Dänemark

Eine hyggeligge Kurz-Reise nach Dänemark: von Hamburg nach Søndervig

Was habe ich mir vor meiner Reise in den Norden nicht für Gedanken gemacht. Dänemark? Bisher gibt unser Blog gerade mal klägliche 3 Berichte zu dem doch so faszinierenden Land aus. Wikinger, Kopenhagen, Röm – viel zu wenig für eines der deutschen Nachbarländer. Und doch sind es gut 500 Kilometer bis an die deutsch-dänische Grenze.

Und warum ist Slow-Travel (auf Deutsch Langsam reisen) denn der neue heiße Scheiss? Und warum bitte ist Dänemark soo weit weg?

Wo ist es, was die Dänen als „Hygge“ bezeichnen?

Unser Roadtrip startete mit einer entspannten Bahnreise nach Hamburg. Hamburg Altona – so habe ich erfahren, gehörte bis 1864 der dänischen Krone. Und mit einem entspannten Spaziergang durch Hamburg startet auch unser Hygge – Urlaub.

Schietwetter in Hamburg

Es ist Freitag 10 Uhr, als wir bei Schneeregen unser Auto in Hamburg abholen. Von Entspannung ist hier noch nichts zu spüren. Kennt ihr die Hamburger Baustellen? Ziemlich anstrengend! Gleich danach die nächste Überraschung. Schnee. Und zwar richtig dicke Flocken. Und ich hungrig! Keine gute Mischung. Noch auf deutschem Boden folgt deshalb der erste Stopp. Frühstücken. Um 12 Uhr. Und zwar ganz entspannt in einem kleinen Café in Bad Bramstedt. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Tondern – Weihnachtswunderland

Wir müssen noch nach Søndervig. Unser Navi zeigt drei Stunden Fahrt an. „Wollen wir nicht noch einen Ausflug nach Tondern machen?“ schlage ich meiner besseren Hälfte vor. Auf dem Blog Reisefeder habe ich zu diesem „Ultimativen Tipp für Weihnachtsfans“ gelesen. Meine Charmeoffensive scheint zu funktionieren, denn kurze Zeit später fahren wir an der deutsch-dänischen Grenze zu den kleinen Ort in Südwestdänemark.

Wir besuchen „Det Gamle Apothek“ – ein Shoppingparadies für Weihnachtsdeko Fans und das Epizentrum der Weihnachtlichen Aktivitäten von Tondern, laufen durch die Innenstadt und über den kleinen Weihnachtsmarkt und gönnen uns im Klostercafeen Kaffee und Kuchen.

Ein wenig verlieren wir auch die Zeit aus den Augen, denn es ist schon 15:30 Uhr als wir uns auf die Weiterreise machen. Noch zwei Stunden Fahrt zeigt unser Navi an. Und ich werde leicht nervös. Der Check Inn in Søndervig hat nur bis 16:30 Uhr geöffnet. In meinem Kopf male ich schon Szenarien aus, wie wir im Auto übernachten müssen, als eine Hand die meine nimmt und mir einfach empfiehlt, einfach mal kurz anzurufen. Und tatsächlich. Alles kein Problem. Unser Schlüssel, Bettwäsche und Handtücher werden in einem Schlüsseldepot hinterlegt und mein Herz beruhigt sich wieder ein wenig. Jetzt haben wir Zeit.

Zwischen Meer und Fjordsee

Immer kälter wird es und nicht nur wir erkennen, dass an einigen Stellen die Straßen überfrieren. „Fahren sie vorsichtig“ hören wir noch im Radio und so brauchen wir auch noch mal gut 2 1/2 Stunden bis zum Ringköbing Fjord. Unser Haus liegt am nordwestlichen Ende davon und die Fahrt dorthin auf der Landstraße 181 ist wirklich beeindruckend. Die befindet sich auf der Landzunge zwischen Fjordsee und Meer.

