Chicago The Bean

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen

Land of Lincoln – diesen Beinamen trägt der amerikanische Bundesstaat Illinois im mittleren Westen. Die Heimat Abrahm Lincolns, der im Jahr 1830 als 21-jähriger hier landete, bietet sowohl für den Reisenden, als auch für den Automobil-und Motorsportfan zahlreiche mehr als interessante Ziele – die wir euch hier kurz vorstellen möchten!

Chicago – The Windy City

Keine Frage, Chicago ist außergewöhnlich. Die drittgrößte Stadt der USA ist die einzige Millionenstadt in Illinois. Schauplatz unzähliger Filmaufnahmen und traumhaft am Lake Michigan gelegen (daher ist es hier auch wirklich „windy“) bietet die Stadt alles, was das Herz begehrt. Kultur gibt es hier zu hauf und auch mehr als genug für umsonst.

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen

Den Millenium Park muss man einmal gesehen haben. Hauptattraktion ist hier sicherlich die berühmte „Chicago Bean“, deren ursprünglicher Name „Cloud Gate“ schon fast in Vergessenheit geraten ist. Oft finden hier im Park kostenlose Konzerte statt. Überhaupt ist aber das Flair solch einer multikulturellen Stadt einzigartig und man sollte es ein paar Tage lang in sich aufsaugen.

Chicago The Bean

Ein guter Tipp ist übrigens die Stadt mittels einer sogenannten Greeters-Tour zu erkunden, die kostenlosen Stadtführungen werden von Freiwiligen angeboten. Aber Chicago ist ebenfalls ein historischer Ausgangs- und/oder Endpunkt für den Automobilinteressierten…

Route 66 in Chicago

Der Startpunkt (und je nach Fahrtrichtung dann auch der Endpunkt) der legendären Route 66 liegt in Chicago. Die Route war einer der ersten durchgehend befestigten Straßen bis hin zur Westküste der USA mit einer Länge von fast 4.000 Kilometern. Heute sind nur noch Teilstrecken übrig geblieben, um schnell von A nach B zu kommen, fährt man längst auf den Interstates.

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen
Route 66 in Chicago – End

In Illinois selber kann man aber einiges von der historischen Route66 im wahrsten Sinne des Wortes erfahren.

Über den Chicagoland Speedway

Die Strecke des Chicagoland Speedway liegt ein wenig südlich von der Metropole Chicago. Genauer gesagt gehört der Speedway zur Stadt Joliet. Hier gibts auch einige interessante Infos rund um die Route66, die man von hier aus nehmen kann – auf das Thema werde ich nochmal separat eingehen. Nur noch ein kleiner Hinweis.

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen

Fährt man die Route von Joliet aus kommend, landend man auch auf dem Route66 Raceway ganz in der Nähe des Tri-Ovals, wo die NASCAR unterwegs ist. Beim Route66 Raceway handelt es sich um eine moderne Anlage, allerdings um eine Strecke für Dragster-Rennen.

Nascar auf dem Chicagoland Speedway

Das hier ist anders, als das, was wir in Europa kennen, das ist NASCAR!

Für den Motorsportfan kann ich nur einen Ausflug zum NASCAR-Rennen zum Chicagoland Speedway im September empfehlen. 75.000 Zuschauer passen auf die Tribünen des 1,5 Meilen Tri-Ovals, das im September den Auftakt zu den Playoffs der NASCAR bot, dem „Chase for the Sprint Cup“. Es ist an diesem sonnigen Renntag nicht ganz voll auf den Tribünen – selbst im NASCAR-Land sind viele Rennen derzeit nicht mehr ganz ausverkauft.

Die Stille herrscht kurz vor dem Gebet. Gebet? Richtig, gehört alles mit zur Pre-Race-Zeremonie dazu. Und auf einmal stehst du inmitten dieser zigtausend Zuschauer und kannst einen Moment lang die berühmte Stecknadel fallen hören. Gänsehaut für den weitgereisten Motorsportfan – wer hier steht und wem das nicht nahe geht, dem ist nicht mehr zu helfen. Dieser eine kurze Moment der absoluten Ruhe ist besonders, keine Frage.

