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Auf den Spuren der Route 66 – Oder warum alles ganz anders kam

Ich hatte mir alles so toll vorgestellt. Vergessene Orte jenseits der Interstate wollte ich finden und ganz nebenbei bei strahlenden Sonnenschein von Joliet nach Springfield ein Stück weit das Flair der Route 66 erleben. Dieser Mythos ist so stark, da muss doch ein bissl „Go Wild“ Gefühl für mich übrig sein?

Es war wohl mein Fehler, dass wir das ganze am Montag nach dem Rennevent in Joliet starteten. Ziemlich übermüdet vom Rennsportwochenende wollten wir eigentlich ganz früh aufstehen. Doch ausgerechnet an diesem Tag wurde mal so gar nichts daraus. Übermüdet und hungrig starteten wir auf eine Reise – nicht gerade die beste Basis für Spurensucher. „Wo willst du denn jetzt eigentlich hin?“ fragte mich Jens, als er das Navi programmierte. Ehrlich? Ich hatte mal so gar keine Idee… „Zur Route 66??“ war dann meine Antwort.

Route 66 in Chicago - End
Route 66 in Chicago – End

DAS – ist auf der bekanntesten Straße von Nordamerika nicht ganz so einfach. Wie wir erst in Amerika erfahren haben, gibt es 1000 Möglichkeiten die Route 66 zu fahren. Es gibt unterschiedliche Strecken für verschiedene Zeitepochen und – um das Chaos noch perfekter zu machen ist die Route 66 urplötzlich mittendrin weg. Es gibt in Chicago nicht nur einen „Start“, sondern eine Straße weiter auch gleich einen „End“-Punkt und „die wahre Strasse“ zu finden, ist bei weiten nicht so einfach – in normalen Straßenkarten ist die „Motherroad“ oftmals gar nicht auszumachen.

In Joliet selbst gibt es einen kleinen Route 66 Visitorcenter, in dem ihr euch nicht nur über die verschiedenen Streckenmöglichkeiten, sondern auch über die Geschichte informieren könnt. Glück für uns, denn endlich wussten wir grob „wo es langgeht“.

Route 66 Raceway
Route 66 Raceway

Ein kurzer Abstecher quer durch die Stadt zum Route 66 Raceway musste dann auch noch drin sein – bei der Rennstrecke handelt es sich um eine Dragster-Piste (so ein ewig langes Geradeausstück). Ich hätt diese Geschosse ja gerne live gesehen…

Die Route 66 in Illinois
Die Route 66 in Illinois

Kaum saßen wir im Auto, begann es zu regnen. Kein guter Start für einen Roadtrip! Und keine gute Basis für gute Fotos. Mittlerweile hatten wir Joliet in Richtung Willmington verlassen. „Und das ist jetzt die Route 66?“ fragte ich mich während der kommenden 20 Meilen. Eine alte Landstraße, rechts daneben eine alte Stromleitung und alle 10 Meilen eine Info „Historic Route of Route 66“ – Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt.

Speedlimit Route 66
Speedlimit Route 66

Wir erreichen Willmington um die Mittagszeit. Aufgrund der Geschwindigkeitbeschränkung hat die Reise bis hier her etwas länger gedauert. Seis drum – ich hatte IHN endlich erreicht! Gemini Giant, ein rund 8 Meter hoher „Astronaut“ der als „Landmark“ für das Restaurant „Launching Pad“ seit den 60er Jahren Werbung macht. Den Giganten gibt es noch, und auch im Regen halten einige Route66 – Touristen hier an, das Drive In jedoch hat seine Türen für immer geschlossen. Hineinschauen kann man noch – und sich vorstellen, was hier einst für ein Betrieb geherrscht haben muss. Wir haben Hunger – und finden zwei Meilen weiter versteckt ein kleines Restaurant mit günstiger, und recht einfacher Küche.