Nur das Meer hörten wir rauschen. Über uns die Sterne (es war zu dunkel und kalt zum Fotografieren ;))

Wir fahren kurz vor Hvide Sande rechts ran und steigen noch einmal kurz aus. Um uns herum ist tiefe Nacht und eigentlich sollten wir nix sehen. Und dann geht mein Blick zum Himmel. Habe ich jemals schon die Milchstraße gesehen und dabei das Meer rauschen gehört? Ich glaube nicht. Es ist richtig frisch. Für uns ein Grund, wieder zurück ins Auto zu laufen und die letzten 20 Kilometer zügig hinter uns zu bringen. Schnell haben wir die Rezeption gefunden. Die Suche nach der passenden Tür gestaltet sich schwieriger. Zu müde sind die Augen. In der „Waschküche“ werden wir fündig. Ein Safe. Dort finden wir wie versprochen unseren Schlüssel und auch Bettzeug.

Ein Kleinod in den Dünen

Kurze Zeit später halten wir von der Heimat für die nächsten zwei Tage. Schon auf den Fotos habe ich mich in unser Ferienhaus in Søndervig verliebt. Das restaurierte Haus mit einem echten Reetdach wurde 1920 gebaut und bekam 2015 ein komplettes Lifting verpasst. Ein idealer Ort um sich zuhause zu fühlen.

Mein erster Blick gilt dem Kühlschrank. Nach dem Kuchen am Nachmittag wird es Zeit wieder etwas zu essen. Der Kühlschrank jedoch ist leer. Und wir kurze Zeit später auf dem Weg zum Penny in Hvide Sande, der gnädiger Weise bis 21 Uhr geöffnet hat. Am Abend gibt es Italienisch. Und irgendwie hat die Mischung aus Sauce aus dem Glas, frischen Tomaten und Tortellini doch ganz lecker geschmeckt.

Stunden später philosophieren wir über die Einsamkeit an diesem Ort. Es scheint so, als wären wir die einzigen Menschen weit und breit. „Was wenn hier Einbrecher unterwegs sind?“. Just in diesem Moment geht im ganzen Haus der Strom weg.

Okay Dänemark. Du hast einen ziemlich schrägen Humor ;)

Morgenstunden

Am nächsten Morgen wache ich erst auf, als es draußen schon hell ist. Unter der Decke ist es muggelig warm. Eigentlich will ich gar nicht aufstehen, aber dieses besondere (Sonnen)Licht lockt mich doch hervor.

Wie schön es doch ist, gemütlich in einem warmen Haus zu sitzen, während draußen der Wind um selbiges pfeift. Und doch freut mich die Aussicht auf einen Strandspaziergang! Wieder knurrt jedoch mein Magen und ich bin dankbar, dass wir auch an „Frühstück“ gedacht haben.

Ganz entspannt beginnen wir den Tag. Langsam fertigmachen, stundenlang frühstücken, noch ein bissl Blogwork und dann?

„Wollen wir zum Leuchtturm Lyngvig?“

Ein wenig Respekt habe ich vor unserem Plan schon. Acht Kilometer ist der Turm entfernt. Und eigentlich will ich die nicht auch noch gegen den Wind zurücklaufen. Ein Bus soll es geben – aber fährt der auch?

Und doch pack ich mich richtig warm ein, schnalle mir die Wanderschuhe unter die Füße und begebe mich auf dieses kleine Abenteuer. Durch die Dünen sind es nur gut 300 Meter bis zum Meer.

Dort entdecken wir auch die Bunker, von denen mir eine gute Freundin (die großer Søndervig-Fan ist) erzählt hat. In diesen Bunkeranlagen finden spannende Führungen statt, leider passt es für uns diesmal terminlich nicht.

Wir lassen die Bunker recht liegen und begeben uns auf eine Wanderung entlang der stürmischen Nordsee. Auch hier sind kaum Menschen unterwegs. Ich genieße die Einsamkeit, die Luft und die Kulisse eines aufziehenden Unwetters, welches uns zwischen Dünen und Meer gefangen hält.

Es macht mich ein wenig nervös, dass wir nach gut sieben Kilometern immer noch nicht den Leuchtturm sehen können. Ständig schauen wir aufs Navigationsgerät, aus Angst die „Abfahrt“ zu verpassen.

Und tatsächlich – ganz so einfach ist es nicht, von „Strandwegen“ den Leuchtturm zu finden. Hohe Dünen versperren die Sicht. Wäre nicht zufällig eine größere Gruppe Menschen durch die Dünen zum Meer gelaufen, wir hätten unsere Suche sicherlich noch eine Weile fortgesetzt.

