Niedersachsen

Flitterwochen im Harz: Der Liebesbankweg und ganz viel Romantik in Hahnenklee

Zwei Nächte im Harz

– damit sollte die kleine Rundreise in unsere Flitterwochen beginnen.

Eine Auszeit im Harz? Für uns der perfekte Start in eine zweisame Woche. Natürlich haben wir uns im Vorfeld erkundigt, was wir uns in der näheren Umgebung unserer Ferienwohnung in Hahnenklee denn so besonderes anschauen können. Zwei Sachen sind uns sofort aufgefallen. Kennt ihr den Bocksberg? Und wart ihr schon mal auf dem Liebesbankweg wandern? Wir wurden neugierig. Da wollten wir hin. Passender für die Flitterwochen geht´s ja wohl auch kaum.

Hahnenklee am Bocksberg

Nein. Ich habe mich nicht verschrieben. Hier geht es wirklich um den Bocksberg und nicht um den sehr ähnlich heißenden und bekannteren Blocksberg (Brocken). Obwohl auch hier die Hexen in der Walpurgisnacht auf ihren Besen durch die Gegend fliegen (wie uns aus verlässlicher Quelle berichtet wurde). Aber ich glaube ja, Hexen findet man im gesamten Harz. Er ist nun mal ihr Zuhause.

Wer da wohl wohnt?

Vom ehem. Bergbau noch immer geprägt, lädt der kleine Ort unweit von Goslar zum Verweilen und Erholen ein. Seine Lage am Fuße des Bockberges ist für Wanderungen und Ausflüge in den Harz ideal. Denn durch seine Beschaulichkeit und Ruhe ist es wie „Heimkommen“ nach einem (vielleicht) anstrengenden und erlebnisreichen Urlaubstag in der Region. Weit weg mussten wir nicht.

Rund um Hahneklee gibt es so vieles zu erkunden!

Schnell wird uns klar: Zwei Nächte sind für den Oberharzt und die Region definitiv viel zu wenig Zeit. Wir hätten durchaus noch verlängern können.

Ferienwohnung oder Hotel? Was ist perfekt für Flitterwochen?

In Hahnenklee ist in Sachen Unterkunft für jeden Geschmack gesorgt. Egal, ob lieber eine Komplettversorgung im Hotel oder doch die individuelle Unterbringung in einer Ferienwohnung. Der Ort war viele Jahre Kurort und beherbergte bis in die 1980er Jahre entsprechend viele Gäste.

Doch es kam, wie in vielen anderen deutschen Gegenden auch: der Deutsche fährt lieber in die Ferne, statt die Schönheiten seines eigenen Landes zu erkunden. Wir versuchen in unseren Flitterwochen beides zu mischen: Erst eine Woche Italien und dann eine Woche Deutschland.

Und auch bei der Frage ob Ferienwohnung oder Hotel entscheiden wir unterschiedlich. Sehr nach Gefühl.  Gerade in Deutschland hat eine Ferienwohnung mit Selbstversorgung viel Charme. Wir sind dadurch zeitlich flexibel, kennen uns mit Sprache und in den entsprechenden Geschäften aus und kommen viel leichter mit unseren Gastgebern ins Gespräch.

Eine Elbhütte im Harz?

In Hahnenklee durften wir in einer der Ferienwohnungen der Alpenhütte übernachten. Unser Zuhause? Das „Milchkännchen“; eines von zwei Apartments in der Elbhütte. Und wenn wir gewusst hätten, was uns hier an Gemütlichkeit erwartet, dann hätten wir uns hier für viel länger als zwei Tage eingemietet! Ideal für jede Wetterlage.

Ferienwohnungen sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Gerade wenn man sich vorab Fotos anschaut und danach entscheidet, kann die Situation vor Ort ja eine andere sein. Nicht so im Milchkännchen. In diesem Fall war die Wohnung noch viel schöner als auf den Bildern! Einfach ankommen und wohlfühlen. Neugierig? Dann lohnt sich ein Blick in die Infobox am Ende des Artikels.

Hahnenklee, der Bergbau und das Wasser

Beinahe hätten wir ja alles abgesagt; um nur in der Wohnung zu kuscheln (also auf dem Sofa vor dem Kamin); aber uns interessierte schon, was es denn so über den Ort zu erfahren gab.

Herr Pfannkuche vom Harzklub Zweigverein Clausthal-Zellerfeld nahm sich die Zeit, um uns ein kleines bisschen Einblick in die Geschichte des Bergbaues zu geben. Er hat sich sogar mit Felsformationen abgeschleppt, um uns direkt zeigen zu können, was in über 500 Jahren Bergbau ans Tageslicht gefördert wurde. Schon ganz anderes, wenn man das vorher erzählte auch einmal selbst fühlen kann.

