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Niederlande

Ein Workshop in der kleinsten Schokoladenmanufaktur der Welt

Ich stehe an einem privaten Wohnhaus mitten in Maastricht. Es brennt kein Licht im Haus und ich schaue noch einmal auf mein Handy. Belemerweg 24. Stimmt. Aber wo bitte ist hier eine Schokoladenmanufaktur? Ein Wohnhaus, eine kleine Garage – ich kann nicht glauben, das hier tatsächlich Schokolade hergestellt wird. Leichter Nieselregen hat eingesetzt und es dämmert an diesem Dezembertag. Hab ich jetzt wirklich Lust auf einen Workshop? Ein kleines Schild weisst tatsächlich auf die K&K Schokoladenmanufaktur hin. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und klingele an der Haustür.

Ein Mann öffnet mir die Tür und stellt sich auf Englisch als Arnout vor. Im Flur ist von Schokolade nichts zu sehen. Ein Paar Schuhe und Jacken liegen herum, ein Haus wie jedes andere. „Deine Jacke kannst du gerne hier hin hängen“ erklärt mir Arnout und bittet mich, ihn zu begleiten. Einmal um die Ecke befinde ich mich in einer winzigen Garage. Ach halt – keine Garage: Das ist die Schokoladenmanufaktur! Auf drei Stahltischen liegen Kelle, Schüsseln und ein Thermometer herum und als mir eine Schürze gereicht wird, bin ich fest davon überzeugt, das wir gleich mit der Schokoladenarbeit loslegen.

Schokoladenworkshop Maastricht (12)

„Halt, Halt – Komm doch erst einmal mit nach oben!“ höre ich es. Ich begleite Arnout eine schmale Wendeltreppe in das Obergeschoss – was sich bei näherem Hinschauen als Lager und Ideenwerkstatt herausstellt. Möchtest du einen Tee oder Kaffee? Ich entscheide mich für einen Tee, denn irgendwie ist es schon ein wenig frisch in der kleinen Garage – 17,4 Grad. Wohlfühltemperatur für Schokolade – wie mir Arnout später erklärt.

Seit knapp 2 1/2 Jahren nennt Arnout gemeinsam mit seiner Frau die kleinste Schokoladenmanufaktur der Welt in Maastricht sein Eigentum. In einem ehemaligen Kuhstall, der später als Garage für einen Mini genutzt wurde, entstand in den letzten Jahren eine Manufaktur mit Lager – auf einer Größe von weniger als 20 qm. Seit 2015 gibt das Ehepaar hier auch Schokoladenkurse von 2 – 5 Personen. Beide haben ihr Handwerk in Belgien gelernt – sind also wirklich Kenner!

Schokoladenworkshop Maastricht (3)

Mein Workshop beginnt mit einer Verkostung. Schnell erkenne ich den Unterschied zwischen weißer Schokolade, Vollmilch und dunkler Schokolade und doch fällt mir schon bei der Verkostung auf – die hier schmeckt anders. Es sind nicht die Knisterballs in der weißen Schokolade oder der Zimtgeschmack in der Vollmilchschokolade oder das Salz in Karamel in der dunklen Schokolade. Es ist ein zart schmelzendes cremiges Schokoladengefühl, was mich ziemlich neugierig auf die Zubereitung macht.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Ich trinke schnell meinen Tee aus und frage Arnout neugierig „Legen wir jetzt los?“ Inzwischen sind wir zur deutschen Sprache übergegangen, die Arnout auch recht gut spricht. Er schüttelt jedoch den Kopf. Erst muss er mein Wissen über Schokolade testen. Und tatsächlich, in der Fragestunde rund um das Thema Schokolade lerne sogar ich als Schokofreak noch das eine oder andere dazu.

Schokoladenworkshop Maastricht (5)

Dann endlich geht es los! Mit Kamera bepackt laufe ich die schmalen Treppen hinunter in die „Küche“ der Manufaktur. Auf einem kleinen Herd bringt Arnout die Schokolade zum Schmelzen. Ganz wenig Wasser nur wird zum Kochen gebracht, und in einer Edelmetallschüssel eine Mischung aus Vollmilch und dunkle Schokolade langsam geschmolzen.

Was jedoch jetzt von Arnout gezeigt wird, kannte ich noch nicht. Die geschmolzene Schokolade wird auf einer Marmorplatte verteilt, zusammengeschoben, wieder verteilt und zurück in die Edelmetallschüssel gegeben. Schokolade braucht zur Verarbeitung eine gewisse Temperatur, lässt er mich wissen, und zeigt mir sogleich verschiedene Methoden, wie ich die perfekte Temperatur feststellen kann.

Warum Schokolade verarbeiten so schwer ist.

Schokoladenworkshop Maastricht (21)

Ich frage mich natürlich erst – wozu dieses ganze hin und her mit der Schokolade – bis ich eben diese im Rohzustand koste. Und ins Schwärmen gerade. Herrgott noch mal, was für eine geniale Schokolade. „Versuch es selbst“ fordert mich Arnout nun auf. Und ich beginne die Schokolade zu schmelzen, abzukühlen auf Verarbeitungstemperatur und damit meine erste Form zu füllen – ein Eichhörnchen.

