Baden Württemberg

Ein Nachmittag hinter den Kulissen des Flughafen Stuttgart

„Die rote Linie auf keinen Fall übertreten!“ erläutert uns das Sicherheitspersonal vom Flughafen Stuttgart. Kennt ihr das, wenn ihr euch vorkommt, als läuft ein Film ab und ihr habt das Gefühl mittendrin zu sein? Ich war mittendrin. Oder sagen wir mal eher. Mittendrauf!

Aus Versehen am Stuttgarter Flughafen?

Es ist ein verregneter Montag nachmittag, als uns das Social Media Team des Flughafen Stuttgart in der Flughafenhalle erwartet. Ich war in meinem Leben bisher erst einmal am Flughafen Stuttgart und das zugegebenermaßen auch völlig aus Versehen.

Damals durfte eine Maschine aus Köln Bonn nicht in München landen und da uns der Sprit ausging, mussten wir nachtanken. So kam es – das wir kurz in Stuttgart stoppten – um zu tanken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Blick hinter die Kulissen

An diesem windigen Oktobertag besuchte ich den Flughafen Stuttgart aus anderen Gründen. Ein Blick hinter die Kulissen ist an den Flughäfen in Deutschland nichts neues mehr.

Touren für Touristen werden auch in Stuttgart angeboten, wir jedoch dürfen als „Presse“ auch noch einen Schritt weiter gehen. Wir haben eine Sondergenehmigung – die uns ein ganz besonderes Bild des Ablaufes am Flughafen bietet. Wir erfahren von romantischen und traurigen Geschichten, die fast jeden Tag im Flughafen passieren. Von vergessenen Omas und von Familien – die sich hier wiederfinden.

400 Hektar und vier Terminals

Der Stuttgarter Flughafen ist der „größte“ Baden Würtembergs. Pro Tag gibt es bis zu 400 Starts und Landungen und pro Jahr reisen mehr als 10 Millionen Fluggäste bei 55 Airlines mit. In 2015 wurden 20.000 Tonnen Luftfracht und 10.000 Tonnen Luftpost von hier aus transportiert.

Von der Abflughalle aufs Vorfeld

Ich lasse es mir nicht anmerken – aber die Informationsflut beeindruckt mich nicht wenig. Das Presseteam überrascht uns mit einer ganz besonderen Tour. Die startet wie beim jeder „Reise“ in der Abflughalle. Nach zahlreichen Anekdoten fragt uns das Presseteam, ob wir denn Lust auf einen ganz besondere Einblick haben. Klar haben wir – und sitzen kurze Zeit später in einem Auto Richtung Vorfeld. Wie auch beim Check Inn müssen wir erst durch die Sicherheitskontrolle. Da gibt es keine Ausnahme!

Wir fahren mit dem Auto in einen „Flugzeugparkbereich“  in dem gerade eine Maschine aus Thessaloniki einfährt.Noch etwas zögerlich warten wir auf weitere Anweisungen. „Ihr dürft gerne aussteigen!“ ist das Zeichen was wir brauchen. Das erste mal stehe ich auf einem Flughafen – ohne auch nur einen Schritt in ein Flugzeug zu setzen. Nach ein paar Instruktionen (nicht über die rote Linie, nicht den Ablauf stören) dürfen wir uns weitestgehend frei bewegen! Was ein besonderer Moment. So nah war ich einem Flugzeug selten.

Alltag am Flughafen

Die Tür öffnet sich und die Gäste hasten Richtung Bus. Kaum jemanden fallen wir auf – was wohl auch daran liegt, das wir in Signalwesten herumlaufen. Noch nie ist mir aufgefallen, wie schnell sich so eine Maschine leert. Während der Bus schon längst entschwunden ist, stehen ich mit großen Augen hinter dem Flieger und schaue dem Gepäck bei seinem Weg ins Wägelchen zu.

Ist der Reifen heiß?

Zum ersten mal fällt mir auch auf – das auch Pakete mit „Personenfliegern“ transportiert werden. Und dann werde ich noch ein wenig neugieriger, denn vor mir ist der riesige Reifen der Germanwingsmaschine. Ob die wohl heiß vom Bremsvorgang vor wenigen Minuten ist? Ich riskiere einen Versuch. Ich schau mich kurz um und schwups – kleiner Finger ist auf Reifen. Warm isser. Aber heiß… Nööö.

Immer dunkler wird der Himmel über dem Flughafen Stuttgart

Ich muss zugeben, das meine Fotos mir auch nicht sonderlich gut gelungen sind. Ich war doch ziemlich aufgeregt und fasziniert von dem erlebten. Neben mir hält ein Wagen mit neuem Gepäck. Hinter mir wird getankt und Strom geliefert. Wahnsinn wie routiniert das hier alles abläuft.

Es wird kurz unruhig neben uns. Eine irische Maschine fährt an uns vorbei und der Co-Pilot grüßt freundlich. Fast komme ich mir so ein bissl vor wie in einer Dorfstraße. Hier kennt man sich – so scheint es.

