Mit dem Sessellift in die Vergangenheit. Von der Entdeckung der Boppardschen Langsamkeit

Zeitreisen geht immer Ratzfatz. Zumindest ist das in „Zurück in die Zukunft“ so. Aber denkste. Ich habe gemerkt, das eine wirkliche Zeitreise viel länger Zeit brauchen. Um genau zu sein knapp 4 Stunden. Und das ganze ohne eine teure Maschine mit Fluxkompensator und Co.

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Es war im vergangenen Herbst, als ich meine erste Zeitreise unternahm. Nur unweit von Koblenz erwartete mich eine Reise in die Vergangenheit, wie ich sie hier, fast direkt an der ICE Strecke von Köln nach Mainz/Frankfurt nicht erwartet hätte. Alles fing an mit einer Bootsfahrt nach Boppard. Über Böötchenfahren muss ich sicherlich nicht viel erzählen, ihr wisst ja, das ich das richtig gerne mache. Der Rhein ist da jedoch in Rheinland Pfalz noch mal ganz speziell, da er neben zahlreichen Weinbergen und vielen Tälern auch zahlreiche Burgen im Angebot hat. Fährt man von Koblenz Richtung Mainz (ob via Schiff,Auto oder Kutsche), entdeckt man unterwegs so viele unterschiedliche Burgen und Schlösser, das man schon hier das Gefühl hat, in eine andere Welt einzutauchen.

Den ersten Zeitflash hatte ich jedoch in Boppard. Nicht das der Ort nicht wunderschön ist. Am Rhein gelegen, mit verträumten Gässchen und Kleinstadtcharme – doch schon bald entdecke ich, das hier die Uhren anders ticken. Ich will nicht sagen, das hier alles ein bissl aus der Zeit gekommen wirkt, aber doch scheint hier alles so ein wenig „retro“. Nicht unbedingt auf die Art, wie man das aus vielen Großstädten kennt, wo es pseudoretro – Restaurants mit Vintagemöbeln gibt, sondern halt so „hier-ändert-sich-die-Welt-nur-alle-25-Jahre“.

Und ich muss zugeben, irgendwie ist dieses „Nicht mit jedem Trend mitgehen“ sehr charmant. Im Souvenier-Shop sind die Preis-Schilder noch liebevoll Handgeschrieben, und auch die Läden wirken nicht zwanghaft hochstilisiert… sondern klein und gemütlich.Wir wandern zum Sessellift, der uns zum Vierseenblick hinaufbringen will. Ich freu mich schon auf das Abenteuer, rasant hinauf zum Gedeonseck. Notorisch Lauffaul, was ich nun mal leider bin, ist so eine Transportmöglichkeit schon was schickes. Immerhin geht es knapp 500 Höhen-Meter hinauf.

Als ich die Regeln las, wurde mir schon ein wenig mulmig zumute. Besonders der Punkt „Bei körperlichen Gebrechen ist das Bahnpersonal in Kenntnis zu setzen, damit die Geschwindigkeit verringert werden kann“ machte mir dann doch ein wenig Angst und bange. Würden wir denn jetzt im „Eiltempo“ nach oben fahren ? Endlich an der Rhein, stellte ich mich auf. Möchten sie noch etwas zum unterlegen ? – wurde ich gefragt. Ja nu. Warum nicht.

Der Sessellift war kaum da, und ich erwartete – jetzt wo ich den Boden unter den Füßen verloren hatte – doch ein wenig mehr. Klar es ging nach oben, aber die Geschwindigkeit war dann doch unerwartet. Wir fuhren so langsam, das ich wohl noch die Weinreben unter uns hätte gemütlich abpflücken können und ich hatte das Gefühl, das selbst die Wanderer, die hinabliefen, schneller unterwegs waren als wir. Nix mit Geschwindigkeit, hier ist knapp 20 Minuten „entspannen“ angesagt.

Was bei Regenwetter natürlich ungünstig ist, wird bei schönen Wetter zu einer wahrlichen „Sinnesüberflutung“. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf Boppard, den Rhein, den Bopparder Hamm und die Rheinschleife. Man kann in die Wälder jenseits des Rheines schauen und verliert irgendwann so nach 8 Minuten jegliches Gefühl für Zeit und Raum. Für alle die eine Aussprache suchen – hier ist der Beste Ort dafür… :D

Irgendwann landeten wir oben. Und dort entdeckte ich ihn! Er trut eine rote Mütze und stand in einem Blumenfeld! Seine niedliche Stupsnase weckte in mir den Wunsch – den Gartenzwerg einfach mal mitzunehmen. Leider blieb mir dafür keine Zeit, denn wir spazierten weiter zum „Vierseenblick“. Ein toller Ort, der überraschenderweise sehr innovativ in einem Bilderrahmen zu sehen ist. Ich brauch eine Erläuterung, bis ich die vier Sehen auch „sehe“ – aber dann endlich verstehe ich, das die Vier Seen eigentlich der eine Rhein ist.

Wir gehen weiter und kommen kurze Zeit später im Restaurant/Cafe „Vierseenblick“ an. Durch die Fenster mit klassischen Gardienen sehe ich Blumenkästen mit Geranien, während ich mich auf eine der alten Holzstühle niederlasse. Es gibt Malzbier und eine Erbsensuppe mit Bockwurst. Wirklich – ich fühlte mich wie bei so manchen Familienausflug Ende der 80er Jahre.

Wann hatte ich den Stress vergessen ? Auf dem Rückweg ins Mühlthal nun kommt mir die Fahrt schneller vor. Zurück in die Zukunft…

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Preis für eine Hin und Rückfahrt mit der Seilbahn zum Vierseenblick 7,50 Euro für Erwachsene.
  • Wanderwege sind entlang der Strecke verfügbar. Empfehlenswert ist der Weg hoch mit der Bahn zu nutzen und hinab zu laufen.
  • Der Sessellift fährt nur Tagsüber. Ideal ist eine Auffahrt um die Mittagszeit.
  • Im Restaurant eine Erbsensuppe probieren. Sattmachend und lecker !
Anreise per Schiff (Anlegestelle Boppard, Auto (ggf. inkl. Fährfahrt ;))  und Bahn (Bahnhof Boppard) möglich
Ein sehr tolles Haus, aber auch immer sehr begehrt ist Burg Schönburg, die unweit von Boppard auf einem Berg trohnt

 

Disclaimer: Die Seilbahn besuchte ich auf Einladung von Tourismus Rheinland Pfalz.
Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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