Die Geheimnisse von Hall – Eine Kurzreise nach Tirol

Der Glockenschlag der Pfarrkirche in Hall geht mir durch Mark und Bein. Mein Gott ist das laut! Und irgendwie will das Geläute heute auch gar nicht aufhören. Ich sitze in einem Café am oberen Stadtplatz. Hier gibt es einige „Einkehrmöglichkeiten“ und samstags morgen einen Bauernmarkt mit Regionalen Spezialitäten. Den hab ich an diesem Morgen aufgrund meiner Fotosafari im Halltal verpasst, und doch hab ich am Nachmittag ebenso spannendes vor. Aber erst einmal genieße ich meinen Kaffee auf österreichische Art. Wo kommen wir denn hin, wenn ich nicht einmal einen Kaffee anständig genießen kann!

Die Geburtststadt des Dollars

Unsere Tour quer durch Hall haben wir schon vor einer guten Stunde begonnen. Einen kurzen Blick habe ich auf die Burg Hasegg geworfen, dort wurde 1486 der erste Silbertaler geprägt, der Urvater des Dollars . Die spannenden Geschichten rund um die Burg können wir an diesem Nachmittag jedoch nur kurz streifen, denn Hall hat weitaus mehr zu bieten. Noch heute kann man sich hier eigene Münzen nach klassischer Art prägen lassen – oder sich im Museum auf die Suche nach dem Taler machen. Ich jedoch habe keine Zeit, denn heute habe ich noch einiges vor.

Durch die schmalen Gassen der Stadt laufen wir hinauf zum Rathaus. Es ist Samstag und ich habe Glück mit einer Stadtführerin unterwegs zu sein. Sie hat den magischen Schlüssel und gewährt mir einen Einblick in das Rathaus – oder besser gesagt in den Rathaussaal. Und dann verrät sie mir noch ein Geheimnis – denn dieses Standesamt ist das älteste in ganz Tirol! Heiraten kann man hier auch, wenn man nicht aus Hall und den umliegenden Regionen stammt. Ich jedenfalls bin ganz verliebt in dieses urige Zimmer – jetzt fehlt nur noch der Bräutigam.

Nach so viel Romantik haben wir uns ein Kaffee verdient. Und prompt fängt die Glocke der Kirche an zu schlagen. „Hast du Lust mal hinein zu schauen“ fragt mich meine Stadtführerin. Das lass ich mir nicht zwei mal sagen und bin alsbald den nächsten Geheimnissen der Stadt auf den Fersen.

Bewegte Geschichte – die Pfarrkirche St. Niklaus

Die Kirche selbst hat eine bewegte Geschichte. Schon vor 1281 wurde an der Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Nikolaus ein Gotteshaus erreichtet – welches immer mal wieder erweitert wurde, ein Erdbeben überstand (bis auf den Turm der danach ein Zwiebelturm wurde). Neben zahlreichen wirklich besonderen Gemälden aus Barock und Fresken aus dem 14ten Jahrhundert gibt es aber auch noch eine besonders schräge Sammlung, die ihr im Hauptschiff der Pfarrkirche in der Waldaufkapelle zu einem kleinen Teil bestaunen könnt.

Ritter Florian Waldauf zu Waldenstein (gelebt im 15ten Jahrhundert) war ein leidenschaftlicher Reliquien-Sammler. Nach seinem Tod wurden diese der Kirche gestiftet. Über 100 Reliquien (meist edel verzierte Totenköpfe sogenannter Heiliger) hat er vererbt, ein Teil sieht man noch heute. Wenn ihr mich fragt, so ist das ein wenig gruselig, aber irgendwie auch total spannend, wie gut sich die Sachen seit so vielen Jahrhunderten halten.

Hall und seine Geheimnisse (11)

Achso – und falls ihr mit einer Führung hier seid – fragt unbedingt nach dem „Haller Kübel“.

Hall – Die Stadt der schönen Türen

Habt ihr schon einmal eine Stadtführung gemacht, bei der ihr euch Türen angeschaut habt? Für mich ist eine solche Tour Premiere in Hall. Und doch lohnt sich der spannende Ausflug in die Handwerkskunst der vergangenen 7 Jahrhunderte.

Ich erfahre unterwegs viel über die Stadtgeschichte und darüber, wer sich solche Türen leisten konnte. Damals – als Glas noch sehr teuer war, hat jedermann an den Türen entdeckt, wie reich jemand war. Mit Malereien und viel Schnitzkunst gibt es so viele Türen in der Altstadt von Hall zu entdecken – das ich diese Tour nur jedem Schatzsucher empfehlen kann. Wo wir gerade beim Thema Schatz sind – nicht nur die Türen sind in Hall spannend.

An vielen Orten hab ich unglaublich schöne Schlösser gesehen. Habt ihr auf so etwas schon einmal geachtet?

Mut zur Entdeckungsreise

Auf meiner Tour durch die Stadt entdecke ich noch so viel mehr. Ein kleiner Hinterhof, übervoll mit Blüten, ein Ort der Ruhe und der Sinne, denn es riecht hier herrlich. Ein Geschäft, in dem eine Dame Kalligraphie beibringt, ein aktives Kloster, Verfall neben Moderne und kleine Geschäfte. H&M und Co. sucht man in der Hallenser Altstadt vergebens. Überall gibt es kleine privat geführte Geschäfte und Restaurants – und auf dem Kopfsteinpflaster hat man an einigen Ecken tatsächlich das Gefühl – eine Zeitreise zu unternehmen.

Hall Tirol (2)
In der Altstadt gibt es viel zu entdecken – und ein kühles Eck im heißen Sommer

Jeden Samstag übrigens findet sich auf dem Oberen Stadtplatz (zwischen Rathaus und Kirche) ein Bauernmarkt statt, eine gute Möglichkeit zentral regionale Spezialitäten zu erwerben!

Wer dann noch regional Kochen lernen will, der sollte sich meinen nächsten Bericht aus Hall ganz genau anschauen – ich verrate euch ein Rezept aus der Region und stell euch Petras Küche vor!

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
Die schnellste Anreise bietet sich via Flieger (Flughafen Insbruck). Ich bin ja eher ein Fan von Zugreisen. Es gibt eine sehr gute Bahnverbindung via DB/ÖBB nach Hall, von München aus seit ihr in gut 3 1/2 Stunden hier. Mehr Infos zum öffentlichen Nahverkehrsnetz in Hall Wattens findest du hier. 
Ich habe im Hotel Goldener Engl geschlafen. Das Hotel ist zentral gelegen, bietet ein gutes Restaurant und große Zimmer sowie ein individuelles Frühstück.

Im Hotel Goldener Engl
Im Hotel Goldener Engl

Offenlegung: Ich wurde von der Region Hall Wattens für ein Wochenende in die Region eingeladen. Die Bahnreise wurde übernommen von DB/ÖBB.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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