Und dann steh ich da. Mitten in den riesigen Dünen von Dänemark und starre auf Lyngvig. „Hat was von einem Postkartenmotiv“ entschuldige ich das ständige Knipsen mit Kamera und Handy.

Immer näher kommt das Unwetter.

Ich weiss nicht was es ist, aber schon wieder knurrt mein Magen. Ist die letzte Fütterung nicht erst gut drei Stunden her? Und eigentlich hätte ich auch richtig Lust auf einen Kakao. Mit Sahne. Aber an einem Leuchtturm?

Wenn Gebete erhört werden

Wir entdeckten das kleine Herrenhaus neben Lyngvig. Kaffee und Kuchen oder doch der Aufstieg auf den Leuchtturm? Ich entscheide mich für einen Kakao und einen Abstecher in das kleine Museum, welches sich ebenfalls in dem kleinen Haus befindet. So ein Leuchtturm bei Sturm ist eh viel zu gefährlich. Und außerdem: Ich bin hier zum Hyggelieren. Nicht für Hochleistungssport!

Kommen wir aber noch mal auf den Kakao zu sprechen. Der war richtig lecker. Wohl einer der besten den ich je getrunken habe. Auch deshalb, weil ich mit kleinen Schokoladenstücken selbst dosieren konnte, wie stark der Kakao wird. Und weil der Schokokuchen mit Kokosraspeln mit der Sahne in Kombination ebenfalls sehr gut schmeckte.

Ich hätte ja noch gerne einiges an Deko eingekauft. Hach hatten die da viele tolle Sachen! Aber dann dachte ich wieder an das begrenzte Gepäck. Und an den Weg zurück. Falls wir ihn denn laufen sollten.

Der Weg zur Straße war nicht weit. Das Wetter jedoch hat sich in der letzten Stunde gedreht. Sonne ist gar nicht mehr zu sehen, dafür hat der kalte Wind zugenommen und es regnet. Wir laufen ein wenig die Hauptstraße hinunter. Sollte hier nicht irgendwo eine Bushaltestelle kommen? Verwirrt stehen wir an einer Einfahrt. Unser Handy gibt an, das hier eine Bushaltestelle sein sollte. Doch hier ist nix. Kein Häuschen, kein Schild – nicht mal eine kleine Bucht wo ein Bus halten könnte. Es wird dunkel, es regnet und ich muss mal.

Kommt der Bus?

Eines muss man den dänischen Bussen lassen. Pünktlich sind sie. Über eine kleine Anhöhe sehe ich den Bus kommen. Wie wild winke ich und schmeiße mich halb auf die Straße.

Ich weiss nicht ob es daran lag, der Bus machte vor uns direkt halt und mit den letzten paar Kronen zahlten wir zwei Tickets nach Søndervig. Ein wenig unsicher sind wir noch wegen unserer Endhaltestelle. Hält der Busfahrer dann, wenn wir drücken?

Wir warten bis kurz vor unserem Ziel – und an einer Straßenecke lässt er uns raus. Wahrlich ein Abenteuer. Aber es hat funktioniert, denn wir sind wieder im Zentrum von Søndervig. Schnell noch ein paar Brötchen fürs Frühstück geholt – laufen wir die letzten Meter bis zu unserem Haus.

Ausgehen auf Dänisch

Ich bin müde. Draußen ist es dunkel und eigentlich will ich das Haus heute nicht mehr verlassen. Aber dann ist da wieder mein kleiner Feind – der Hunger. „Wollen wir essen gehen?“ fragt mich meine bessere Hälfte und scheint zu ahnen, dass man mein kleines Monster nur durch gutes Essen befriedigen kann. Viel Auswahl gibt es in Søndervig nicht – es ist Nebensaison. Pizza und Barbecue wollen wir nicht und finden daher den Weg zum Restaurant Sandgaarden.

Ein Kaminfeuer empfängt uns im „Flur“ des Restaurants und wir haben Glück. Ein Tisch ist zwischen Weihnachtsfeiern und Familienabenden noch frei. Wir trinken dänisches Bier und essen wirklich lecker und merken so kaum, wie die Zeit vergeht.

Erst als das Restaurant sich langsam leert, schauen wir auf die Uhr. 21:30 Uhr. Zeit um den Weg zurück zu Brinken zu laufen. Wir sind müde. Ein paar Minuten mit Blick auf den Kamin und schon verkrümeln wir uns ins Bett. Wie anstrengend dieses Hygge doch sein kann!