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Kurze Zeit später legt er los. Er ist in diesem Fall ein Opernsänger, der stimmgewaltig die amerikanische Nationalhymne anstimmt. Die Menge jubelt zum Ende hin, mit den letzten Tönen tauchen einige historische Flugzeuge am Himmel auf. Und du weißt, ja ich bin dabei, mittendrin in einem dieser V8-Tempel, in denen es im wahrsten Sinne des Wortes rund geht, von Februar bis November fast jedes Wochenende.

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Ein Motorsportwochenende in Illinois

Der erste Tag des Rennwochenendes hatte leider Regen im Gepäck, will heißen, nach ein paar Runden Training war es das schon an Action auf der Strecke. Der Freitag eines NASCAR-Wochenendes wirkt gerade vormittags noch wie ausgestorben, diesmal wurde es leider auch nicht durch die V8-Motoren laut. Jet-Dryer und AirTitans, diese Vehikel befanden sich sehr lange auf dem Asphalt, Geräuschkulisse wie am Flughafen. Was es gebracht hat? Nichts, der Regen kam gegen Abend stärker wieder zurück. So blieb die größte motorsportliche Erfahrung des Tages die Fahrt im Golfcart im strömenden Regen – nicht grad prickelnd, aber ich will nicht meckern, besser als Laufen.

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Dafür gab es am Samstag natürlich umso mehr Rennaction zu bewundern. Die NASCAR Nationwide Series fuhr wie geplant ihr Rennen, Kevin Harvick gewann ganz im Sinne seines Sponsors, der auch das „Freaky Fast 300“ getaufte Rennen sponsorte. Jimmy John´s Gourmet Sandwiches, die gab es auch für alle Medienvertreter und ich muss sagen, keine Ahnung, wo das Gourmet herkommt, es blieb das einzige an diesem Tage, was mich nicht überzeugen konnte.

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Abends ging es dann für die PickUp-Trucks ins Oval. Unter Flutlicht ging das Rennen der NASCAR Camping Word Truck Series zu Ende, im Hellen gestartet, rein in die Dunkelheit, Licht aus, Spots an, Kyle Busch gewann. Das war jetzt der Rennbericht in Kurzform. Im Ernst, solche Rennen gibt es bei uns nunmal nicht in dieser Form, muss man aber einmal gesehen haben.

Was bei der Nationwide und der Truck Series im Kleinen abläuft, das gibts am Sonntag im Rahmen des NASCAR Sprint Cup nochmal eine Nummer größer. Die Boliden werden in der Box aufgestellt, es gibt die Pre-Race Show, gefolgt von einer klassisch und bis ins kleinste Detail geplanten Pre-Race Zeremonie. Wenn dann das Kommando „Drivers, Start your engines“ ertönt, übernimmt das Heer der V8-Boliden das Zepter. Im Infield-Bereich des Ovals den Start der Meute zu erleben, ließ mir dann fast die Ohren wegfliegen. Trotzdem guter Aussichtspunkt und auch den Blogger in der Funktion als Fotograf hat es gefreut.

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Während ich nach dem Renntagam amerikanischen Buffet im Pressezentrum zuschlage, hat unser Rennsieger, Brad Keselowski, die gleiche Idee. Es gibt Menschen, die meinen, das müsse man auch bildlich festhalten, ich bin der Meinung, dass gehört sich dann doch nicht.

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Ihr könnt aber sicher sein, Hr. Keselowski isst auch nur ganz normal.

Der Nascar Tross zieht weiter

Die Victory Lane fand man mittlerweile vereinsamt vor, ein paar leere Miller Lite-Dosen und ähnliches war alles, was man noch vorfand. So schnell wie das NASCAR-V8-Imperium den Chicagoland Speedway an diesem Sonntag beherrschte, so schnell ist es nach der Siegerehrung auch wieder vorbei.

