Europa

Die Welt von oben – Kirchtürme (Meine Stairways to Heaven)

Ich hab es ja eigentlich nicht so mit der Höhe. Und wenn jemand das Wort „Kondition“ ausspricht, dann versuch ich schon zu Atem zu kommen. Und doch bin ich in den letzten Jahren auf so einige Türme hinaufgekraxelt. Zu Fuß – versteht sich.

Nun hab ich sicherlich noch nicht alle Türme „bestiegen“, aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Es hat sich immer gelohnt. Und für alle, die sich dafür überwinden müssen, habe ich zum Abschluss noch ein paar Durchhalte-Tipps, wie ihr es bis ganz nach oben schafft.

Kirchturm: Bath Abbey, England

Bath Abbey Turmbbesteigung (3)

Die Abbey (Abteikirche) von Bath in Südwestengland ist eine der ersten Kirchen, die ich bestiegen habe. Ein „Ist nicht so schlimm“ lockte mich auf die Reise – 212 Stufen hinauf und wieder hinunter. Im Nachhinein war es wirklich nicht so anstrengend wie ich erwartet hatte, dafür durfte ich einen Blick hinter die Kirchenuhr werfen und auf dem Dach der Abbey herumlaufen. Von hier oben zeigt sich noch einmal ein ganz besonderer Blick auf Bath und seine Geschichte.

Das schöne in der Abbey? Wem die Puste ausgeht, der kann immer mal wieder Stoppen und sich ausruhen. Die Treppen müsst ihr nicht in einem durch laufen. So fühlt sich das auch für nicht allzu fitte Menschen (wie mich) gar nicht mal so anstrengend an…

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Mittel
  • Eintritt: 6 Pfund
  • Sonstiges: Der Aufstieg ist hier übrigens nur im Rahmen von Touren möglich, die bis auf einige wenige Ausnahmen von Montag bis Samstag stattfinden.
  • Mehr Infos unter Bath Abbey Towertours

Kirchturm: Kölner Dom

Aufstieg Kölner Dom (4)

Der Kölner Dom ist bei mir um die Ecke. Naja so quasi jedenfalls. Und schon häufig stand ich auch im Dom, hab meine Gäste herumgeführt und das eine oder andere gezeigt. Das ging so lange gut, bis mein Vater Anfang diesen Jahres zu Besuch kam. „Hey Janett – wäre es jetzt nicht cool, auch noch mal hinauf zu steigen?“ 533 Stufen muss man hinauf, und natürlich auch wieder hinablaufen. Eine Wendeltreppe, die zum Auf und Abstieg genutzt wird.

Praktisch im Kölner Dom sind diverse Türen, in denen man zwischendurch stoppen kann. Zwischendurch kann man sich auch die Glocken anschauen. Ich fand die Wendeltreppe gar nicht so anstrengend, auf dem letzten Stück jedoch muss man über eine offene Metal-Treppe in einem Gewölbe nach oben, mich kostete das schon einiges an Überwindung.

Aufstieg Kölner Dom (7)

Auf knapp 97 Metern waren wir nicht nur außer Puste (außer natürlich mein Papa ;)) sondern konnten auch einen ganz besonderen Blick auf Köln und die Umgebung genießen.

Unser Glück: Wir sind kurz vor Toresschluss zur Turmbesteigung gestartet. Dadurch war nicht viel Betrieb und wir hatten die Treppen für uns allein.

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Hoch
  • Eintritt: 4 Euro
  • Sonstiges: Turmbesteigungen sind von 9 – 18 Uhr (im Winter bis 17 Uhr) möglich. Der letzte Einlass erfolgt 30 Minuten vorher – die Zeit braucht man jedoch auch um hoch zu kommen. Nehmt euch was zu trinken mit!
  • Mehr Infos unter Kölner Dom Turmbesteigung

Kirchturm: Berner Münster, Schweiz

Auch Kirchturm Nummer 3 war eher so ein Zufallsfund. „Ach komm schon – Janett“ war das Stichwort und just war ich im Aufstieg begriffen. Von allen drei Türmen hatte ich hier jedoch die wackeligsten Beine. Mein Problem – der Aufstieg ist teilweise offen. Fenster gibts hier nicht, dafür aber Ausblicke. Unverbaut.

Berner Münster Turmaufstieg (3)

Für mich durchaus eine Herausforderung, auch wenn ich dort niemals durchgepasst hätte. Oben wurde gebaut und ich war überrascht, das es nach „Stop Nummer 1“ noch ein paar Treppen hinauf ging. Den wirklich tollen Ausblick gibts dann ganz oben – bei gutem Wetter hat man hier einen beeindruckenden Blick zu den Alpen und natürlich auch über die Stadt Bern.