Gut 20 Minuten später ist „unser“ Flugzeug abflugbereit.

Ein Lotse gibt das Zeichen und der Flieger setzt sich in Bewegung. Spannend so etwas mitzuerleben – denn all diese Schritte haben mich bisher nicht interessiert, wenn ich in den Flieger ein oder wieder ausgestiegen bin. Mittlerweile jedoch achte ich häufiger darauf!

Wir winken der Maschine noch hinterher, bis sie wenige Minuten später abhebt und ihrem Ziel entgegen fliegt. Wohin? Das kann ich euch nicht mehr wirklich sagen…

Ein Unterschlupf im Fuhrpark des Flughafens

Die Regentropfen und der Wind werden immer heftiger und wir kurze Zeit später auf der Suche nach einem „Unterschlupf“. Den finden wir auch recht schnell in der „Garage“ mit dem Fuhrpark des Flughafens. Das was wir „mal kurz“ sehen können, bringt mich schon wieder zum staunen. Und dabei bin ich doch gar nicht so ein „Großmaschinen-Fan“.

Fast erwarte ich, das unsere Tour jetzt hier an dieser Stelle vorbei ist. Und doch hat das Team vom Stuttgarter Flughafen noch eine weitere Überraschung. Wir fahren hinaus auf einem Versorgungsweg, der parallel zur Start und Landebahn verläuft.

Nur wenige Meter neben uns landen gerade Flugzeuge!

Mir ist der Regen zu ungemütlich. Ich verkrieche mich lieber wieder in das trockene Auto und genieße all die „Gewalten“ die um mich herum geschehen. Meine Finger sind vom kalte Regen etwas erfroren. Es vergehen gefühlt „Stunden“, bis auch die anderen wieder zurück im Auto sind.

Einmal mit dem Auto über die Start und Landebahn!

Unser „Sicherheitsbeauftragter“ spricht gerade mit der Flugverkehrskontrolle. In der nächsten 20 Minuten ist kein Start und keine Landung geplant. Und so kommt es – das wir kurze Zeit später mit einem Auto über die Landebahn fahren. Im ersten Moment fühlt sich das ganze an wie auf einer überdimensionalen Autobahn. Viel Platz rechts und links!

Dann wird es holperig. „Das ist der Reifenabrieb, der mehrmals pro Jahr von der Landebahn entfernt werden muss!“ erfahren wir. Ich mach das Fenster auf. Egal ob die Kamera nass wird – das muss ich fotografieren! Und noch immer nicht sind wir am Ende angekommen. Erst jetzt wird mir klar, wie lang eine solche Landebahn ist – 3.345  Meter, knapp 3 1/2 Kilometer. Ganz ehrlich? Mir ist das im Flieger immer wesentlich weniger vorgekommen!

Ein Gepäck auf Reisen

Als wir endlich zurückkommen – erwartet uns noch ein besondere „Einblick“. Wollt ihr sehen was mit dem Gepäck passiert, was eingecheckt wird? Ich kann nur noch nicken – und eigentlich ist das auch gar nicht so spektakulär. Vieles läuft vollautomatisch – wir jedoch lernen die „Chief of Gepäckkontrolle“ kennen – die an mehreren Bildschirmen fast jedes Fitzelchen der riesen Maschine überblicken können.

Wir laufen den Weg der Fluggäste zurück.

Ich kann noch gar nicht in Worte fassen, was ich soeben erlebt habe. Mir – die früher der größte Flugangstschisser von Welt war. Und doch hat mir der Einblick hier am Flughafen geholfen – um befreiter zu fliegen. Denn hier sitzt jeder Handgriff. Und ich – ich fühl mich sicher!

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen
  • Ein solcher Einblick hinter die Kulissen ist für Interessierte zwar nicht möglich, es gibt jedoch recht spannende Flughafentouren – die in den Sommerferien an mehreren Wochenenden oder für Gruppen auch individuell stattfinden. Eine Info zu den Führungen findet ihr auf dieser Seite des Flughafen Stuttgarts
  • Wichtige Hintergrundinfos zum Flughafen Stuttgart.
  • Stuttgart hat Nachtflugverbot ab 23:30 Uhr.
  • Am Tag starten und landen in Stuttgart bis zu 400 Flieger.

Mit der S-Bahn seit ihr vom Bahnhof Stuttgart in 27 Minuten am Flughafen. Nutzen könnt ihr S- Bahn S2 (Richtung Filderstadt) oder auch S-Bahn S3 (Richtung Flughafen/Messe). Ihr könnt natürlich auch Parken oder einen Mietwagen mieten. Eine sehr gute Übersicht findet ihr hier.

Offenlegung: Ich wurde im Rahmen der #PlacetoBW Kampagne nach Stuttgart eingeladen. Vielen Dank für den tollen Einblick „Hinter die Kulissen“ vom Flughafen Stuttgart!

1 Kommentar

Hier kannst du einen Kommentar abgeben

Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"