Weiter geht die Reise durch Dänemark!

Am nächsten Tag endet unsere Zeit am Fjord. Wir müssen weiterziehen. Der Norden von Dänemark wartet. Was wir auf dem Weg dorthin und in Skallerup erleben, das erzähle ich euch in einem weiteren Bericht auf der Suche nach Hyggeligen Urlaub.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Søndervig ist in der Winterzeit ein sehr entspanntes Reiseziel, es gibt im Ort auch einen Supermarkt, der jedoch nur bis 18 Uhr geöffnet hat. Im Ort selbst gibt es ein paar Restaurants, die auch im Winter geöffnet haben. In Hvide Sande gibt es einen Supermarkt, der länger geöffnet ist.
  • Für weitere Ausflugsempfehlungen und Tipps für Aktivitäten lohnt sich ein Blick auf die Homepage von Søndervig, dort werden auch Bunkertouren angeboten, die ca. 60 Kronen (8 Euro) kosten. Auch ein Besuch in Hvide Sande am Hafen lohnt sich.
  • Der Weg zum Leuchtturm dauert rund 2 Stunden für 8 Kilometer, vor Ort gibt es die Möglichkeit, den Turm zu besteigen und/oder entspannt einen Kaffee zu genießen sowie das kleine Museum zu bestaunen. Den Turm könnt ihr im Winter von 11 – 16 Uhr besteigen, der Eintritt kostet 50 Kronen (6,50 Euro). Auch gibt es Samstag spannende Touren zum Leben hier. Mehr Informationen findet ihr hier.
  • Im Restaurant Sandgaarden könnt ihr gut essen gehen. Die Preise sind schon etwas gehoben, auch die Portionen sind übersichtlich, aber die Qualität von unserem Menü war sehr gut. An Feiertagen oder wenn viele Gäste in Søndervig sind, empfiehlt sich eine Reservierung.
  • Wir haben die Busverbindungen online herausgefunden, der Bus 580 ist für eine Tour von Søndervig nach Hvide Sande oder zum Leuchtturm empfehlenswert.

Auch wenn die Reise nach Søndervig theoretisch mit Bus und Bahn machbar ist, rate ich aufgrund der Dauer der Anreise davon ab. Mit dem Auto könnt ihr entspannt anreisen und seid auch vor Ort sehr viel flexibler.

In Søndervig gibt es eine sehr große Anzahl an Ferienhäusern in verschiedenen Kategorien. Auch ein Hotel ist im Ortszentrum verfügbar. Wir haben im Ferienhaus „Brinken“ übernachtet, welches sich direkt in den Dünen befindet und Platz für 6 -7 Personen bietet. Es gibt ein Elternschlafzimmer im Haus und eines außerhalb des Hauses sowie ein Kinderzimmer oberhalb der Küche. Die Wohnung verfügt über ein Badezimmer, ein großes Wohnzimmer und ein Esszimmer. Im Außenbereich gibt es eine große Terrasse mit Grill und Dusche, Geschirr, Besteck und Kerzen sind im Haus vorhanden. Wir haben das Handtuch und Bettzeug-Programm dazu gebucht, falls ihr eure eigenen Sachen nutzen wollt, solltet ihr diese mitbringen.

Die Betten sind sehr schmal, wer also mehr Platz braucht, sollte lieber ein Doppelbett einplanen. Beim Einzug solltet ihr Strom ablesen, der Stromzähler befindet sich im Schlafzimmer hinter der Tür. Bei der Bedienung des Kamins ist zu beachten, dass immer eine ausreichende Zahl Pellets nachgefüllt werden muss. Auch dauert es im Winter etwas, bis das Haus wohlfühlwarm ist. Im Esszimmer sorgt eine Klimaanlage für warme Luft im Winter und kalte Luft im Sommer.

Auf dem Parkplatz vor dem Haus gibt es einen Carport und Platz für mehrere Autos. Die Einfahrt ist unterhalb des Hauses direkt an der Straße.

Mehr Infos zum Ferienhaus Brinken

Offenlegung: Ich wurde von Visit Denmark und kystognaturturisme.dk zu einer Reise an die Küste von Dänemark eingeladen.

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"