Mich ärgert eine Luftblase, die sich beim verteilen gebildet hat und ich stelle Fest – Schokoladenverarbeitung per Hand ist gar nicht so einfach. Im zweiten Versuch machen wir Rollen, die wie Zigarillos aussehen. Doch auch hier – die Schokolade ist ein wenig zu kalt und so können wir von vorne anfangen.

Ich naschte immerzu, was die Verarbeitung natürlich noch schwieriger machte. Irgendwann – beim vierten Versuch – klappte es dann – ich habe eine Rolle gefertigt. Und fühlte mich, als könnte ich Schokoladenbäume ausreißen! Beim Schreiben mit Schokolade bin ich so begeistert, das ich fast die Zeit vergesse.

Ich male Weihnachtsbäume und schreibe was das Zeug hält. Die Uhr zeigt 5 Uhr – in knapp 45 Minuten fährt mein Zug. Während Arnout die Küche aufräumt und mir unsere Worskopversuche und eine kleine schokoladige Überraschung einpackt, nehme ich mir vor, das ganze auch mal zuhause aus-zu-probieren. Zu kurz war der Workshop in Maastricht – und ich hab gut Lust, den nochmal zu wiederholen.

Kommt ihr mit?

Wichtige HinweiseAnreiseHotelempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Die Schokolade der K&K Manufaktur könnt ihr natürlich auch kaufen. Mein Tipp, unbedingt mal probieren! Es gibt sogar einen Verkaufsshop in Deutschland, weitere sollen folgen. Für alle, die solange nicht warten wollen, gibt es auch einen Onlineshop mit den verschiedenen Sorten
  • Folgende Sorten gibt es schon: Weiße Schokolade mit Cappuchino, Vollmilch mit Zimt, Vollmilch mit Espresso, Dunkle Schokolade mit Caramel und Meeressalz, Dunkle Schokolade mit Mocka, Dunkle Schokolade mit Earl Grey Tea und Bergamon, Single Origin Dark mit Nibs (kakao Bohnen), Single Origin Dark mit Haselnüssen, Vollmilch mit Haselnüssen und Maastricher Kaffee, Vollmilch mit Spekulatius, Weiße Schokolade mit Knisterbällen.
  • Der Workshop sollte mindestens ein – zwei Wochen vorher gebucht werden und ist im Sommer wie im Winter verfügbar. Die Temperatur in der Manufaktur beträgt immer 17,4 Grad, zieht euch also passend an.
  • Der Workshop ist am besten geeignet für eine Gruppe von 3 – 5 Personen. Ab drei Personen kostet der Workshop 37,50 (max. 5 Teilnehmer auf einmal möglich). Bei nur zwei Teilnehmern beträgt die Teilnahmegebühr inkl. Tee und Schokoladenprobieren 52,70 Euro. Mehr Infos und feste Termine findet ihr hier.
  • Vorab solltet ihr Arnout und Monique bescheidgeben, welche Schokolade ihr bevorzugt (Weiße, Vollmilch und dunkle Schokolade). So macht Naschen doppelt Spaß!

Die Anschrift für die Schokoladenmanufaktur ist

K&K Chocolade-Atelier – World Smallest Chocolate Factory, Belemerweg 24, 6226 HA Maastricht, The Netherlands

Es gibt ein paar Parkplätze in der Umgebung, hier ist jedoch zu beachten, das es sich um ein reines Wohngebiet handelt. Mit dem Bus kommt ihr bis in den Vorort, aber auch zu Fuß (ca. 25 Minuten vom Bahnhof) lässt sich die Manufaktur gut erreichen.

Ich war in Maastricht im Crowne Plaza Hotel. Ein paar Informationen hierzu findest du in meinem Maastricht-Bericht.

 

Offenlegung:  Vielen Dank für den besonderen Einblick in die Arbeit von K&K Schokoladenmanufaktur, zu der ich eingeladen wurde.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

2 Kommentare

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  • Liebe Janett,

    ich überlege seit 2 Wochen wo mein Frühlingsurlaub nun hingehen soll. Ich schwankte zwischen Irland und den Niederlanden. Aaaaber nach diesem tollen, schokoladigen Bericht ist die Entscheidung natürlich gefallen.

    Die Sorten klingen herrlich!

    Vielen Dank für die nette Berichterstattung! Ich hoffe ich hab so viel Freude beim Workshop wie du!

    Liebe Grüße

  • Das ist was für mich :-) So etwas liebe ich!
    Übrigens hat Zotter genauso in der Steiermark angefangen: In der Scheune seines Elternhauses hat er die Köstlichkeiten produziert und gehört jetzt zu einen der besten Schokoladenmanufakturen.
    Gut, dass ich bald noch nach Maastricht möchte und den Tipp von Dir vorher gelesen habe ;-)

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