Auf dem Eifelsteig gewandert. Von Einruhr nach Vogelsang

Wegweiser Eifelsteig

Es war einfach mal an der Zeit, die Wanderschuhe zu schnüren. Da kam mir der 1. Deutsche Bloggerwandertag am 09. Mai genau richtig. So ging es am Samstag mit dem Auto früh aus Aachen los – das Ziel lag mitten in der Eifel – der beschauliche Ort Einruhr war Startschuss für meine 14 Kilometer auf dem Eifelsteig. Das mag dem ein oder anderen nicht besonders viel erscheinen, für einen Wandernovizen wie mich sieht das aber auf dem Papier schon viel aus.

Einruhr ist übrigens seit 2009 Startpunkt von Etappe 4 des Eifelsteiges. Der Ort ist beschaulich, irgendwie beruhigend. Fernab der Großstadt mitten in der Eifel wird man ruhiger, keine Frage. Entschleunigung ist das Stichwort und das trotz der ungewissen Wege, die vor einem liegen. Nach einem kurzen Treffen mit Ranger Ralf Herrmanns ist der Heilsteinbrunnen der Startpunkt der heutigen Wanderung. Viele vertrauen auf das „Heilwasser“ – und kommen hierher, um es abzufüllen. Wir vertrauen aber erstmal auf einen klassischen Kaffee – wie gesagt, es ist noch früh am Samstag.

Heilsteinquelle in Einruhr

Kirschblüten über und über – das ist das erste Bild, was sich mir auf diesem Stück des Eifelsteiges einprägt. Ich bin mitten im Nationalpark Eifel unterwegs, nicht allein, mir zur Seite steht Karin, die hier als Waldführerin tätig ist.

Unterwegs stößt man auf den ein oder anderen Warnhinweis, bis Ende 2005 gab es hier Truppenübungsplätze, daher sollte man nicht so einfach überall querfeldein rumturnen. Eins fällt mir als absoluter Wanderneuling sofort auf – der Eifelsteig ist sehr gut beschildert – verlaufen wird da schwer. Verwundert schau ich allerdings auf das skizzierte Gesicht einer Katze als Wegweiser – das ist der Wildnistrail – erklärt mit Karin. Den kann man nehmen, wenn man denn querfeldein wandern möchte. Vielleicht ja auch irgendwann mal.

Wildnistrail Eifelsteig

Das Wetter spielt heute im Übrigen gut mit, es ist trocken, nicht zu warm, ideal um so eine Wanderung das erste Mal in Angriff zu nehmen.

Nach einiger Zeit im Waldgebiet – irgendwie hatte ich es auch so erwartet – stoßen wir auf den Obersee. Niemand zu sehen, der Blick geht in die Weite. Still liegt der See da und trägt weiter zu Entschleunigung bei. Die ersten Meter haben wir hinter uns gelassen, die Luft ist hier herrlich. Manchmal muss man für das Gute gar nicht so weit in die Ferne, denke ich mir.

Wir wandern weiter, die Natur zeigt sich nun anders, als wir entlang des Sees lang laufen. Das könnte auch irgendwo in Amerika so sein, durchkreuzt es meine Gedanken. Dann kommt, was ja auch mal kommen muss. Ein guter Anstieg, der sich doch ein Stück weit zieht. Karin ist erleichtert, dass ich in die Kategorie blutiger Anfänger gehöre, da sie nicht ganz fit ist – ich meinerseits bin froh, dass sie nicht ganz fit ist. So bewältigen wir den Anstieg gemächlich.

Ufer Obersee

Die Belohnung dafür lohnt sich dann aber. Der Blick auf die Staumauer zwischen Urftsee und Obersee weit oben ist wunderschön, wir beschließen, hier eine längere Pause einzulegen. Der ein oder andere Wanderer, ein Pärchen und eine kleine Wandergruppe kommen vorbei – der Blick ist einmalig. Die Sonne zeigt sich auch langsam, hier in der Ecke ist das Wetter meist einen Tick besser als sonst in der Eifel, erzählt mir Karin – meine Eifelerfahrung kam bis dato nur aus der Region um den Nürburgring, vielleicht war ich daher etwas skeptisch.

