Dr. Crusius & die 7 Jungfrauen – Eine Nacht in Burg Schönburg

Es war schon stockdunkel als wir ankamen. Geheimnisvoll stand sie dort, thronend hoch oben über dem Rheintal angeleuchtet von warmem Licht. Ein bisschen Gänsehaut kroch schon jetzt über meinen Rücken, denn hier würden wir heute dinieren & die Nacht verbringen. Wir blickten auf Burg Schönburg in Oberwesel, eines der exklusivsten und individuellsten Hotels in Deutschland.

Collage 3 Burg Schönburg

Wie checkt man in eine Burg ein?

Janett und ich trugen unser Gepäck über die Brücke des Burggrabens, den steilen, gepflasterten Weg hinauf zum großen Holztor und durch den Burghof. Hier waren die Rollen an meinem Koffer komplett überflüssig – ein Pferd hätte  jetzt besser gepasst. Nach dem Einchecken wurde uns das Gepäck abgenommen und eine freundliche Dame führte uns zu unserem Quartier für die Nacht. Über eine steile, mit Teppich belegte Treppe ging es hinauf, durch eine schwere Holztür wieder hinaus ins Freie und am Ende eines Wehrganges lag die Kemenate Nr. 33.

Das wohl coolste Hotelzimmer!

Hinter einer weiteren tiefschwarzen, schweren Holztür befand sich das wohl originellste Hotelzimmer, das ich in all den Jahren des Reisens je gesehen hatte. Wir folgen der jungen Frau durch einen langen Gang, vorbei an einer Fensternische mit Sitzecke, bogen rechts ab zu einem großen Tisch mit Bänken, auf dem zur Begrüßung eine Karaffe mit Sherry stand und gingen weiter um die nächste Ecke hinein in den Hauptraum mit königlich anmutenden Schlafgemach. Während meine Orientierung längst aufgegeben hatte, wurden uns im Vorbeigehen der Fernseher und die Minibar gezeigt – beide dezent im Wandschrank hinter massiven Holztüren versteckt, um den antiken Flair des Raumes nicht durch allzu moderne Elemente zu stören. Am Schlafraum lagen direkt die separate Toilette und das kleine aber sehr feine Badezimmer. Beim Betreten des WCs war ebenso wie am Eingang „Kopf einziehen“ angesagt.

Collage 1

Unsere Mittelalterliche Puppenstube

Es fiel mir äußerst schwer die Fassung zu behalten während wir durch das Zimmer geführt wurden. Innerlich stieß ich spitze Laute der Verzückung aus. Ich fühlte mich, als liefe ich durch eine mittelalterliche Puppenstube – und wir waren die Puppen … äh Prinzessinnen. Kaum hatte die Hotelangestellte das Zimmer verlassen hüpfte ich quieckend und staunend wie ein kleines Kind an Weihnachten durch das Zimmer, natürlich mit Kamera, denn gab so vieles zu sehen und festzuhalten.

Dinner for Two

Doch lange konnten wir uns nicht an der Entdeckung unserer Kemenate aufhalten. Schon eine knappe Stunde später wartete der nächste Höhepunkt: Das Dinner! Das besondere an Burg Schönburg ist nämlich, dass neben dem obligatorischen Frühstück das Abendessen im Zimmerpreis enthalten ist. Wobei…  „Abendessen“ trifft es hier nicht wirklich. Auf uns wartete ein phantastisches 4-Gang-Gourmet-Menü. Wir starteten ganz entspannt mit einem regionalen Winzer-Sekt mit eingelegten Früchten als Aperitif und warfen einen ersten Blick auf die Menü-Karte. Dass uns direkt das Wasser im Mund zusammenlief muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen – die Bilder sprechen für sich…

 

Wildfrikadelle mit Portweinsößchen & Kartoffelpüree

Feldsalat in Senfdressing mit Kalbsroastbeef

Hummersüppchen mit Trüffelcrostini

Schweinemedaillons mit Morchelrahmsauce, feinen Bandnudeln & Tomatenpüree

Zweierlei Parfait mit Blaubeergrütze

Und dann kommt Dr. Crusius ins Spiel

Dazu gönnten wir uns die 3 korrespondierenden Weine, was das Dinner noch ein wenig perfekter machte – und uns um einiges lustiger. Die edlen Tröpfchen hatten es ganz schön in sich. Wir lachten über alte Geschichten, erfreuten uns unseres Daseins und schwelgten in den wunderbaren Köstlichkeiten, die allesamt so hervorragend schmeckten, wie sie aussahen. Außerdem wurde ich zu dem Titel dieses Berichtes inspiriert, da einer der Weine vom Weingut Dr. Crusius stammte & ein weiterer „7 Jungfrauen“ hieß. Nebenbei erfuhren wird von der Kellnerin noch etwas über die Legende der Damen. Um wieder einen etwas klareren Kopf zu bekommen bestellte ich mir im Anschluss noch einen Espresso. Serviert wurde der Kaffee mit einer hausgemachten Praline. Jetzt war ich endgültig im Gourmet-Paradies.

