USA

Roadtrip in Amerika – meine Lieblingsstrecken: Der US 98 Highway und die Forgotten Coast® in Florida

2008 war ich das erste Mal in Florida. Damals habe ich das „Standardprogramm“ durchgezogen. Ein Roadtrip via Disneyland, Key West, Miami, Fort Lauderdale, Everglades und Cape Canaveral stand damals auf dem Programm. Und viele Touristen begleiteten uns auf diesen Weg. Viel zu viele. Ich wollte gerne einmal das „einsame“ Florida erleben. Aber wo?

Wilde Strände und verträumte Städte

Als es an die Planung der gemeinsamen Reise mit Anja ging, welche uns von New Orleans nach Miami führen sollte, wollte ich den Norden von Florida erkunden. Dort soll es sie noch geben – die einsamen Strände, das wilde Florida und die Abenteuer, die ich mir von einem Roadtrip erhoffte.

Doch schon die Planung gestaltete sich schwierig. Denn während das Internet voller Informationen über den Süden von Florida ist, über die „Forgotten Coast“ find ich recht wenig. Einzig die bekannten Städte und Sehenswürdigkeiten werden kurz erwähnt – Pensacola und auch Wakulla Springs in der deutschen Presse beschrieben – aber all das dazwischen?

Niemandsland

Gerade das macht mich neugierig. Was macht die Forgotten Coast aus? Lohnt es sich dort hin zu fahren? Knapp 3 Tage brauchen wir von New Orleans bis nach St. Augustine. Nur ein kleiner Teil davon ist auch der Scenic Highway. Und doch – die gesamte Strecke ist wirklich sehenswert.

Wir starten am Samstagmorgen in New Orleans. Bis Pensacola fahren wir mit dem Greyhound Bus – in Pensacola mieten wir uns ein Auto. Pensacola ist die „westlichste Stadt Florida“ und die Mietwagen hier wesentlich billiger. Knapp 200 Euro sparen wir im Gegensatz zur Miete von New Orleans aus.

Mein erstes Ziel an diesem Tag liegt noch in Pensacola. Eine Straße und ein Strand:

Opal Beach und die „Route 399“

Ein paar Brücken müssen wir überqueren. An Hotelkomplexen und Resorts vorbei. Und Eintritt in den Nationalpark „Gulf Island National Seashore“ zahlen. 20 Dollar für den Blick auf schöne Strände? Das Geld wird in die Erhaltung und Pflege der Küstenabschnitte genutzt – und ist jeden Penny wert. Dafür gibt es an den Stränden gepflegte Parkplätze und saubere Toiletten.

Vor allem aber eines. Den schönsten Strand, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Weiß mit türkisfarbenen Wasser, kilometerlang und fast Menschenleer.

Anja und ich können unser Glück gar nicht fassen und verbringen viel Zeit an diesem besonderen Flecken Erde. Allein die 20 Meilen die Inselstraße entlang ist unglaublich. Immer wieder lugt auf der einen Seite das Meer hervor, während man bei einem Blick nach links den Blick auf die Bucht von Pensacola Beach hat.

Massen von Sand liegt auf der Straße und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Meilen cruisen wir durch den Nationalpark. Die Forgotten Coast? Die ist noch ein paar Kilometer entfernt.

Eine Nacht im Beachresort

So langsam macht sich das frühe Aufstehen und der lange Tag bemerkbar. Auf der Suche nach einer passenden Unterkunft habe ich einen Favoriten schon Tage vor unserem Urlaub ins Auge gefasst. Mein Ziel? Eine Nacht im „Sandestin Beach and Gold Resort“. Nette und moderne kleine oder bezahlbare Hotels mit Strandzugang hier in diesem Küstenabschnitt zu finden ist nahezu unmöglich.

Und so kommt es, dass ich in Sandestin für eine Nacht ohne Frühstück etwas über 200 Dollar hinblättere. Dafür jedoch bekommen wir ein wirklich cooles Zimmer und freien Strandzugang. Für den ist es an diesem Abend jedoch zu spät. Ich sehe nur noch wie die Sonne untergeht (von unserem Zimmer aus war der Blick auf die Bucht von Destin einfach unglaublich) und wir beschließen, das Nachtleben im Resort etwas zu genießen.