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Der NASCAR-Tross ist schon wieder unterwegs, nach dem Rennen ist vor dem Rennen, nur eine Woche später erklingt die Hymne woanders, nach dem Gebet, vor dem es dann auch wieder diesen einen besonderen Moment der Stille gibt.

Übernachtungsempfehlung rund um Joliet

Übernachten? Klar, Chicago bietet genug Möglichkeiten, sicher nicht alle ganz billig. Für das Rennwochenende wählte ich aber die Stadt Shorewood aus. Die Lage kann ich euch nur ans Herz legen. Gute 20 Minuten und schon ist man am Chicagoland Speedway angekommen.

Und man muss auch nicht unbedingt über die (am Renntag vollere) Interstate, Landstraße geht auch und zu meinem Erstaunen bin ich hier problemlos ohne Stau voran gekommen. Lediglich vom Speedway weg am Renntag sollte man ein wenig mehr Zeit einplanen.

Shorewood selber ist eine Stadt, wo die Welt noch in Ordnung scheint. So wie man es sich aus amerikanischen Filmen vorstellt; hier kommt noch der Junge auf dem Rad vorbei und wirft die Zeitung in die Einfahrt. Erstaunlich sicher ist es so knapp außerhalb von Chicago – so ließ die Vermieterin der über airbnb gebuchten Unterkunft einfach die Haustür unabgeschlossen, das wäre „hier in Shorewood kein Problem“. Leider gibts die Unterkunft inzwischen nicht mehr, aber ich habe euch alle Angebote in Shorewood verlinkt!

Gut zu wissen
Stichwort Tickets. Auch für den kleineren Geldbeutel gibt es Tickets, meist recht weit unten und auf der Geraden. Aber mal ehrlich, wer einen NASCAR-Ausflug plant, der sollte sich dann auch hier etwas mehr gönnen. Auch ein Infield-Ticket mit Zugang zum eigenen Fan-Bereich und der Pre-Race Show lohnt sich in Chicagoland. In den vergangenen Jahren bin ich hier meist der Ansicht gewesen, mehr Geld für vernünftige Tickets auszugeben getreu dem Motto „Das mache ich ja nur einmal“. Gut, aus einem Besuch wurden mittlerweile derer fünf. Auf der offizielle Website des Chicagoland Speedway könnt ihr Tickets bestellen

Muss man erleben – die Route 66

Die Strecke des Chicagoland Speedways liegt knapp außerhalb der Stadt Joliet, in der man dem hiesigen Route66-Museum (Joliet Area Historical Museum) einen Besuch abstatten sollte. Und auch auf dem Weg zum Speedway und zur NASCAR-Party der Moderne, könnt ihr schon ein Stück auf der Route66 fahren. Heute sind in Illinois die entsprechenden Strecken anders bezeichnet, so daß man sich vor Ort an die Hinweisschilder „Historic Route66“ halten sollte.

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen
Joliet Visitor Center

Fährt man vom Speedway aus südlich Richtung Springfield kommt man direkt am Route66-Raceway vorbei. Der Raceway kurz hinter dem Chicagoland Speedway ist eine moderne Dragster-Rennstrecke.

Den Weg nach Springfield weiter südlich kann man auf der Interstate I-55 aufnehmen, auf jeden Fall sollte man aber rechtzeitig eimal abfahren und der tatsächlichen alten „66“ folgen, ansonsten sieht man sie nur ab und an von der Interstate aus.

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen

In der kleinen Stadt Wilmington findet sich beispielsweise der „Gemini Giant“. Wer mehr über die Route 66 in Illinois erfahren will, sollte sich Janetts Artikel einmal durchlesen!  Allein auf den ersten ein bis zweihundert Kilometern in Illinois bietet die Route66 einige Ausflugsziele, die man mitnehmen sollte, besonders auch für den Automobil-Interessierten.