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Hoch (für alle mit Höhenangst)
  • Eintritt: 6 Schweizer Franken
  • Sonstiges: Der Aufstieg hat mehrere Stops und besagte Herausforderung – bietet vor allem jedoch einen der schönsten Ausblicke über Bern. Achtung – im Münster selbst darf nicht gefilmt oder fotografiert werden.
  • Mehr Infos unter Berner Münster Turmbesteigung

Kirchturm: Hamburger Michel

„In 15 Minuten ist Sonnenuntergang“ teile ich dem Taxifahrer mit, der mich vom Hamburger Hauptbahnhof zum Michel bringen soll. 4 Minuten vor dem Ereignis stehe ich an der Kasse, 3 Minuten vorher am Fahrstuhl. Und tatsächlich.

Die letzte Minute des Sonnenunterganges erlebe ich hoch oben in 106 Metern über den Dächern von Hamburg mit. Es ist Nachtmichel und ich bin froh drum, das ich die 452 Stufen nicht hinauflaufen muss. Ein Freigetränk (einen Kakao oder Kaffee oder ein Kaltgetränk aus dem Automaten) ist im Preis für den Nachtmichel inklusive.

Und natürlich der Ausblick, der von hier oben wirklich beeindruckend ist. In der blauen Stunde setze ich mich mit meinem Kakao einfach nur hin und philosophiere über den Tag und was mich in Hamburg so erwarten wird. Erst als auch das letze Abendrot am Himmel verschwunden ist – begebe ich mich auf den Weg nach unten.

Diesmal jedoch über die Treppen, die man hier auch nutzen kann. Treppen laufen ist jedoch nur empfehlenswert, wenn ihr mit der Höhe auch ein wenig umgehen könnt. Dafür werdet ihr mit dem Uhrwerk der Turmuhr von 1911, die als größte Turmuhr Deutschlands mit einem Umfang von 24 Meter und einem Minutenzeiger von 4,91 Meter gilt, überrascht.

Das Innere des Michels ist durchaus sehenswert und ist auch in der Nacht gut ausgeleuchtet. Natürlich könnt ihr die Aussichtsplattform vom Michel und auch sein Innenleben auch tagsüber besuchen.

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Niedrig (für alle mit Höhenangst)
  • Eintritt: 10,50 Euro (Nachtmichel), 5 Euro (tagsüber)
  • Sonstiges: Es gibt einen Fahrstuhl bis direkt in den Aussichtsbereich. Der Innenbereich des Michels schließt 15 Minuten vor Ende des Nachtmichels (meist geht der bis 22:30 Uhr). Der Nachtmichel findet nicht an jedem Tag statt, daher empfiehlt es sich vorher unter der Seite Nachtmichel.de nachzuschauen
  • Mehr Infos unter Hamburger Michel und ein paar Michelaussichten tagsüber

Kirchturm: St. Petri Lübeck, Deutschland

WIe es ist, eine Aussichtsplattform in einer Kirche ganz für mich alleine zu haben, durfte ich in Lübeck erleben. Die St. Petri Kirche ist nicht nur Kirchenhaus, sondern bietet einem Kaffee und regelmäßigen Kunstaustellungen und Projekten einen Platz.

Ein Haus der Gemeinschaft, welches sich auch über Touristen wie mich freut. Ein Ticket ist schnell gekauft, ein paar Treppen schnell überwunden und schon fahre ich auf die Aussichtsplattform.

Die befindet sich in 50 Metern Höhe. Das klingt im ersten Moment nicht viel, reicht aber vollkommen aus, um einen tollen Rundumblick auf Lübeck und Umgebung zu haben. Gesetzt dem Fall, das gutes Wetter ist. Mit dem war ich auf meiner Reise leider nicht so gesegnet – und doch ist die Aussicht auf das Stadtzentrum spannend. Einiges erkenne ich von meinen vergangenen Reisen nach Lübeck wieder und einiges gilt es zu entdecken.

Windig ist es hier oben. Einen „Fußweg“ nach unten finde ich nicht und so fahre ich nach gut 15 Minuten Lübecker Luft wieder nach unten. Knapp verpasst hab ich den wirklich empfehlenswerten Kuchen (lt. Auskunft im Café St. Petri). Muss ich wohl noch mal wiederkommen, oder?

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Niedrig (für alle mit Höhenangst)
  • Eintritt: 3,80 Euro
  • Sonstiges: Es gibt einen Fahrstuhl mit nur wenigen Treppen bis direkt in den Aussichtsbereich.
  • Mehr Infos unter Aussichtsturm St. Petri (zu Lübeck)

Kirchturm: „Unserer lieben Frau“ Amersfoort, Niederlande

Auch in Holland bin ich hoch hinaus gekommen. Im Kirchturm „Onze Lieve Vrouwetoren“ habe ich es bis knapp 85 Meter hoch geschafft, für die letzten Meter bis ganz nach oben hat mir dann leider die Puste gefehlt. Mit 98 Metern und 346 Stufen ist der Turm noch nicht mal der höchste der von mir bestiegenen.

