Eine Woche auf Korsika – Ein Erfahrungsbericht.

Einige Tage mussten ins Land gehen bis ich diesen Artikel endlich schreiben konnte. Und doch möchte ich auch diesen Inselurlaub nicht un-verbloggt lassen. Ob ich und Korsika noch Freunde werden? Ich weiss es nicht. Und doch ist es ein schönes Land mit toller Natur, vielen sehenswerten Städten und spannenden Geschichten. Eine Woche habe ich hier verbracht. Genug Zeit um euch mit ein paar spannenden Tipps zu versorgen.

Korsika – Frankreich oder nicht?

Schon vor der Reise war ich reichlich verunsichert. Rein rechtlich gehört die Insel zu Frankreich. Und doch ist es so anders als Frankreich. Die Korsen haben ihre eigene Sprache, eigene Regeln und ja, vor allem eine andere Geschichte. Auch die Nähe zu Italien hat hier einen starken Einfluss hinterlassen. Gleich vorab – mit Deutsch kommt ihr hier im Land nicht weit. Mit Englisch könnt ihr euch zwar in den Städten gut verständigen, aber im ländlichen empfiehlt es sich zumindest ein paar Brocken Französisch zu sprechen.

Brauch ich ein Auto auf Korsika?

Auch diese Frage haben wir uns vorher gestellt. Ich kenn von meinem „Roadtrip to Le Mans“ ja die Fahrweise so mancher Franzosen und wollte eigentlich in Korsika nicht selbst Auto fahren. Ein Auto zu mieten lässt sich zumindestens dann nicht vermeiden wenn ihr Wandern wollt oder maximal flexibel euren Urlaub verbringen möchtet. Zwar werden die Städte durch Busse oder sogar Züge miteinander verbunden, entlegene Orte in den Bergen sind jedoch nur schwer so zu erreichen. Eine Empfehlung gibts gleich dazu: Mietet am besten bei einem der großen Mietwagenverleihfirmen.

Die Strecke nach Corte könnt ihr ganz entspannt mit der Bahn fahren.

Erstens wollen die euch nicht am Flughafen eine teure Versicherung aufquatschen und zum zweiten geht die Abwicklung auch schneller. Das Fahren auf den Hauptrouten (den sogenannten T-Strecken) hat sich dann auch als sehr entspannt herausgestellt. Nur abseits kann es manchmal durchaus eng und kurvig werden. Übrigens: Alternativ zu einem Mietwagen könnt ihr natürlich auch die Fähre von Genua nach Bastia nehmen und euer eigenes Auto mit auf die Insel bringen.

Das Wetter im Mai auf Korsika

Wir waren in der zweiten Maiwoche auf Korsika. Während dieser Zeit hat es recht viel gewittert, es war bei ungefähr 25 Grad jedoch recht schwüle Luft und die Natur explodierte geradezu (für Allergiker kein Spaß). Wir haben jedoch erfahren, das das Wetter nicht unbedingt jedes Jahr so ist und im Mai auch durchaus sehr viele schöne Tage zu erwarten sind. Und noch ein Tipp: Selbst wenn es in eurem Ferienort Regenwetter geben sollte – schaut euch die Karte von ganz Korsika an – oft gibt es am anderen Ende der Insel das perfekte Sonnenwetter.

Die Sehenswürdigkeiten der Insel?

Wir haben recht zentral in Moriani gewohnt – in einem kleinen Ferienpark, der rund 500 Meter vom Meer entfernt ein idealer Startpunkt für zahlreiche Ausflüge war. Fünf der von uns besuchten Sehenswürdigkeiten und Wanderungen stelle ich euch hier gerne auch mal vor!

Ein kleiner Einblick auf Korsika – hier in Corte

Ein Tagesausflug zum Cap Corse

Zugegeben, vor meiner Reise habe ich weder einen Reiseführer gewälzt noch irgendeinen Blogartikel zum Thema Korsika gelesen. Auch wenn das wohl ganz angebracht gewesen wäre. Da wir in unserer Gruppe jedoch ein paar Korsikaexperten an Bord hatten – ließen wir uns einfach von deren Ideen inspirieren.

Auf Korsika lohnt es sich die Wetterkarte zu studieren – so konnten wir an einem recht regnerischen Tag schnell herausfinden, das es rund um Cap Corse recht  sonnig ist. So schnappten wir uns zwei Autos und fuhren spontan rund um die korsische Halbinsel. Mal schnell geht das leider nicht und ganz ehrlich? Ich war froh, nicht fahren zu müssen. Die „D80“ führt immer an der Steilküste entlang – immer wieder könnt ihr unterwegs Ruinen alter Wehrtürme und auch nette kleine Orte entdecken.

Viele davon sind bei schönem Wetter gut besucht – ich würde euch deshalb empfehlen möglichst früh am Morgen zu starten. Sehr nett und gut zu erreichen ist Saint Florent und ein idealer Startpunkt. Wir sind nicht ganz bis zur Spitze des Caps gefahren, sondern haben den Weg durch die Berge auf der D35 gewagt. Eine nette Strecke, die uns auf der anderen Seite des Caps wieder auf der „D80“ ausspuckte, die dort weitaus breiter und besser zu fahren war. Dennoch – vom „Erlebnisfaktor“ ist die Westseite definitiv spannender.

Mit der Bahn nach Corte

Ich liebe es ja, mit der Bahn fremde Länder zu entdecken. Ob in Dänemark, Großbritannien oder Portugal, es ist spannend mit den jeweiligen Bahnen zu fahren. Auch in Korsika wollte ich mir das Abenteuer Bahnfahren nicht entgehen lassen, auch wenn die Insel ein recht übersichtliches Angebot an Bahnstrecken zu bieten hat. Wir sind von Casamozza (rund 20 Kilometer von Bastia entfernt) nach Corte gefahren. Wir haben für Hin und Rückfahrt 15 Euro pro Person bezahlt – bitte informiert euch vorher ob ihr das auch am Bahnhof buchen könnt.

Die Fahrt nach Corte ist traumhaft! Durch die Berge, über Viadukte, durch Tunnel und ständig konfrontiert mit zahlreichen Eindrücken. Die Bahn wird auch von Einheimischen genutzt, so hatten wir auf dem Rückweg zahlreiche Schüler an Bord. Die Bahn fährt zwei mal die Stunde (auch da sollte ihr euch vorher informieren) und die Tour dauert ca. 1 1/2 Stunden.

Auch Corte selbst kann ich jedem Korsikabesucher nur ans Herz legen. Wir hatten turbulentes Wetter – von Sonnenschein bis Starkregen war alles dabei (schaut euch einfach mal die dunkle Wolke auf Bild 3 an) und haben deshalb in den 5 Stunden Aufenthalt ein kunterbuntes Programm erlebt. Wir waren im Museum (etwas schwierig für alle die kein korsisch oder französisch könnten, sind in einer Regenpause zur Zitadelle hinaufgewandert, sind durch die Altstadt spaziert, haben Eis und Crepe auf dem Marktplatz gegessen, Streetart entdeckt und ich durfte auf dem Weg zurück zum Bahnhof eine ziemlich coole Fußgängerbrücke bestaunen!

Die kurze Zeit reicht für einen kleinen Einblick in die Stadt – ich habe mir sagen lassen das es rund um Corte wunderschöne (wenn auch manchmal sehr anstrengende) Wanderstrecken gibt. Das haben wir bei unserem kurzen Abstecher leider nicht geschafft.

Ein Besuch in Bonifacio

Schon vor den Toren von Bonifacio konnten wir feststellen: Die Felsenstadt ist sehr beliebt. Schon im Mai waren hier eine Vielzahl von Reisebussen vor Ort und auch wenn wir nach einigen Runden einen Parkplatz gefunden hatten – es waren ungleich mehr Menschen unterwegs als in irgendeiner anderen korsischen Stadt.

Schon nach kurzer Zeit wurde uns klar warum das so ist – denn die Stadt und die Zitadelle sind auf einem Felsen direkt am Abgrund und dem darunterliegenden Meer gebaut. Unser erster Weg führte uns deshalb auf einem schmalen Weg zu Fuß fort von Bonifacio. Nicht weit – aber doch weit genug um zu entdecken was die Stadt an der Südspitze von Korsika so besonders macht. Es sind nicht nur die hunderten von Treppen die man in und um die Stadt hinauf und auch wieder hinablaufen kann, es ist auch nicht der schicke Jachthafen, an dessen Rand wir uns in einem Café eine kühlen Drink bestellt haben – es ist einfach die Tatsache das dieser Ort wie eine Festung am Abgrund steht.

