24 Stunden im Spreewald – Kurzurlaub in Burg und Lübbenau

Ich muss wohl ungefähr drei Jahre alt gewesen sein als meine Eltern mich in den Spreewald entführten. Ein Bild – noch in Schwarzweiß und ziemlich unscharf – zeigt uns auf einem der schon damals in der DDR sehr beliebten „Spreewald-Kähne“. Lange Zeit lockte mich jedoch nicht viel in die wohl bekannteste Touristenregion Brandenburgs. Meine liebe Freundin Inka hatte jedoch eine Idee. Nichtsahnend das sie mir damit einen meiner größten Urlaubswünsche erfüllte machten wir uns an einem Tag Anfang September von Berlin aus auf in den Spreewald. Knapp 1000 Baustellen und rund 90 Minuten später hatten wir unser erstes Ziel erreicht – Burg im Spreewald.

Klassische Sehenswürdigkeiten im Spreewald?

Okay – ich bin ehrlich zu euch. Die Sehenswürdigkeiten im Spreewald war für mich bisher immer der Inbegriff einer klassischen Busreise 50+. Was an sich ganz okay ist – zu mir jedoch leider nicht passt. Anfahrt mit dem Bus, kurzer Stop im Café, eine Tour mit dem Kahn durch die Kanäle von Burg oder Lübbenau und anschließend noch Spreewälder Gurken oder Zwiebeln oder kleine Mitbringsel für daheim einkaufen. Ich bin persönlich kein Fan von so „Gruppenveranstaltungen“.

Wohl auch deshalb war mein letzter Besuch hier um 1983 (da war ich drei). Da ich damals schon eine Fahrt mit dem Kahn gemacht hatte – hab ich mir dieses mal ein anderes Programm vorgenommen.

Übernachten in Lübbenau – Eine Nacht im Schloss

Wusstet ihr, das es in Lübbenau ein nettes Schloss gibt? Das 1817 gebaute klassizistisches Bauwerk hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Als Museum, als Lazarett, als Schule, im Krieg auch als Ort an dem Putschversuche auf Hitler geplant wurden, Wenn Haus-Geschichte reden könnte – dieser Ort hätte sicherlich sehr viel zu erzählen. Heute ist im Schloss ein Hotel untergebracht.

Wir haben uns spontan entschlossen ein Zimmer dort zu buchen – auch wenn das Hotelzimmer leider einen etwas angestaubten Eindruck machte – in einem Schloss zu übernachten ist per se eine tolle Erfahrung. Absolut empfehlen können wir das Frühstück und einen Spaziergang durch den Schlosspark und auch durchs Schloss.

Frühstück im Schloss Lübbenau

Zum Thema „Zeitreise“ gibt es noch einen Extratipp: Noch heute hängen in den Fluren zahlreiche Bilder die von der Geschichte von Lübbenau und dem Schloss erzählen. Übrigens – auch ein kleiner Wellnessbereich ist vorhanden!

Bitte keine Kahnfahrt! Alternativen zur klassischen Kahntour

Fast an jeder Ecke werden im Spreewald Kahnfahrten angeboten. Es gibt kleine und große Unternehmer, es gibt Fahrten mit Verköstigung und im Winter sogar mit Glühwein und offenem Feuer. Und doch wollte ich diesmal etwas anderes erleben. Meine Freundin Inka hatte eine hervorragende Idee und erfüllte mir auch gleich einen Wunsch. Ich wollte mich am Stand Up Paddeln probieren – und auch dies geht im Spreewald.

Erste „Stehversuche“ auf den Board

Nach einer kurzen Einweisung (wer ein wenig Yogaerfahrung hat kommt mit dem SUP-Boards super zurecht) ging es raus auf die Kanäle. Nach den ersten wackeligen Metern konnten wir unsere besondere Fahrt durch die Spreewaldkanäle genießen. Es war traumhaft. Das Wasser unter uns: Glasklar. Das Rauschen der Bäume über uns: Tiefenentspannend. Die Ruhe um uns herum: Herrlich. Die Tiere die wir unterwegs entdecken durften: Beeindruckend. Nur ich und Inka waren unterwegs – gelegentlich fuhr ein Paddelboot vorbei. Nach gut 2 Stunden (die Zeit verging wie im Flug) war unsere kleine Runde „SUPPEN“ auch schon vorbei. Und wir beide? Tiefenentspannt!

Dieses tolle Bild von mir auf einem SUP-Board hat die liebe Inka von blickgewinkelt gemacht!

Wer sich nicht auf ein Board traut kann klassisch natürlich auch mit einem Paddelboot oder Kajak die Kanäle erforschen. Eine wichtige Regel ist jedoch, das die „Spreewaldkähne“ immer Vorfahrt haben. Da die meisten Kanäle jedoch gut einsehbar sind, solltet ihr damit keine Probleme haben.

Spreewälder Gurken mal anders – Gurkeneis und Gurkenradler

Das wohl bekannteste Mitbringsel aus dem Spreewald sind die „Spreewälder Gurken“. Die werden mittlerweile gar nicht mehr direkt im Spreewald angebaut – durch ihre typische Zubereitungsart dürfen sie jedoch noch so genannt werden und sie werden im Spreewald an jeder Ecke verkauft. Ich kenn die Spreewälder Gurken von „früher“ zur Genüge – in meinem Kurzurlaub wollte ich mich deshalb mal an anderen regionalen Köstlichkeiten rund um die Gurke probieren.

Gurkeneis bei Urbans in Burg

Unser erster Stop war das Eis-Café Urbans in Burg im Spreewald. Dort gibt es seit 1972 hausgemachtes Eis in teilweise sehr eigenwilligen Kreationen. Das wohl bekannteste Eis hat die Geschmacksrichtung „Spreewälder Gurkeneis“. Klingt komisch – schmeckt aber wirklich richtig gut.

Ich konnte Gurke und Dill rausschmecken und habe nicht nur probiert, sondern das ganze Eis ganz vernascht. Das Eiscafé, welches direkt an der Straße liegt, achtet auch auf Nachhaltigkeit.

Statt Plastiklöffeln bestehen diese aus Holz, auch die Becher sind aus Pappe. Die Eissorten werden alle selbst gemacht und sind ohne künstliche Zusatzstoffe. Wer im Spreewald unterwegs ist empfehle ich definitiv einen Zwischenstopp!

Gurkenradler in Lehde

Ein etwas anderes Erlebnis ist der Genuss eines Gurkenradlers. Die Brauerei Kirchers liegt zwar nicht direkt im Spreewald (in Drebkau) – das Bier jedoch könnt ihr überall genießen. Wir haben den Genuss des ganz besonderen Radlers stilecht direkt an einem der zahlreichen Spreewaldkanäle in Lehde genießen können. Das Getränk besteht aus 50 % Bier und 50 % Gurkenbrause.

Der Geschmack? Nun ja – mir persönlich ist das Radler etwas zu süß – aber genießbar. Allein schon wegen der Farbe und der Regionalität ist es jedoch ein Getränk, welches zum Spreewald passt. Und auch für alle die einen Kaffee oder ein klassisches Bier bevorzugen – Lehde bietet sich dafür hervorragend an und sollte schon allein für meinen letzten Tipp fürs Spreewald angefahren werden!

Eine Zeitreise im Freilandmuseum Lehde

„Lass uns ins Freilandmuseum nach Lehde fahren“ war der Vorschlag von Inka. Zugegeben – nach zwei Stunden Stand Up Paddeling war ich zumindest recht müde und hätte mich eher für ein ausgedehntes Kaffeekränzchen entschieden. Dennoch fuhren wir mit dem Auto nach Lehde. Lehde selbst hat mehr Wasserstraßen denn Auto- oder Fußwege. Das Auto bleibt vor dem Dorf stehen. Zum Freilandmuseum sind es gut 800 Meter. Der ganze Ort? So wie ich mir den klassischen Spreewald vorstellen würde. Holzhäuser, viele Bäume, liebevolle Vorgärten und ein klein wenig „stehengeblieben“.

Nach der anstrengenden Fahrt hierher (viel Verkehr, viele Touristen) kam ich mir hier wie in einer anderen Welt vor. Ruhig, entspannt, schön. Über eine Brücke ging es dann ins Museum – in dem wir nicht nur alte Häuser entdecken und erleben konnten sondern auch vieles über das Leben in Lědy erfahren haben. Denn was viele vergessen oder gar nicht auf dem Schirm haben? Hier waren und sind Sorben daheim.

Die Sorben haben eine eigene Sprache und auch eine eigene Flagge – auch Bautzen gehört zum Beispiel dazu. Im Freilandmuseum jedoch geht es auf eine Zeitreise. Wir haben uns im Wasserschleppen anno dazumal probiert – ich habe mich ins Heu geworfen und wir haben uns gewundert wie groß wir doch sind. Ein wundervoller Ort um in die Geschichte einzutauchen!

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen
  • Ihr wollt auch durch die Spreewaldkanäle „suppen“? Dann lohnt sich ein Besuch bei Martin von Standup-Paddeling Spreewald. Eine Stunde auf dem SUP-Board inkl. Leihboard gibt’s schon für 10 Euro, es werden aber auch Touren angeboten.
  • Das Cafe Urban in Burg ist eine Institution zum Thema Eis im Spreewald. Auch wenn die Schlange dort (vor allem im Sommer) recht lang ist – anstellen lohnt sich. Das Eis ist wirklich gut (und ich habe nicht nur Gurke probiert) und auch die Bedienung ist Freundlich. Direkt an der Straße gibt es ein paar Tische und Stühle, dort könnt ihr das Eis verzehren. Alle wichtigen Infos findet ihr auf Cafe-Urban.de
  • Das Spreewalddorf Lehde sollte nicht auf eurer Spreewald-Tour fehlen. Es ist Sommer wie Winter geöffnet und bietet einen Einblick ins Leben des Spreewaldes von vor 100 Jahren und mehr. Der Eintritt kostet 5 Euro (Stand: 2019). Öffnungszeiten und Sonderaktionen vor Ort (wie den tollen Weihnachtsmarkt) findet ihr unter museums-entdecker.de
Wir haben im Schlosshotel Lübbenau übernachtet. Wir haben spontan angerufen und haben für die Nacht 140 Euro inkl. Frühstück für zwei bezahlt. Unser Zimmer war zwar etwas altmodisch eingerichtet – aber sauber und ideal für eine Nacht. Das Hotel hat auch einen wunderschönen Park und für Schlechtwettertage auch einen Wellness-Bereich. 
Lübbenau lässt sich mit dem Zug gut von Berlin aus erreichen, vor Ort empfehle ich dennoch ein Auto. Alle Spreewald-Touristenorte haben am Ortseingang Parkplätze, lasst euer Auto am besten dort stehen.

Nix Offenlegung. Alles privat bezahlt.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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