Bayern

Nächte in Nürnberg sind lang. Ein Mädelswochenende in der fränkischen Metropole

Ich und die olle Bahnromantik. Ich komm davon irgendwie nicht los. Ich schau mir Museen an, bin ständig in der Bahn unterwegs und freu mich jedes Mal wie ein Kleinkind, wenn ich irgendwo eine aktive oder inaktive Dampflok finde. Und nun bin ich da also an der Geburtsstätte des deutschen Bahnverkehres in Nürnberg und was finde ich?

Kaum Relikte aus der damaligen Zeit. Im Frühjahr gibt es einige Touren mit der Replika vom Adler, und im DB-Museum ist auch ein Modell von selbigen ausgestellt – auch der Bahnhof ist ein Schmuckstück… Aber sonst ist in Nürnberg nicht viel von dieser bekannten Geschichte zu sehen oder zu hören… Bis auf…

Nun ja – ein Hotelzimmer.

Wir befinden uns mitten in der Stadt. Der Bahnhof keine 200 Meter entfernt und auch die St. Lorenz Kirche ist von hier aus nur ein Katzensprung. Vor uns eine schmale aber hohe Hausfront. Das „Hotel drei Raben“. Ein vier Sterne-Haus. Oder soll ich eher sagen 1000 Geschichten Hotel?

Die 22 Zimmer jedenfalls sind alle einzigartig. Schon der Eingangsbereich ist etwas anders. Eine Lobby im klassischen Sinne gibt es hier nicht. Im Eingang ist eine Theke und gleich dahinter beginnt die Bar, an der man tagsüber auch kleinere Snacks und abends richtig leckere Cocktails probieren kann. Die sind sogar so gut, dass viele Einheimische hier vorbeischneien.

Wir jedoch wollen nach unserer Anreise mit der Bahn im Freitag-Abend-Feierabendverkehr nur noch aufs Zimmer und uns frisch machen. Ich bin gespannt wie nix – immerhin haben wir das „Die erste Eisenbahn“ Zimmer.

Während Monique das Thema nur minder begeistert, bin ich sofort Feuer und Flamme, als ich den Boller in der Mitte des Raumes entdecke und die kleine Abbildung vom Adler. „Das ist die erste Bahn, die in Deutschland gefahren ist!“ erkläre ich ihre begeistert. Monique grinst mich an und zeigt mir, dass diese Information auch an der Wand zu finden ist. Ansonsten – nun ist das Bahnzimmer ganz normal.

Die Innenstadt ist von hier perfekt erreichbar. Nur knapp 15 Minuten brauchen wir von hier bis zur Burg, das Zentrum der Stadt ist noch schneller zu erreichen. Lange ist es her, dass ich die Stadt besucht habe und doch hat sich kaum etwas geändert.

Ein kurzes Abendprogramm in Nürnberg

Wir ziehen los – um am Abend noch etwas zu beißen zu kriegen. Schnell werden wir fündig – im KonTiki darf ich sogar einen Cocktail probieren – denn Fahren muss ich an diesem Abend nicht mehr. Alt werden wir beide dennoch nicht, denn kaum haben wir aufgegessen, fange ich an zu gähnen. Ein Zeichen zu gehen und endlich unser Schlafgemach zur Nachtruhe zu beziehen.

Das Frühstück war soo lecker!

Und irgendwie hatte ich anschließend das Gefühl – gewachsen zu sein. Ein Foto habe ich von damals sogar auch. Das stammt aus dem Turm der Sinne, einem „Mitmach-Museum“, welcher sich im Mohrenturm am Westtor der Stadtmauer von Nürnberg befindet.

Brunnen und Türme

Schon vor dem Eingang werden meine Sinne geprüft, denn Monique stellt mir das „Ehekarusell“ vor. Ein Brunnenkunstwerk, welches das Auf und Ab im Laufe einer Ehe symbolisiert und dabei nicht nur mir das eine oder andere Lächeln auf die Lippen zaubert. Bedenkt man, dass der Brunnen in den 80ern errichtet wurde, so sind die Bilder auch noch heute tagesaktuell. Das eine oder andere Bild ist schon etwas makaber, wie hier die Liebe „über den Tod hinaus“. Wir jedoch haben heute noch viel vor – unter anderem wollen wir die Nürnberg Card auf den Prüfstand stellen.