Hauptsächlich wurde im Oberharz Blei- Kupfer- und Zinkerze abgebaut. Damit vergesellschaftet ist das Silber. Ab und an fand sich jedoch auch eine Silberader. Diese beanspruchte dann aber – natürlich – die Obrigkeit für sich. Um zum Beispiel Geldstücke, Schmuck und Bestecke herzustellen.

Ohne Wasser keinen Bergbau.

Wir lernten aber auch, warum es in der Umgebung jede Menge Teiche gibt: „Ohne Wasser keinen Bergbau.“ Wasser und die damit gewonnene Wasserkraft wurde für so einiges in den Bergwerken benötigt: zum Einen natürlich, um das abgebaute Erz zu fördern, aber auch um Pumpen anzutreiben und das Ein- und Ausfahren des Bergmannes zu erleichtern. Natürlich hat die Kraft des Wassers auch Werkzeuge wie z.B. einen Schmiedehammer oder auch das Pochwerk zum Zerkleinern des Erzes angetrieben.

Dafür wurde ein über 500 km langes System von Wassergräben und über 160 künstlich geschaffene Teiche angelegt und mit einem ausgeklügelten System verbunden, damit die Wasserräder sich auch wirklich drehen. Diese Räder waren bis zu 11 Metern hoch und sind heute noch teilweise anzuschauen. Leider haben wir das zum Beispiel nicht geschafft. Und auch ein Rundgang durch eins der Bergwerke steht noch immer als unerledigt auf unserer Liste. Noch ein Grund – bald mal wieder in den Harz zu fahren!

Ach übrigens: Für diese ausgeklügelte und weltweit einmalige Wasserwirtschaft wurde Ende Juli 2010 das Oberharzer Wasserregal zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt!

Ein kleines Souvenir für daheim.

An diesem unseren ersten Nachmittag bekamen wir Wasser nur von oben – teilweise sogar als Hagel – präsentiert. Wir begaben uns aber natürlich trotzdem auf Rundgang durch den Ort. Und brachten uns eine dicke Erkältung mit. Aber das wußten wir an diesem Tag noch nicht.

Das Wetter hatte jedoch auch seinen Charme. In der Ferne zeigte sich in den Nebelschwaden ab und an der Bocksberg, den wir am nächsten Tag erobern wollten.

Wir entdeckten eine weitere Schlechtwetter-Alternative von Hahnenklee.

Spannend war es auch im Heimatmuseum. Zu einer kleinen Zeitreise lud uns eine Dame im Museum ein. Wir hörten von den Geschichten über die heimische Bergleute und deren Leben. Wir erfuhren von der Kriegszeit in Hahnenklee und dass viele Menschen aus ganz Deutschland in den 40er Jahren in Hahnenklee geboren wurden. Schließlich wurde die Gegend weitestgehend von Angriffen verschont und viele Schwangere wurden in den Oberharz zum Entbinden geschickt.

Ein klassisches Museum mit viel Geschichte

Und wir hörten von dem – wahrscheinlich – berühmtesten Bürger Hahnenklees: dem Kapellmeister und Komponist Paul Lincke (1866-1946), der seine letzten Lebensmonate in Hahnenklee verlebte und hier auch bestattet wurde.

In Erinnerung daran wird seit 1955 alle 2 Jahre der „Paul-Lincke-Ring“, als Musikpreis an Musiker verliehen, die sich besondere Verdienste um die deutschsprachige Unterhaltungsmusik erworben haben.

Der Bocksberg ruft

Nach einer entspannten Nacht stand an unserem zweiten Tag in Hahnenklee die Eroberung des Bocksberges auf dem Programm. Leider erhielten wir keine Besen, um auf den 726 m hohen Berg zu fliegen und so mussten wir mit der Seilbahn da hoch. Leider. Ist nämlich nicht so meins. Auch, wenn hier eine geschlossene 4-er-Kabine recht gemütlich hinauf tuckelt, war ich etwas nervös. Ich war froh, das ich nicht im offenen Lift nehmen musste, den es für die Radfahrer gibt. Damit hätte mich niemand auf den Berg gebracht!

Natürlich hat sich die Fahrt und das Adrenalin gelohnt. Der Ausblick vom Bocksberg ist toll! Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war auch die gerade erlebte Fahrt gar nicht mehr so schlimm. Für den Rückweg hatten wir uns eh etwas anderes überlegt. Den Rückweg wollten wir wandern.

Wir und wandern.

Aber ab und an geht das nun mal nicht anders. Das nicht ganz so optimale Wetter begleitete uns leider auch an diesem Vormittag. Und so kam es, dass wir am Vormittag so ziemlich die einzigen Besucher oben auf dem Berg waren. Aber nur fast:

Reineke Fuchs bei der Arbeit!