Illinois für Motorsportfans: Nascar, die Route66 und coole Automuseen

Ein Ausflug ins automobile Illinois

Natürlich haben wir uns nach dem Rennen auch noch weiter in Illinois umgeschaut und sind ein paar Kilometer nördlich von Chicago auch fündig geworden. Keine 100 Meilen westlich von Chicago liegt die Stadt Rockford. Hier gehts motorsportlich zurück zu den Wurzeln. Wenig Show, dafür durch und durch Passion für den Motorsport werdet ihr auf dem Rockford Speedway finden, eines meiner persönlichen Highlights des Blog-Jahres 2014.

Rockford Speedway
Rockford Speedway

Einen ausfürlichen Reisebericht habe ich hier verfasst, wenn ihr in Illinois unterwegs seid, macht unbedingt einmal Halt in Rockford.

Historic Auto Attractions Museum

Unweit von Rockford trifft man in Roscoe auf ein ungewöhnliches Museum, wo ihr aber unbedingt vorbeischauen solltet. Das Historic Auto Attractions Museum ist eine ungewöhnliche, aber auch sehr faszinierende Sammlung.

Historic Auto Attractions
Historic Auto Attractions

Der Inhaber ist dem Automobil sehr verbunden, so hat er gesammelt, was das Zeug hält. Eine kleine Auswahl gefällig? Vom Batmobil und Ghostbuster-Filmwagen über alte NASCAR-Boliden, Danica Patricks IndyCar aus dem Jahr 2005 bis hin zu Wagen von Elvis Presley ist nahezu alles vertreten.

Querbeet kann man auch einen automobilen Streifzug durch das 20. Jahrhundert machen. Eine Limousine aus dem Jahr 1937 von Stalin ist eine der Exoten, zahlreiche ähnliche Wagen finden sich in der Ausstellung „The Leaders of World War II“. Die Zusammenstellung im Museum ist so abenteuerlich, das es gleichweg fasziniert. Der Inhaber und Sammler ist ein großer Anhänger von John F. Kenney, somit sind auch rund um den bei einem Attentat ums Leben gekommenen amerikanischen Präsidenten zahlreiche Ausstellungsstücke vertreten.

IndyCar
IndyCar

Leider war die Zeit ein wenig zu kurz, für das Museum sollte man wirklich einige Stunden Zeit einplanen. Interessante Randnotiz: der Sammler ist auch gleichzeitig der Inhaber der Firma LeftHander Chassis, die sich um die Konstruktion von Rennboliden kümmert. Ein Kunde sitzt übrigens in den Niederlanden. Die Firma Hendriks Motorsport BV setzt die LeftHander Chassis beim Late Model V8-Supercup auf dem Raceway Venray ein. Das sieht man es mal wieder, klein ist auch die Motorsportwelt.

Vintage Wings & Wheels Museum

Wer noch Zeit und Lust hat, für den empfehle ich abschließend noch einen Abstecher nach Poplar Grove, was ebenfalls ganz in der Nähe liegt.

Vintage Museum Poplar Grove
Vintage Museum Poplar Grove

Im hiesigen Vintage Wings & Wheels Museum steht zwar die Fliegerei im Vordergrund, aber auch der ein oder andere automobile Klassiker verbirgt sich hier im wunderschön eingerichteten Flugzeughangar. Hier gibts nicht nur Geschichte, sondern auch viel regionales zu entdecken.

Offenlegung: Wir wurden auf unserer Reise von Visit Illionois untertützt.

Jens & Sonja

Von Neuss aus die Welt bereisen… Zwar sind Jens und Sonja mehrmals im Jahr in Sachen Motorsport unterwegs, doch es bleibt noch Zeit für einige Kurztrips. Die beiden werden euch hauptsächlich zu den Themen Wandern und Auszeit mit einigen Insidertipps versorgen.

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