Natürlich haben wir uns auch in die Altstadt von Bonifacio gewagt. Ja – dort war recht viel los. Und doch fand ich die Häuser und die Atmosphäre irgendwie ganz nett. Überall gibt es Shops, Souvenir und Futterstände – verdursten und verhungern muss hier keiner. Nach gut 2 1/2 Stunden hatten wir jedoch genug von Bonifacio und leider habe ich die Treppe des Königs von Aragon zum Meer hinunter nicht gefunden.

Ob es hier einen Küstenwanderweg gibt?

Dafür aber jede Menge anderer Treppen und auch ein paar ruhige Straßen in der Altstadt. Die müsst ihr bei eurem Besuch aber selbst entdecken – und wenn ihr diese Königsstufen findet, gebt mir bitte bescheid! Übrigens – auch ein Blick auf die Landschaft rund um Bonifacio lohnt sich!

Monte Sant’Angelo – nicht ganz bis zum Gipfelkreuz

Was hatte ich mir nur dabei gedacht mit einer versierten Wandergruppe nach Korsika zu fahren? Trotz wahrlich regnerischem Wetter gingt es also an drei Tagen hinauf in die Berge. Schon allein die Autofahrt war für mich aufregend. An manchem Stellen war die Straße gerade einmal breit genug für ein Auto und vielerorts schützte nicht einmal eine Leitplanke die bröckelnde Straße. Irgendwann saß ich nur noch wie ein Häufchen Elend in der hinterletzten Ecke des Autos und betete das die Fahrt bald vorbei sein möge.

Dennoch war ich neugierig. Und ja – ich wollte mir auch irgendwie selbst beweisen, das ich eine Wandertour in den Bergen von Korsika schaffen würde. Eine der Touren führte uns hinauf zum Monte Sant´Angelo. Gleich vorab – wir haben es nicht ganz bis nach oben geschafft, weil Starkregen und ein Gewitter die letzten 2 Kilometer unpassierbar machten. Und doch – ein „Zwischengipfelkreuz“ habe ich auf der Tour durch die Berge dann doch erreicht. Stolz wie Oskar – um kurze Zeit später vor einer wilden Kuh zu fliehen.

Gott sei dank hatte ich die Wanderstöcke meines Freundes bei der Hand – ohne die hätte ich die Wandertour wohl nicht geschafft. Was sehr spannend war? Durch den Abbruch unserer Wanderung entdeckten wir Penta di Casinca – ein wunderschön alter aber fast menschenleerer Ort inmitten der Berge von Korsika.

Übrigens – uns ist es gleich zwei mal passiert das ein Hund unserer Wanderungen begleitet hat – dies passiert in Korsika wohl häufiger und sollte euch nicht nervös machen. Grundsätzlich verlangen die nämlich kein Geld ;)

Ein Abstecher nach San-Giovanni-di-Moriani

Noch eine Wanderung führte uns durch die Nebelwälder von San-Giovanni-di-Moriani. An der Kirche St. Johannes starteten wir auf einem menschenleeren Parkplatz. Die Kirche an sich wirkt beeindruckend, hineingeschaut habe ich jedoch nicht. Der Turm war echt riesig! Die Wandertour war etwas einfacher als die zum Monte Sant Angelo und ich fand sie auch irgendwie magisch.

Vielleicht lag es an dem Nebel, der die ganze Zeit durch die Bäume wabberte, vielleicht auch an den Tieren die uns ständig und überall über den Weg liefen (Schweine, Kühe, Hunde und Käfer die Bälle formten). Die Ausblicke! Toll! Und natürlich war ich auf mich auch stolz das ich die Wandertour ohne großes Mimimi geschafft habe!

Moriani – Zentral und Ideal als „Homebase“

Auch rund um Moriani lässt sich einiges entdecken. Ihr könnt wandern, am Meer verweilen oder nett essen gehen. Unsere Unterkunft? Nun ja – ich fand sie nicht so toll. Dafür lag der Ort sehr zentral und bot eine perfekte Ausgangslage. Hier ein paar Eindrücke aus der Stadt.

Weitere Inspirationen zu Korsika

Ich habe euch hier an dieser Stelle nur einen kleinen Einblick gegeben, zahlreiche Blogger haben über die Insel im Mittelmeer noch viel mehr geschrieben. Ein paar Artikel kann ich euch als vorbereitende Lektüre empfehlen.

Keine Offenlegung. Die Reise war komplett privat bezahlt.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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