Nachtwanderung auf der Burg

Nach dem Dinner erkundeten wir noch ein wenig Burg und ließen uns von dem geheimnisvollen nächtlichen Flair verzaubern, bevor wir zurück auf unserem Prinzessinnen-Zimmer friedlich einschlummerten. Es ist überflüssig zu erwähnen, wie königlich ich in diesem Bett geschlafen habe.

Schlemmerei, zweiter Teil

Nach einer ebenso königlichen Dusche am nächsten Morgen freuten wir uns auf die nächste Schlemmerei: Das Frühstücksbuffet. Klein aber fein war hier das Motto. Von hausgemachten Konfitüren über Lachs bis hin zu regionalen Wurstspezialitäten war alles vorhanden, was das Herz begehrte. Sogar ein Frühstücksei gab es für jeden Gast. Doch die Eier wurden nicht wie sonst häufig üblich auf dem Buffet unter einem Tuch warm gehalten, sondern für jeden Gast frisch zubereitet. Kaum hatte wir Platz genommen wurden zwei kleine Weck-Gläser an unseren Tisch gebracht. In jedem ein halbiertes, perfekt weiches Ei auf einer pikanten roten Salza. Ein Klassiker neu interpretiert. Mmmhhh…

Collage 4 Burg Schönburg

Rund um die Burg

Nach dem Frühstück erkundeten wir dann den Außenbereich von Schönburg. Wir genossen den Rundumblick von der Burgmauer hinab ins Rheintal und stiegen anschließend eine steile Treppe hinab in den Burggraben. Unten fanden wir liebevoll angelegte Rabatten und gemütliche Sitzecken. Auch die 7 Jungfrauen trafen wir in bildhafter Form wieder. Erneut war ich völlig hin und weg von der Schönheit dieses Fleckchens Erde und stellte mir vor, wie es wohl früher hier gewesen sein mag. Ein greller Aufschrei von Janett riss mich aus meinen Tagträumen.

Ein kleiner Troll

Sie kam aus einer kleinen Höhle gerannt und meinte ganz aufgeregt, dass ihr ein gruseliges Wesen begegnet sei. Ich nahm also allen meinen Mut zusammen und betrat die Höhle. Dort sah ich eine kleine steinerne Skulptur, die wie ein trollähnliches Wesen aussah und mir fröhlich grinsend entgegen winkte. Wir beide brachen in schallendes Gelächter aus und zückten unsere Kameras, um den kleinen Kerl für die heimische Fotosammlung festzuhalten.

So langsam mussten wir leider von Burg Schönburg verabschieden. Schließlich hatten wir an diesem Tag noch viel vor. Für ein paar Souvenirs reichte die Zeit noch, bevor wir unsere 105 Pferde sattelten und uns aufmachten gen Norden….

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen?
  • Wenn ihr euch selbst einmal eine Nacht auf Schloss Schönburg gönnen möchtet, so könnt ihr dieses über die Homepage www.burghotel-schoenburg.de buchen.
  • Je nach Zimmer zahlt ihr in der Nebensaison von 120 – 330 Euro. Das ganze ist inklusive des wirklich gutem 4 Gang-Abendessen, einem tollen Ambiente und dem Zugang zum Burg-Garten sowie einem Willkommens-Sherry.
  • Raum 33 kostet pro Nacht 330 Euro. Bitte beachtet, das die Burg noch bis zum 14.03. in der Winterpause ist.
  • Achso… Das Titelbild zeigt einen Stuhlknauf auf unserem „Zimmer“.
Wir empfehlen die Anreise mit dem Auto. Es gibt zwar auch die Möglichkeit mit Bus und Bahn anzureisen und den Weg hinauf zur Burg zu laufen – aber mit Gepäck.

Adresse: Auf Schönburg – 55430 Oberwesel am Rhein

Nee. Vor der Burg gibt es Parkplätze 

Disclaimer: Wir wurden vom Land Rheinland Pfalz und der Familie Hüttl für eine Nacht auf Schloss Schönburg eingeladen. Vielen Dank hierfür. Die Meinungen und Eindrücke sind unsere eigenen.
Monique
Monique

Monique zog es früh von Thüringen aus hinaus in die Welt. Als Kulinarik-Expertin im Team von Teilzeitreisender.de präsentiert sie uns besondere Highlights rund um die Welt!

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