Dabei wird auf dem Bocksberg echt eine Menge geboten und bei sonnigem Wochenendwetter ist hier bestimmt auch eine Menge los. Kinderspielplätze. Sommerrodelbahn. Gasthaus und jede Menge halsbrecherisch aussehende Parcours für Bikes. Im Winter kommen dann natürlich auch noch die entsprechenden Wintersportarten dazu: Skilanglauf, Rodeln etc.. Langweilig wird es hier sicherlich nicht!

Nur wir hatten an diesem Tag ein wenig Pech. Wegen des Wetters waren die Bocksbergcarts geschlossen. Dabei wollten wir doch damit wieder runter ins Tal fahren. Der Weg jedoch war unpassierbar. Sicherheit geht vor, auch wenn wir wegen dem entgangenen Abenteuer schon etwas traurig waren.

Der Liebesbankweg

Bedingt durch das feuchtkalte Wetter haben wir dann auch die Sommerrodelbahn nicht ausprobiert. Obwohl die 1250 m lange Strecke durchaus aus- und einladende Stellen hatte. Uns war es einfach so schon zu kalt und zu windig. Und ja: ein bisschen Schiss hatten wir auch.

Die Sonne blitze ab und zu durch die vielen Wolken und wir entschlossen uns zu einem kleinen Spaziergang zurück ins Tal. An einem Baum entdeckten wir ein Zeichen was uns aus unseren vorherigen Recherchen bekannt vorkam. Wie der Zufall es wollte, entdeckten wir den Liebesbankweg.

Geplant war unsere Wanderung eigentlich für den Nachmittag. Auch der Startpunkt war ein anderer. Doch wenn er unseren Weg schon kreuzte, konnten wir auch gleich darauf abbiegen. Und die Entscheidung war auf jeden Fall die Richtige.

In diesem Fall ging es für uns nämlich bergab. Uns machte es nichts aus, das die Bänke dadurch in der „falschen“ Reihenfolge standen. Wir sind keine geübten Wanderer und der Weg hätte uns bergauf sicher nur halb so viel Spaß gemacht.

Der Weg der Liebenden!

Die Liebesbänke auf dem Wanderweg zeigen in ihrer Reihenfolge den Weg eines Liebespaares: vom ersten Sehen, dem ersten Date, über die Hochzeit bis zur „Diamantenen Hochzeit“ findet der Wanderer immer wieder verschiedene Bänke und teilweise wundervolle Ausblicke in die Natur.

Ein Foto von uns auf einer der Bänke gibt es leider nicht. Alle waren viel zu nass und irgendwie hat sich auch an diesem Vormittag kein anderer Wanderer raus getraut, den wir hätten fragen können. Aber auch so wird dieser ca. 7 km lange Weg uns immer in Erinnerung bleiben. Und vielleicht machen wir ja irgendwann doch nochmal ein Foto auf der dann passenden Bank. Wer nicht die gesamte Strecke ablaufen will, kann an verschiedenen Stellen auch mit dem Bus wieder zurückfahren. Sehr gut angelegt, wie wir finden!

Der Abend

Am frühen Nachmittag waren wir dann doch „etwas“ ausgepowert und hatten keine rechte Lust mehr auf selbst kochen. Für unseren Abschiedsabend haben wir uns ein besonderes Restaurant ausgesucht. Auch weil es am nächsten Morgen schon weiter Richtung Nordsee geht. Das ist jedoch eine anderen Geschichte.

Und wir haben das passende Restaurant schnell gefunden. Der Maltermeister Turm hoch über den Dächern von Goslar (ca. 18 km von Hahnenklee entfernt) und durchaus mit „dem schönsten Panoramablick Goslars“. Aber auch das Essen war sehr gut! Sonst würde ich das Restaurant hier auch nicht erwähnen ;)

Unser Tipp: Auf jeden Fall die „Maltermeister Pfanne“ – die war der Hammer!

Wir haben an diesem Abend gut gegessen, den schönen Ausblick genossen und sind danach wieder in unsere schnuckelige Wohnung gefahren, um den Abend bei einem Glas Wein ganz in Ruhe ausklingen zu lassen. Und unseren müden Knochen etwas auszuruhen. Denn ich gestehe. Wir sind das viele Laufen echt nicht gewöhnt.

Fazit

Auch bei nicht so schönem Wetter ist Hahnenklee auf jeden Fall eine Reise wert! Wir haben bei unserer gewählten Kleidung anscheinend doch noch etwas falsch gemacht. Aber die Tage vor Ort waren einfach nur wunderschön!

Auch die Kirche ist sehenswert!