Blick auf den Kanal und den Turm

Spannend ist dieser Turm jedoch definitiv. Denn anders als in Deutschland darf man hier auch mal eine Glocke läuten oder an der Orgel spielen und erfährt im Rahmen der täglich angebotenen Führungen (die es auch in der Stadtinformation gleich nebenan zu buchen gibt) spannendes zu den Gründen, warum es keine Kirche zum Turm gibt, warum hier der kadastrische Mittelpunkt ist und ob es Geistern im Turm zu finden gibt. Allzu viel will ich nicht verraten, für alle Amersfoort-Besucher ist dies jedoch eine definitive Ausflugsempfehlung.

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Hoch (für alle mit Höhenangst)
  • Eintritt: 5 Euro (60 Minuten Führung)
  • Sonstiges: Es gibt mehrere Etagen, an denen man Halt machen und verweilen kann.
  • Mehr Infos zu den Führungszeiten und Sonderführungen unter http://www.onzelievevrouwetoren.nl/tickets/ (englisch/niederländisch)

Kirchturm: „St.-Rombouts-Turm“ Mechelen, Belgien

Der erste warme Frühlingstag. Ich verbringe ihn in Mechelen – mitten in Flandern. Dort steht schon seit mehr als 500 Jahren der St.-Rombouts-Turm. Mit mehr als 514 Stufen ist er wieder einmal eine wahre Herausforderung. Der Ausblick auf dem Skywalk ganz weit oben ist jedoch jede Anstrengung wert. Von hier aus sieht man das Atomium in Brüssel und die Liebfrauenkathedrale in Antwerpen bei gutem Wetter. Vor allem jedoch hat man einen tollen Blick auf ganz Mechelen.

Für mich ganz angenehm waren die 6 Kammern der Kathedrale, in der ich nicht nur einen Blick auf die Orgel der Kirche von oben werfen konnte, sondern auch gleich das „Turmradio“ (Von hier aus werden Glockenkonzerte gespielt – hören kann man es als Besucher von Mechelen am besten am Samstag mittag von 11:30 – 12:30 rund um den St. – Rombouts _ Turm) besichtigen. Die 98 Glocken haben teilweise ein stattliches Alter und auch ein riesiges Zahnrad aus dem 19ten Jahrhundert hat mich wirklich beeindruckt. Auf jeder der Etagen steht ein Bank und eine Infotafel (sofern es was zu sehen gibt. Ein wenig schwierig für mich waren die Holztreppen bei den Glocken – endlich oben ist jedoch jede Atemnot vergessen!

Hilfreiche Hinweise
  • Schweregrad: Mittel (Viele Treppen, aber auch viele Rastmöglichkeiten, eine Treppe für Hin-, eine für Rückweg)
  • Eintritt: 8 Euro
  • Sonstiges: 6 Etagen, auf denen Infotafeln auch in Deutsch über die Technik und die Geschichte informieren. Skywalk aus Glas, ideal zum „drüberfotografieren“, kostet bei Höhenangst ein wenig an Überwindung. Kirche sehr sehenswert – viele Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten. Einlasskontrolle – es dürfen nicht mehr als 25 Personen auf Skywalk gleichzeitig. Täglich von 13 – 18 Uhr (letzter Einlass um 17 Uhr). Am Samstag um 11:30 Uhr auf Glocken-Konzert achten!
  • Mehr Infos zu den Führungszeiten und Konzerten findet ihr auf der Seite von Visit Mechelen

Noch geplante Kirchtürme

Durchhaltetipps

  • Geh dein Tempo und lass dich nicht von anderen Gästen stressen. Die meisten Treppenhäuser sind breit genug, das du auch überholt werden kannst
  • Festes und gutes Schuhwerk anziehen. Oft sind es Wendeltreppen und die Stufen recht schmal. Wenn ihr dort keinen festen Halt habt, wird es schwierig
  • Nimm etwas zu trinken mit! Gerade bei Aufstiegen von mehr als 300 Treppen ist ein Schluck Wasser eine Wohltat
  • Geh vorher aufs Klo! In keinem der besuchten Türme gab es oben Toiletten. Deshalb – mit voller Blase den Turm hoch ist eine sehr sehr schlechte Idee ;)
  • Gegen die Höhenangst solltest du immer einen Fixpunkt im Auge haben. Ob das ein Geländer (in Augenhöhe), ein paar Schuhe oder die Treppe etwas weiter höher ist, alles ist besser als Panik zu bekommen. Ihr würdet euch ärgern wenn ihr wegen so ein bissl Höhenangst nicht die Spitze erklimmen würdet.

Welchen Kirchturm sollte ich noch anschauen?

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

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