken in den Hintergrund gerückt wurde.

Beschreiben ist kaum möglich. Aber wenn es euch ein bisschen interessiert, würde ich den Besuch auf jeden Fall empfehlen! Der Eintritt ist kostenlos und es ist wichtig, dass wir diese Zeit und die Betroffenen nicht vergessen…

Noch mehr Impressionen?

Und jetzt noch einige unserer Fotos, die ich im Artikel einfach nicht mehr unter bekommen habe:

Bautzen Impressionen 26
Bautzen Impressionen 25
Bautzen Impressionen 24
Bautzen Impressionen 23
Bautzen Impressionen 22
Bautzen Impressionen 21
Bautzen Impressionen 20
Bautzen Impressionen 19
Bautzen Impressionen 18
Bautzen Impressionen 17
Bautzen Impressionen 16
Bautzen Impressionen 15
Bautzen Impressionen 14
Bautzen Impressionen 13
Bautzen Impressionen 12
Bautzen Impressionen 11
Bautzen Impressionen 10
Bautzen Impressionen 09
Bautzen Impressionen 08
Bautzen Impressionen 07
AusflugstippsAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen

Das Sorbische Museum in Bautzen

* Lage/Anfahrt:  Serbski muzej – Sorbisches Museum * Ortenburg 3 * 02625 Bautzen
* Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr, Montag geschlossen, außer an Feiertagen
* Eintrittspreise: Einzeleintritt normal: 5,00 EUR / ermäßigt: 2,50 EUR
Familienkarte: 10,00 EUR ab 2 Erwachsene + 1 und mehrere Kinder
Foto- und Videoerlaubnis: 3,00 EUR
Alle Etagen sind mit dem Fahrstuhl erreichbar und sämtliche Ausstellungsräume für Rollstuhlfahrer zugänglich.
* Alle Informationen auf der Webseite: Sorbisches Museum

Sorbisch-katholischer Friedhof in Ralbitz

Adresse: Lasker Straße, 01920 Ralbitz-Rosental

Reichenturm in Bautzen

* Begehung in den Sommermonaten möglich
* Mit auf 1,44 m außer Lot ist der Reichenturm auch als „Schiefer Turm von Bautzen“ bekannt.
* Informationen unter: Reichenturm in Bautzen

Ehemaliger „Stasi-Knast“ Bautzen II

* Öffnungszeiten:Mo – Do 10:00 bis 16:00  Uhr,  Fr: 10:00 bis 20:00 Uhr, Sa + So + Feiertage: 10:00 bis 18:00 Uhr
* Eintritt frei
* Weigangstraße 8a, 02625 Bautzen
* Alle Informationen auf der Webseite: Gedenkstätte Bautzen

Anreise mit dem Pkw

Über die Autobahn A4 (E40) erreichr ihr Bautzen aus den Richtungen Dresden und Görlitz. Mögliche Abfahrten sind Salzenforst, Bautzen-West (mit Panorama-Blick auf die Altstadt) und Bautzen-Ost.

Anreise mit Bus + Bahn

Über das Fernbus-Angebot von Flixbus ist Bautzen unkompliziert von Berlin aus zu erreichen.

Per Bahn gelangen Sie über die Strecke Dresden-Görlitz nach Bautzen. Die Fahrtzeit beträgt zwischen 46 min (Regionalexpress) und 54 min (Regionalbahn).

Wir übernachteten im Best Western Bautzen und da ich hier ehrlich sein soll muß ich gestehen, dass mich das Hotel von außen nicht sehr ansprach. Ein recht hoher Bau (im Vergleich zu den anderen Bautzenern Häusern), im grauen Anstrich wirkte es nicht sehr einladend.

Doch bereits der erste Schritt in die geräumige und sehr ansprechende Vorhalle versprach einen wundervollen Aufenthalt! Dunkle Rottöne lassen die Seele ankommen und sehr gemütliche Sitzecken laden zum Verweilen ein.

Nach einem herzlichen Empfang konnten wir uns in unserem Zimmer dann genauso gut aufgehoben fühlen, wie kurz vorher beim Empfang. Die typische Einrichtung und das große bequem aussehende hielten über Nacht auch das, was sie versprachen: eine angenehme Ruhe nach einem langen Tag in Bautzen und Umgebung.

Zimmerpreise ab: 80 Euro.

Offenlegung: Wir bedanken uns beim Best Western Bautzen, dem Sorbischen Museum, dem Mönchshof und dem Restaurant Wjelbik für die Einladung.

Kerstin & René
Kerstin & René

Unsere Berlinkorrespondentin ist häufig in der Hauptstadt und deren Umgebung unterwegs und findet zusammen mit ihrer Familie so manchen tollen Geheimtipp. Ob Kulinarik, Kreativität, Museen oder Bücher, lernt durch ihre Berichte das "Zentrum der Macht" neu kennen....

Du willst mehr sehen?

Schreib uns einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare