Home » Reisethemen » Deutschland » Niedersachsen » Ein Wochenende im Schlafstrandkorb. Wie ich die Nordsee bei Bensersiel hautnah erlebt habe.
Niedersachsen

Ein Wochenende im Schlafstrandkorb. Wie ich die Nordsee bei Bensersiel hautnah erlebt habe.

Es ist Freitagabend. Durch Megastaus im Ruhrgebiet, Regenschauer auf der A31 und Rot-Ampelphasen auf den letzten Kilometern bis Bensersiel hindurch habe ich viel Zeit gehabt, mir über mein Wochenend-Ziel Gedanken zu machen.

Ein Wochenende in Bensersiel

Ich zelte. Nun ja, eigentlich nicht direkt. Aber irgendwie schon. Clamping trifft das Ganze aber auch nicht. Butter bei die Fische – ich übernachte in einem Strandkorb. In einem sogenannten „Schlafstrandkorb“ – der schon im letzten Jahr in Schleswig-Holstein einige Tourismuspreise gewonnen hat.

Ostsee jedoch kann jeder.

Die besondere Herausforderung für mich war die Übernachtung wider allen Gezeiten. Wo geht das besser als an der ostfriesischen Nordseeküste?

Für mein Abenteuer habe ich mir ein perfektes Wochenende ausgesucht. Norddeutsches Wetter mit einer leichten Brise und ein klein wenig Wasser von oben. Und ich? Rund 20 Meter vom Wasser entfernt. Zumindest dann – wenn es mal da ist.

32 Stunden Schlafstrandkorb

Wie ich vorher feststellen konnte – wirklich Gedanken habe ich mir über meinen Schlafkomfort gemacht – zahlreiche essentielle Dinge habe ich dabei jedoch völlig beiseitegeschoben. Pinkeln zum Beispiel. Oder Strom. Essen. Umziehen. Gepäck. Wetter. Ja vor allem Wetter ;).

Die Liste kann ich natürlich noch weiterführen – zu allen diesen Punkten habe ich unten in der Infobox auch noch ein paar hilfreiche Tipps.

Am Strand

Viel zu spät war ich auf dem Campingplatz Bensersiel und bekam den Schlüssel für meinen Schlafstrandkorb in die Hand gedrückt. „Kommen sie morgen für alle weiteren Formalitäten“. So stellte ich mein Auto wie befohlen auf der Wiese ab, nahm mir nur das notwendigste mit und lief gut 100 Meter entlang eines Holzsteges zum Meer. Dort standen Lee und Luv.

Das ist Lee.

Für alle Segler unter euch sicherlich bekannte Wörter – für mich „Neuland“. In der Ferne wurden die Wolken immer dunkler. Zeit, sich einzurichten. Und so öffnete ich den Strandkorb, in dem ich zwei Schlösser löste und das Dach nach oben klappte. Im Inneren ist recht viel Platz – zumindest für mich alleine – und neben einer Flasche Sekt und zwei kuscheligen Decken ist auch das Bett schon bezogen.

Überraschungen

Schnell stell ich fest, dass die einzige Lichtquelle ein kleines Dot It ist und das ich hinter den Kissen ein wenig Abstellfläche habe. Strom? Fehlanzeige! Wer hier nicht mit einer Powerbank vorgesorgt hat oder wie ich das Mobiltelefon im Auto aufgeladen hat ist schnell „offline“.

Und doch gefällt mir der Ausblick. Das Meer ist gerade auf dem Rückzug, es ist – wohl auch wegen dem Wetter – recht ruhig und wenig belebt und der auffrischende Wind tut nach den letzten heißen Tagen wirklich gut.

Umgebung

Abendessen auf Campingdeutsch

So langsam bekomme ich Hunger. Auf dem Gelände des Campingplatzes gibt es einen Shop mit Imbiss, den ich für den Abend aus erkundschafte. Eine Currywurst mit Pommes, lecker und durchaus bezahlbar, bestelle ich mir. Sogar der kleine Shop wird für mich extra noch mal geöffnet und so kann ich mir etwas zu Trinken und ein kleines Gutenachthupferl besorgen.

Als ich rauskomme, kann ich den Regen schon riechen. Ich entscheide mich dafür, mich schnell im Auto umzuziehen und danach meine Abendhygiene anzuschließen. In der Nacht noch mal raus? No Way. Als ich zum Strandkorb hinuntereile, sind nur eine Möwe und ich unterwegs. Tief atme ich die gute Luft ein und verzieh mich dann schnell ins trockene.

Nächtlicher Regen

Schnell stelle ich fest, dass bei Regen der Strandkorb-Kokon vollständig geschlossen und an allen Seiten dicht sein muss. Ansonsten kann es schnell einmal passieren, dass Regenwasser im Schlafgemach landet. Nachdem ich am Abend alles sicher verstaut habe und es draußen auch immer dunkler wird, kuschele ich mich in die warmen Decken. Im Nu ist mir warm – und während ich draußen in der Ferne das Meer rauschen höre und ich aus dem Bullauge direkt auf den regennassen Strand schaue – werde ich müde. Ich schlafe tief und doch werde ich drei Uhr nachts wach. Der Regen trommelt aufs Dach und verdammt – meine Blase drückt. Es nützt nichts – ich muss raus. Für die nächste Nacht besorge ich mir eine Schüssel – für alle Eventualitäten. ;)

Der Weite Weg zu den sanitären Anlagen

Ein ungewollter Spaziergang

Mein nächtlicher Ausflug dauert nicht lange – schon bald liege ich wieder im Bett. Die Matratze ist recht hart, was sonst eigentlich nicht so meines ist – und doch schafft es die gute Nordseeluft und die Wärme im Kokon recht schnell, mich wieder einzulullen. Gut 5 Stunden später wache ich auf – diesmal treibt der Hunger mich aus den „Federn“. Auch hier werde ich beim Imbiss an der Ecke fündig. Die Brötchen sind super lecker – und auch wenn es nur abgepackte Marmelade gibt – so verweile ich im Regen/Wind/Sonne-Wechsel gut eineinhalb Stunden hier. Ich komme ins Gespräch mit Campern – die hier auch nur fürs Wochenende untergekommen sind und ebenfalls fast direkt an der Waterkant schlafen. Neugierig fragen sie mich über den Schlafstrandkorb aus.

Ich habe keine Termine.

Ich beobachte die Schiffe beim „Auslaufen“, spaziere im Watt herum und werde prompt von einem richtig stürmischen Regen erwischt. Zurück in den Strandkorb. Die Hose ist komplett durchgeweicht und so bin ich froh, dass ich Wechselsachen mit hierher genommen habe.

Ein wenig frisch ist mir und so kuschele ich mich in die Decken und lasse den Regen vorbeiziehen. Dann ist es soweit! Sonne! Endlich kann ich den Kokon öffnen – endlich kann ich mir mein Buch nehmen und entspannt den „Sommertag“ genießen! Ein paar Kinder kommen vorbei und schauen neugierig, was für ein „seltsames Gebilde“ mein Strandkorb ist.

Obwohl ich mit meinen kleinen Snacks und meinem Buch zufrieden bin – der Hunger auf ein leckeres Stück Kuchen wächst. So mach ich mich „ausgehfertig“ und fahre nach Esens. Dort gibt es in einer kleinen Einkaufsmeile auch ein paar Restaurants, Cafés und Konditoren. Stachelbeer-Sahne-Baiser bei Schlicky. Man gönnt sich ja sonst nix.

Und plötzlich ist es vorbei mit dem Relaxen.

Ich entdecke eine Windmühle, Kunst, genieße eine kleine Auszeit in der Nordsee-Therme von Bensersiel und werfe einen Blick auf den kleinen süßen Park sowie den Segelhafen. Abends will ich mich diesmal nicht mit Currywurst zufriedengeben und lande deshalb in einem der Restaurants in Bensersiel – dem Stürhus.

Ich bin todmüde – und dabei habe ich an diesem Tag nichts wirklich getan. Diesmal ziehe ich mich im Strandkorb um – und kann mich dazu fast hinstellen. Auch an diesem Abend will sich die Sonne nicht blicken lassen. Ein wenig „Abendrot“ hinter Langeoog und schon kehrt die Nacht herein. Ich jedoch lese und vergesse daraufhin die Zeit. Irgendwann macht auch mein Handyakku die Biege – so das ich gänzlich das Gefühl für Zeit verliere.

Wieder werde ich in der Nacht kurz wach.

Wind kommt auf und im Schlafkorb nebenan ist das Pärchen noch schnell dabei, alles abzudichten. Denn mit dem Wind kommt das Wasser (von oben). Selbst die Nordsee – die gestern noch weit entfernt schien – ist plötzlich ganz nah. Schnell dämmere ich wieder weg und träume vom Meeresgrund.

Sonntagmorgen – es ist Zeit Abschied zu nehmen.

Das Wetter war wechselhaft und doch war es herrlich. Die Nordsee direkt vor der Nase – viel gute und frische Luft im und um den Kokon und ein morgendlicher Spaziergang im Watt – das Leben kann einfach schön sein. Ich mache mich an diesem Tag früh auf – und mache eine kleine Reise durch Ostfriesland. Das jedoch ist eine andere Geschichte – die bald erzählt werden will.

Ob Otto wohl daheim ist?
Wichtige HinweiseAnreiseAusflugsempfehlungenWeitere Inspirationen
  • Die Nacht im Schlafstrandkorb kostet pro Nacht in 2017 49 Euro zzgl. Kurbeitrag. Im Preis inkludiert ist die Nutzung der Campinganlagen und Bettwäsche, Fleecedecken und eine Flasche Sekt. Mehr Infos findet ihr auf der Seite von Bensersiel.
  • Der Strandkorb lässt sich auf verschiedene Öffnungen einstellen. Vor allem hierfür empfiehlt es sich, schon etwas früher anzureisen, da ihr dann eine kleine Einweisung bekommt.
  • Neben dem Korb befinden sich zwei Stühle und ein Tisch. Der Bereich ist umzäunt – damit der Korb sicher steht, befindet er sich auf Holzpallets.
Der Strandkorb lässt sich dank Kufen in eine beliebige Richtung drehen.
  • Die Toilette ist rund 100 Meter von eurem Schlafstrandkorb entfernt.
  • Neben der Toilette gibt es auch einen Umkleideraum
  • Duschen befinden sich auf dem Campingplatz.
  • Gefertigt werden die Schlafstrandkörbe an Nord und Ostsee von der Stiftung Mensch . Für knapp 6000 Euro könntet ihr euch so ein Teil in den eigenen Garten stellen – günstiger ist jedoch eine Übernachtung an Ost oder Nordsee
  • Die Maße sind 130 (Breite) x 240 (Länge) (also auch für größere Menschen geeignet) x 140 cm (Höhe).
  • Mitnehmen: Powerbank, Ladeadapter fürs Auto, eine kleine Schüssel, Taschenlampe, Strickjacke (in der Nacht wird es immer mal frisch), Handtuch, lange Schlafhose, warme Socken (für die Nacht)
  • Der Strandkorb ist nur in der Sommersaison verfügbar. Bei Unwetter und allzu stürmischen Wetter sind Verschiebungen des Termines möglich.

Ich empfehle die Anreise mit dem Auto, auch weil ihr hier einen trockenen Ort zum Umziehen und Strom-Aufladen habt. Eine Anreise ist theoretisch jedoch auch mit Bus und Bahn möglich. Zielort: Bensersiel Hafen.