Im Turm der Sinne kommt das Spielkind in uns voll auf seine Kosten. Auch wenn das Gebäude Teil der Stadtmauer ist, so ist es keine klassische Sehenswürdigkeit. Wir jedoch werden wieder zu Spielkindern und vergessen zugegebenermaßen auch ein wenig die Zeit auf unserem Trip durch die Sinne.

Als wir wieder in der „Wirklichkeit“ landen, erzähle ich Monique davon, noch nie die Kaiserburg in Nürnberg besucht zu haben. „Perfekt – die können wir ebenso mit der Karte besuchen“ höre ich, und so sind wir kurze Zeit später auf dem Weg zur Burg. Wann war das letzte Mal, das ich durch Nürnberg gelaufen bin? 2000? Ewigkeiten her.

Und es hat sich einiges getan. Unterwegs komme ich am Spielzeugmuseum vorbei – das Wetter jedoch ist viel zu schön, als das es uns in ein Museum lockt. Es ist ein sonniger Herbsttag und ich komme ziemlich ins Schwitzen bis wir endlich an der Kaiserburg angekommen sind. Auch wenn die Ausstellung in der Burg recht spannend ist, lang bleiben wir nicht in der Ausstellung. Viel zu neugierig bin ich, die Treppen des Sinnweltturms hinauf zu steigen. Monique berichtet mir davon, dass man von dort oben einen tollen Ausblick auf die Stadt hat.

Einmal auf den Sinnweltturm

Der Aufstieg dorthin hatte es in sich, mehr als einmal musste ich stoppen und ignorieren, dass ich es mit Höhe eigentlich gar nicht so habe. Endlich oben war ich beeindruckt von dem Ausblick. Warum ist hier kein Kaffee – fragte ich mit einem leichten Magenknurren gleich mal nach.

Unser Kaffee wurde dann ein Eis auf dem Weg zurück in Stadtzentrum. Auf meinem Wunschprogramm für den Tag stand eine Tour durch die Nürnberger Unterwelten. Zulange haben wir auf der Kaiserburg verweilt, denn nur knapp verpasst haben wir eine Führung um 13:00 Uhr. Die nächste? Startet erst in gut 1 1/2 Stunden. Zeit genug, sich ein Dunkelbier der Hausbrauerei Altstadthof zu genehmigen.

Führung durch die Unterwelten

Und dann geht es hinab. In die ehemaligen Bierkeller der Stadt. Ganz ehrlich? Ich wusste nicht, das Nürnberg unterirdisch einem Schweizer Käse ähnelt. Und doch sind die „Unterwelten“ mehr als das. Im zweiten Weltkrieg haben sie vielen Menschen als Bunker das Leben gerettet und auch Kunst wurde hier vor Bomben geschützt.

Das wir nebenbei auch noch etwas zum Thema „Bierkunst“ erfahren, ist natürlich genauso spannend – wie das Belohnungskostpröbchen am Ende der Führung.

Ein Abend in Nürnberg

Den Abend schlenderten wir dann noch ein wenig durch die Stadt – entspannten beim kurzweiligen Shoppen und gelegentlichen Stoppen. Am Brunnen auf dem Marktplatz musste ich auch am Ring drehen – kennt ihr das?

Es wird schnell dunkel in der fränkischen Stadt. Zeit für „Nachtleben“. Wir sind ein wenig müde, dennoch wollen wir an diesem Abend endlich das Geburtstagsgeschenk von Monique einlösen. Tapas essen beim besten Spanier der Stadt. Und ja – die kleinen Tapas, der Wein, das Ambiente – in der Santos Bar kann man gut einkehren.

Auf dem Rückweg ins Hotel kommt uns spontan noch die Idee, einen Cocktail zu trinken. Die Bar liegt direkt unter unserem Schlafzimmer. Im Hotel gibt es wirklich gute Cocktails und der Weg ins Bett ist ebenfalls nicht weit!

