Ein Spaziergang durch Užupis – Von dem Recht anders zu sein….

„Die Katze ist nicht verpflichtet ihren Hausherren zu lieben, aber in schweren Momenten muss sie ihm bestehen“ Ich treffe in Užupis so einige Katzen und habe fast die Befürchtung, das sie hier die eigentlichen Machthaber sind. Selbstbewusst platzieren sie sich auf Steinen, streunen in den Straßen umher und lassen sich auch von den Menschen nicht wirklich stören. Das hier ist Vilnius – dachte ich – aber doch ist es irgendwie anders. Ich bin in einer eigenen Welt  „Jenseits des Flusses“, in einem ganz besonderen Viertel, in dem jeder das Recht hat, nichts zu verstehen.

Und so folge ich Egle, die in Vilnius daheim ist und uns davon erzählt, wie es hier noch vor knapp 20 Jahren aussah. „Die Häuser hatten teilweise keinen Strom und kein fließendes Wasser“. Das hat sich mittlerweile geändert und noch viel mehr. Der Stadtteil, in dem sich Užupis befindet, ist zum Trendviertel geworden. Hier wohnt der „echte“ Bürgermeister von Vilnius, hier haben sich viele Künstler und „Hipster“ niedergelassen und hier war auch schon der Dalai Lama zu Besuch.

Der Ortsteil jenseits des Flußes Vilnia war nicht immer so hoch angesehen. Es gab eine Zeit, als hier „Bordsteinschwalben“ und Kriminelle unterwegs waren. Vor etwas mehr als 100 Jahren waren in diesem Stadtteil zahlreiche Juden zuhause, heute lebt hier kaum noch einer.

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Doch kommen wir zurück zu dem, was das Stadtviertel so besonders macht…. Ich kann euch nicht sagen, ob es der leicht morbide Charme eines an einigen Ecken und Enden so unperfekten Ort auf dieser Erde ist, oder die Menschen die hier leben. Es wirkt, als wenn in diesem Ort sich nicht jeder so ernst nimmt, als wenn jeder nach den 41 Regeln der Verfassung zu leben scheint. Auch das Fotografieren ist hier erlaubt, und eine Armee die hier mal für Recht und Ordnung sorgen sollte, wurde schon kurz nach ihrer Gründung wieder abgeschafft. Man fühlt sich sicher hier.

Užupis in einem Augenschlag mit Montmartre in Paris und Christiania in Kopenhagen zu nennen, ist vielleicht vermessen, denn es wirkt schon so, als will Užupis eher mit einem Augenzwinkern verstanden werden. Warum sonst ist der Nationalfeiertag der 1. April und warum sonst gibt es hier eine „Parade des Fisches“, bei der zahlreichen Fischen die Freiheit wiedergeschenkt wird.

Ich lächele oft beim Durchqueren der Gassen und würden nicht meine Füße nach Befreiung schreien, und der Magen nach etwas zu Essen, ich hätte hier Stundenlang bleiben können. Längst hab ich mir vorgenommen… wiederzukommen. Užupaner kann man übrigens auch werden, wenn man außerhalb der Stadtgrenzen von Užupis wohnt. Mal schauen, vielleicht eine Option für mich ?

 

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Einen exklusiven Poststempel aus Uzupi bekommt ihr in dem kleinen Souvenirladen, der nur ein paar Meter abseits von Uzupis Kavine (dem Cafe, an desses Außenwände die Verfassung von Uzupa steht) in einer Seitengasse zu finden ist. Das Symbol der Stadt ist eine weiße Hand in einem blauen Kreis. Buttons, Aufkleber, Tassen und so könnt ihr ebendort auch erstehen.
  • Unbedingt anschauen müsst ihr euch den Engel auf dem Hauptplatz des Viertels. Dieser hält eine Trompete und steht für die künstlerische Freiheit von Užupis. Vorher stand hier ein Ei, welches ihr jetzt an einer anderen Stelle von Vilnius entdecken könnt (ich hab es nicht gefunden, aber vielleicht wird euch da weitergeholfen)
  • Wenn ihr Zeit habt, ruhig auch mal in die zugänglichen Hinterhöfe schauen…
  • Die beste Zeit um Uzupi zu besuchen ist der 1. April. Dann finden in der Republik zahlreiche Umzüge statt, es gibt eine eigene Währung und ihr lernt den Ort von einer ganz besonderen Seite kennen.
  • Wenn ihr direkt am Fluß entlangwandert, entdeckt ihr viel Kunst. Besonderes Augenmerk solltet ihr auf die „Hand“ legen, denn wie es der Zufall so will, wer seine Hand in die Hand Užupis gibt, wird wiederkommen
  • Das Tor, hinter dem die wirklichen Užupaner wohnen, befindet sich direkt am Engelsplatz. Gleich daneben befindet sich eine kultige Bierkneipe. Unbedingt besuchen !
  • Mehr Informationen bekommt ihr unter www.lithuania.travel
Nach Užupis kommt ihr am besten von Deutschland aus mit dem Flieger. Die Billigfluglinie Wizz Air bietet Flüge unter anderem von Dortmund aus an. Der Flughafen liegt etwas außerhalb, hier gibt es aber Busse.

Wir haben im Artis übernachtet. Die Zimmer sind klassisch eingerichtet, das Hotel liegt sehr zentral und ist für einen Städtetrip empfehlenswert.

 

Offenlegung: Ich wurde vom Litauisches Fremdenverkehrsamt auf eine Reise durch Litauen eingeladen.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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