Noch ein letzter Blick auf die Seen und die Staumauer werfen, dann geht es weiter. Die Landschaft verändert sich wieder, der Wald verschwindet, über Wiesen kann man den Blick nun weiter in die Ferne schweifen lassen. Unser nächster Zwischenstopp hat auch eine besondere Geschichte. Es handelt sich um das Dorf Wollseifen.

Staumauer

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Dorf damals geräumt, um hier in der Gegend den Truppenübungsplatz Vogelsang anzulegen. Genutzt wurde dieser dann durch das belgische Militär bis Anfang 2006. Grotesk wirken die Bauten, die man hier in der Moderne wieder zu militärischen Übungszwecken hingestellt hat.

Vom Ursprung des Dorfes ist nur die Kirche erhalten geblieben, sowie Teile des alten Schulgebäudes. Beides wird nach und nach derzeit wieder restauriert. Die Stimmung hier ist irgendwo zwischen einem verlassenen Ort und bedrückend einzuordnen. Nicht weit von hier kann man den Blick in Richtung der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang wenden. Aktuell wird hier noch umgebaut, es soll ein Ausstellungs- und Bildungszentrum entstehen.

alte Schule

So langsam muss ich mich damit anfreunden, dass die heutige Wanderung ihr Ende nimmt. Es geht noch ein Stück weiter Richtung Vogelsang bei strahlendem Sonnenschein. Meinen Wanderrhythmus habe ich unterwegs gefunden, das einzig Enttäuschende an diesem Tag auf dem Eifelsteig ist das bevorstehende Ende – was trotz einiger Pause deutlich früher kommt als erwartet.

Danach geht es für mich dann wieder motorisiert weiter, die Nacht verbringe ich im Kurparkhotel in Schleiden-Gemünd. Gastfreundschaft wird hier noch wirklich groß geschrieben, bei Detlef Wurst und seinem Team ist man  nach einem Wandertag bestens aufgehoben – den selbstgemachten Kuchen unbedingt probieren. Die Füße haben aber heute noch etwas Leben in sich, daher spaziere ich noch ein wenig durch Gemünd selber entlang der Urft und durch die Altstadt.

Entschleunigt beschreibt am besten den Zustand, den ich nach nur einem Tag auf dem Eifelsteig empfinde. Ohne große Wanderkenntnisse und sicher nicht mit der besten Fitness ausgestattet, habe ich diesen Tag in Angriff genommen. Am Ende war ich überrascht, wieviel allein so ein Tag bringen kann – manchmal muss man einfach nur losgehen.

PS: Da ich schon mal vor Ort war, ging es am Sonntag für mich noch weiter – dazu dann demnächst mehr.

Praktische Infos – for Beginners –:

  • In Einruhr selber könnt ihr alles in Sachen Verpflegung besorgen – an ausreichend Wasser denken
  • Gerade auch für Wanderanfänger – vorher Zeit nehmen bei der Schuhauswahl – das macht schon viel aus
  • Nicht mit der längsten und schwersten Etappe beginnen – dieser Teil der 4. Etappe des Eifelsteiges ist auf jeden Fall was für Anfänger
  • Ihr wollt länger und weiter wandern? Der Eifelsteig selber bietet hier auch Hilfe bei der Planung, so könnt ihr auch ohne Gepäck wandern – bei mehreren Tagen wird das dann direkt zur Unterkunft am Zielort der Etappe gebracht.

Wandern auf dem Eifelsteig

Offenlegung: Wir wurden von den Top Trails of Germany, sowie dem Eifelsteig zum 1. Deutschen Bloggerwandertag eingeladen.Herzlichen Dank dafür. Unsere Meinung bleibt die eigene. 

Jens & Sonja
Jens & Sonja

Von Düsseldorf aus die Welt bereisen… Zwar sind Jens und Sonja mehrmals im Jahr in Sachen Motorsport unterwegs, doch es bleibt noch Zeit für einige Kurztrips. Die beiden werden euch hauptsächlich zu den Themen Wandern und Auszeit mit einigen Insidertipps versorgen.

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