Sonntag morgens in Nürnberg

Sonntag war es dann mit lang ausschlafen leider nix. Während sich Monique im Rathaus umschaute, war mein Plan ein Besuch im DB Museum. Das Museum ist recht modern und einen Besuch wert – ich wurde dort sogar von einem Jazz-Konzert überrascht, welches zufällig am Sonntag im Museum stattfand. Was für eine coole Location, oder??

Noch 4 Stunden bis mein Zug fährt. Ich habe Hunger. Und Monique fällt ein, dass ich ja noch gar nicht die „Nürnberger Spezialität“ probiert habe. „Nürnberger Rostbratwürste?“ frag ich sie. „Ja – aber besondere!“ kommt als Antwort

Nürnberger Würstchen!

Und da sitz ich nun, im Bratwursthäusle und bestell Nürnberger Rostbratwürste mit warmen Kartoffelsalat. „Und das schmeckt?“ frag ich Monique. Sie nickt wild und ich fang an zu essen. Sie hat Würstchen, die Weißwürstel gleichen. Ist jetzt nichts für mich. Dafür bin ich an diesem Tag nicht mutig genug.

Ich muss zugeben – lecker ist der warme Kartoffelsalat mit Würsteln schon. Und die Portion ist so gut – das ich pappe satt aus dem Würstlhaus marschiere. Jetzt so eine Parkbank – wo ich mich einfach nur legen und schlafen kann. Monique schüttelt den Kopf. „Nix da, wir gehen zum Altstadtfest!“

Nur wenige Straßen weiter fühlte ich mich in einer anderen Welt. Es roch nach gerösteten Mandeln, nach Wein und Bier und nach weiteren Würstchen. Von denen jedoch hatte ich an diesem Tag genug. Ein Rundgang wollte ich mir jedoch nicht entgehen lassen. Es ist viel los an diesem Sonntag – und so beschließen wir, so langsam zum Bahnhof aufzubrechen.

Abschied von Nürnberg

Einen letzten Abstecher wollte ich noch in den Handwerkshof machen. Der befindet sich nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt – im „Waffenhof“ des Frauentors und wird wohl jedem Nürnberg-Besucher ins Auge stechen. Natürlich war es hier voll – aber ich finde die einzelnen kleinen Lädchen irgendwie sympathisch.

Mit ein paar wenigen Mitbringsel muss ich so langsam Abschied nehmen. Von einem tollen Wochenende mit Monique in Nürnberg. Und Nürnberg – ich verspreche – ich lass dich das nächste Mal nicht so lange auf meinen Besuch warten…

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Für Ausflüge zu den Nürnberger Sehenswürdigkeiten können wir die NürnbergCard empfehlen. Wir haben sowohl den Turm der Sinne als auch die Burg und auch die Unterweltenführung damit machen können.
  • Über das DB Museum haben wir ebenfalls ausführlich geschrieben.
  • Im Herbst ist Nürnberg zwar gut besucht, aber längst nicht überlaufen. Die ideale Zeit also für einen Trip in die fränkische Metropole.
  • Die besten Nürnberger Rostbratwürstchen bekommt ihr im Bratwursthäusle direkt neben dem Rathaus.

Nürnberg ist sehr gut mit der Bahn erreichbar. Fast alle Sehenswürdigkeiten sind zentral und schnell zu Fuß zu erreichen, es gibt jedoch für Schlechtwettertage auch eine U-Bahn und Busse. Die Parkplatzsuche im Zentrum gestaltet sich recht schwierig, es empfiehlt sich ein Hotel mit Tiefgarage.

Wir haben im „Hotel Drei Raben“ übernachtet, welches recht zentral liegt. Wir haben ein Zimmer „nach hinten“ gehabt, welches als Thema „Bahn in Nürnberg“ hatte. Bei offenen Fenster konnte man die Menschen in den Gassen gut hören, wir haben dennoch gut geschlafen. Das Frühstück und auch die Cocktails in der Bar waren wirklich gut und sind eine Empfehlung wert. Das Zimmer gibt es ab 135 Euro. In 10 Minuten seid ihr am Bahnhof.

Offenlegung: Wir wurden 2014 von Nürnberg Tourismus ins Hotel Drei Raben eingeladen. Uns wurde eine Nürnberg Card zur Verfügung gestellt. Alle weiteren Kosten haben wir selbst getragen.

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"