Und da wir uns auf jeden Fall mal ein Bergwerk anschauen möchten, verschlägt es uns ja vielleicht bald noch einmal an den Bocksberg. Wer weiß?!

AusflugstippsAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen

Bocksberg

* Auffahrt per Seilbahn möglich
* Abfahrt Sommerrodelbahn
* Abfahrt Bockbergcarts
* Alle Informationen auf der Webseite: ErlebnisBocksBerg Hahnenklee

Liebesbankweg

* 7 km Wanderweg
* 25 einzigartige Bänke mit teilweise tollem Ausblick
* Quelle der Liebe
* Trauung vor Ort möglich
* Weitere Informationen und Flyer unter: Liebesbankweg im Harz

Heimatmuseum Hahnenklee

* Öffnungszeiten: Fr – Mi 15:30 – 18:00 Uhr
* Im November und im März hat das Heimatmuseum geschlossen.
* Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre kostenfrei
* Rathausstr. 12, 38644 Goslar-Hahnenklee

Restaurantempfehlung:

  • Maltermeister Turm – Restaurant mit Panoramablick über Goslar
  • Hotel, Cafe, Restaurant Steffens (Empfehlung von Herrn Pfannkuche)

Aus Richtung Norden:

  • über die Autobahn A7 Hannover-Kassel, Abfahrt Rhüden
  • von dort auf der B82 über Langelsheim nach Goslar
  • weiter auf der B241 Richtung Clausthal-Zellerfeld bis Abzweig Hahnenklee-Bockswiese

Aus Richtung Süden:

  • über die Autobahn A7 Hannover-Kassel, Abfahrt Seesen
  • von dort auf die Kreisstraße weiter nach Lautenthal

Bei winterlichen Straßenverhältnissen empfiehlt sich von Seesen aus die Route über die B242 nach Clausthal-Zellerfeld und von dort weiter auf die B241 Richtung Goslar bis zur Abzweigung nach Hahnenklee-Bockswiese.

Aus Richtung Westen:

  • über die Autobahn A44 Dortmund-Kassel bis Kasseler Kreuz
  • dort auf die Autobahn A7 Kassel-Hannover, Abfahrt Seesen
  • von dort auf die Kreisstraße weiter nach Lautenthal
  • Abzweigung im Ort nach Hahnenklee-Bockswiese

Aus Richtung Berlin und Magdeburg:

  • über die Autobahn A2 Berlin-Braunschweig
  • dort auf die A391 Richtung Braunschweig Südwest
  • beim Kreuz Braunschweig Süd-Melverode auf die A395 Richtung Bad Harzburg
  • Abfahrt Goslar auf die B6 bis Ausfahrt Clausthal-Zellerfeld
  • weiter auf die B241 bis Abzweig nach Hahnenklee-Bockswiese

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Die Deutsche Bahn bringt Sie bis zum Hauptbahnhof nach Goslar. Für die Anreise mit der Bahn finden Sie die aktuellen Abfahrtszeiten auf www.bahn.de. Vom ZOB Goslar geht es mit der Buslinie 830, über das Kreuzeck bis nach Hahnenklee-Bockswiese (ca. 25 Minuten). Auskünfte über An- und Abfahrtszeiten erteilt der Regionalbus Braunschweig, Zweigstelle Goslar, Telefon 05321-34310 oder unter www.rbb-bus.de.

Informationen von der ortseigenen Homepage: Hahnenklee

Wir übernachteten im Appartement Milchkännchen, dass wir über die Seiten von Lieblingsbleiben gefunden haben und waren total begeistert.

Auf 58 qm finden sich eine moderne Küche, ein urgemütliches Wohnzimmer, ein sehr einladendes Schlafzimmer und ein ebenfalls modernes Badezimmer mit Dusche. Wenn auch von uns nicht genutzt, steht auch noch eine Terrasse zur Verfügung. Die Preise sind je nach Saison auf der Internetseite der Elbhütten einsehbar. Früh Buchen lohnt sich – und die Unterkünfte sind auch gut für Familien geeignet!

Offenlegung: Wir danken der elbhütte Hahnenklee für die zur Verfügung gestellte Ferienwohnung, Herrn Pfannkuche für die erzählerische Wanderung durch Hahnenklee, dem Heimatmuseum Hahnenklee und ganz besonders Lieblingsbleiben.de für die Organisation und Vermittlung.

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Über den Blogger

Kerstin

Unsere Berlinkorrespondentin ist häufig in der Hauptstadt und deren Umgebung unterwegs und findet zusammen mit ihrer Familie so manchen tollen Geheimtipp. Ob Kulinarik, Kreativität, Museen oder Bücher, lernt durch ihre Berichte das "Zentrum der Macht" neu kennen....