Der Ort Wilmington stimmt mich traurig. Kennt ihr den Trickfilm Cars ? Ein Ort abseits der Interstate fristet ebenso sein Dasein und wird nur durch einen „Verirrten“ gerettet. Ich denke in diesem Moment an so viele Orte an der Strecke der Route66, die noch vor 40 Jahren von den 1000enden Reisenden gelebt haben – und nun höchstens gelegentlich verirrten Motherroad-Rittern die Geschichte längst vergangener Tage erzählen.

Roadtrip Regen
Roadtrip Regen

Es ist 13 Uhr – in zwei Stunden wollen wir in Springfield sein. Dort wartet eigentlich das „Lincoln Museum“ auf uns – eines der interessantesten zeitgeschichtlichen Museen der USA. Ein Blick auf unser Navi verrät uns: Das wird nix mehr! Knapp 120 Meilen liegen noch vor uns und auch das Wetter wird immer ungemütlicher. Nachdem sich auf der Route66 immer größere Pfützen auftun, entscheiden wir uns für eine Weiterfahrt auf der Interstate. Ich kann sie noch erkennen – die Strommasten der alten Strasse, die parallel führt und ein paar Kilometer weiter plötzlich Teil der Interstate ist. Ein wenig verwirrend ist das ganze schon.

Wir lassen Pontiac und Bloomington und auch Lincoln links liegen, auch wenn es jenseits der Interstate in beiden Städten coole Route66-Sehenswürdigkeiten gibt. Der Regen lässt langsam nach, als wir kurz nach 16 Uhr endlich Springfield erreichen. Eine schöne, wenngleich typische amerikanische Stadt, in der fast jede zweite Querstrasse auch schon mal Teil der Route66 war. Wir checken im Inn at 835 ein.

Inn at 835 - Springfield
Inn at 835 – Springfield

Einen Besuch im Museum haben wir leider nicht mehr geschafft, aber dafür einen Kulinarischen Route 66 Tipp für alle Reisenden. Im Cozy Dog Drive In bekommt ihr nach einem 1946 erfundenen Familienrezept einen Hot Dog der besonderen Art. Ein Würstchen in Maisteighülle am Stiel klingt erst mal nicht wirklich spektakulär. Die Corn Dogs sind recht günstig, knapp 2 Dollar das Stück – ein interessantes Geschmackserlebnis. Es gibt noch verschiedene Dips – und natürlich auch die bekannten amerikanischen Getränke. Wirklich kultig ist jedoch der Laden, der anderswo als Museum gelten würde. Wenn ihr in Springfield seit, unbedingt mal vorbeischauen!

Auch wenn die Stadt noch viel Geschichtliches zu Abraham Lincoln zu bieten hat, ist unsere Kraft nach diesem Regenmarathon erschöpft. Ein kurzer Blick aufs Kapitol aus unserem Fenster ist das letzte was wir an diesem Tag sehen, bevor uns die Müdigkeit übermannt…

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Ausreichend Zeit einplanen. Für die Strecke Joliet – Springfield braucht ihr schon auf der Interstate knapp 4 Stunden, wenn ihr die Route 66 nutzt, dann dauert es länger
  • Legt euch auf eine „Epoche“ fest! Wenn ihr wirklich nur einen Tag für diese Strecke habt, ist es sinnvoll, einen bestimmten „Zeitabschnitt auszusuchen. Nur dann könnt ihr es schaffen, die Strecke abzufahren. Eine andere Möglichkeit ist das Abfahren von „Highlights“, dafür findet ihr gute Karten in Joliet im Visitor Center
  • Alle Links mit weitergehenden Informationen findet ihr im Text, sinnvoll bei diesem Roadtrip ist eine ausführliche Vorabplanung.
  • Beim Visitor Center in Joliet lieber einen bezahlten Parkplatz nutzen, hier kann es euch ganz schnell passieren, das ihr abgeschleppt werdet.
Auto. Oder Motorrad. Und immer den Zeichen der Route 66 hinterher.
Wir haben im Inn at 835 übernachtet. Das Haus bietet gemütliche Zimmer und ein sensationelles Frühstück an.

 

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

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