  • Wie wäre es mit einem kurzen Abstecher auf die Insel Langeoog? Die Fähre dorthin ist nur 10 Gehminuten vom Campingplatz entfernt.
  • Bei schlechtem Wetter empfiehlt sich ein Abstecher in die Nordseetherme. Für Tagesgäste gibt es hier sogar Handtücher zur Leihe und neben mehreren Becken und Saunen gibt es auch eine Rutsche, von derem Turm man einen tollen Blick über Bensersiel hat. Der Eintritt kostet für zwei Stunden 7 Euro, für den ganzen Tag 11 Euro. Mit eurer Servicecard vom Campingplatz bekommt ihr jedoch auch noch Rabatt.
Esens
  • Für alle Landratten unter euch lohnt sich ein Besuch in Esens. Esens hat einen kleinen Ortskern mit einigen Geschäften, Cafés und Restaurants und bietet zudem einige spannende Ausflugsziele, wie die Peldemühle, in der sich auch ein Museum befindet. Im „Grünen“ der Stadt gibt es zahlreiche Kunst zu bestaunen.

Offenlegung: Wir wurden für zwei Nächte „Probewohnen“ im Schlafstrandkorb eingeladen. Auch der Eintritt in die Therme wurde bezahlt. Alle weiteren Kosten wie Verpflegung, Anreise, Mietwagen, etc. habe ich selbst bezahlt.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

11 Kommentare

Hier kannst du einen Kommentar abgeben

  • ich finde es Hammer und hab sehr geschmunzelt, weil ich mir schon vorgestellt hab, da mit meinem Männe drin zu nächtigen. Wir wollen eh mal nach Langeoog, weil ich dort vor Jahren Saison gearbeitet habe und mal wieder gucken will, ob noch Alles steht ;-) Da wäre so ne Nacht in diesem spacigen Teil echt was,was man einbauen kann. Und so’n Ding im garten…netter Gedanke.

    • Auf jeden Fall. Spontan ist das wohl leider nicht möglich, aber wenn du weisst, wann du nach Langeoog willst, schau einfach mal auf der Bensersielseite nach!

      • Das mache ich auf jeden Fall! Ist ja kein Wunder, daß so Etwas Ungewöhnliches stark ausgebucht ist. Derzeit haben wir hier in HI genug vom Wasser:( Aber die Zeit ändert sich fix wieder und dann hab ich auch Lust auf Nordsee!!!

  • Hi Janett,
    so ein Schlafstrandkorb ist ja eine tolle Sache, das wäre auch was für mich :) Und Regen darf es gerne geben, zumindest finde ich das Prasseln in einem Zelt immer seeehr schön :)
    VG, Bianca

  • Eigentlich ganz großartig, ich hatte ja schon davon gehört und sofort auch gedacht, dass das mal was für mich sei. Was ich allerdings leider gar nicht schön finde, ist das „Podest“ und die Absperrung. Das sieht eher nach Theaterbühne aus und fühlt sich nicht wie „unter den Strandkörben“ an, das wäre also eher nicht so meins. Ansonsten sieht das Ding aber extrem kuschelig aus. Schade für Dich mit dem Wetter, aber dennoch macht das alles einen gemütlichen Eindruck. ;)
    LG /inka

    • Der Podest muss sein – da der Strandkorb sonst ungerade stehen und absacken würde. Was die Kordeln angeht, so bin ich deine Meinung – die könnten eigentlich weg. ;)

    • Siehste, Inka, das sind die zwei Seiten einer Medaille. Du findest das Podest blöd – ich hingegen sehe, dass es auch meinem Mann (der Rollstuhlfahrer ist) und mir eine Übernachtung im Strandschlafkorb ermöglichen könnte. Weil durch den Sand bis dorthin mit einem Rollstuhl (oder einem Kinderwagen oder einem Rollator oder auch als gangunsicherer Mensch): no way.

      Eine schöne Woche!

  • Ja… so ungefähr hatte ich mir das vorgestellt. Ich würde das auch gern mal machen… kommt man bis zum Korb auf Bohlenwegen oder muss man durch den Sand? Frage wegen des Rollstuhls…

Werde Teilzeitreisender.de - VIP!