Sandestin Sonnenuntergang

Zuerst verfahren wir uns. Das Resort ist wirklich riesig! Dann kommen wir in eine Art „Erlebnispark“ mit Fast Food und Souvenirständen aller Art. Um uns herum haben viele Amerikaner einen Heiden Spaß – für uns ist diese Welt jedoch eher unwirklich – wir fremdeln damit und stellen fest: Eine Nacht hier reicht vollkommen. Auch das Frühstück am nächsten Morgen, welches noch nicht mal im Preis inkludiert ist – schmeckt eher fad. Dafür ist der Blick auf die Bucht einfach der Hammer und entschädigt dafür, dass wir gut 40 Minuten auf unser Rührei warten müssen.

Ein Bad im Golf von Mexiko

Eigentlich ist unser Tag terminlich fest verplant. Spätestens um 17 Uhr müssen wir in Wakulla Springs sein. Das ist bei direkter Fahrt über die US 98 knapp 3 1/2 Stunden entfernt. Aber eigentlich würde ich doch so gerne noch schwimmen gehen. „Meinst du ein Sprung ins Meer ist noch drin?“ frage ich Anja, die heute einen Teil der Strecke fährt.

Sie nickt – ich schmeiß mich in meinen Badeanzug und stürz mich in die Fluten. Angenehme 22 Grad hat das Wasser und ich freu mich wie eine 10-Jährige. Endlich einmal habe ich es geschafft im Golf von Mexiko zu baden! Knapp 15 Minuten später schnapp ich mir schnell meine Sachen – wir müssen los. Nur kurze Zeit später sind wir auf der US Highway Richtung Osten.

Camp Helen-State-Park

Wir kommen nicht sehr weit – denn nur knapp 30 Kilometer von Sandestin entfernt entdecken wir ein Schild am Straßenrand. „Visit us at Camp Helen State Park“. Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen und finden uns wenig später in einer völlig anderen Welt wieder.

Fast mutet es wie ein Dschungel an, was uns hier erwartet. Eine unglaubliche Vielfalt an Bäumen, ein Ort – weit weg vom Trubel der touristischen Orte Pensacola und Sandestin. Im Internet entdecke ich später – was wir hier alles hätten erleben können. Kajak fahren, tolle Fotomotive bei Sonnenuntergang und vor allem einen wirklich ruhigen Strandabschnitt. Es gibt auch kleine Ferienhäuser zum Übernachten und geführte Touren zur Geschichte. Die ist recht interessant – denn früher einmal war auf dem Grundstück eine Fabrik zu finden. In der Nebensaison finden die an Samstagen statt. Wir haben nicht viel Zeit – denn die Uhr zeigt schon 12 Uhr an.

Der Versuch auf einem Besen meine Hexenfähigkeiten zu probieren misslingt – und so fahren wir weiter – immer dem Highway US98 entlang.

Mexico Beach – Villen direkt am Meer

Wusstet ihr, dass Mexico in Florida liegt? Und könnt ihr euch vorstellen, wie überrascht ich war, als sich rausstellte, dass der kleine Ort im Norden von Florida mal so gar nichts mit dem Land Mexiko zu tun hat? Es gibt hier viele und wunderschöne Villen und auch wenn unsere Zeit an diesem Tag nur begrenzt ist, machen wir natürlich einen Abstecher zum Strand. Wieder werden wir überrascht.

Von wunderschönen und bunten Villen, die wohl ihren Eigentümern den tollsten Ausblick auf das Meer bieten, aber auch von unglaublich weichen und schönem Strand. Ein leichter Wind weht uns um die Nase und eigentlich würde ich gerne bleiben. Doch hier sind war gar erst am Beginn der eigentlichen „Forgotten Coast®“

Port St. Joe und der Leuchtturm

Immer leerer werden die Straßen, immer wilder wird die Landschaft um uns herum.

Von Tourismus ist hier nicht mehr viel zu spüren und doch liebe ich gerade diese so natürlichen Abschnitte der USA. Nur wenige Autos kommen uns entgegen und so cruisen wir entspannt mit meiner Roadtrip-Spotify-Playlist zu unserem nächsten Ziel: Port St. Joe. Die Straße wird gesäumt von vielen großen und wohl schon ewig alten Bäumen, die wohl schon den einen oder anderen Wirbelsturm überstanden haben. Wir haben jedoch nur ein Ziel. Den „Cape San Blas Leuchtturm“.

Zugegeben – wie ein klassischer hübscher Steinleuchturm sieht das Gebilde nicht aus, was mich hier erwartet. Und doch ist es irgendwie besonders. Anders und auf jeden Fall interessant. Leider sind wir wohl die einzigen, die sich das hier anschauen wollen – und gegen 14:30 befindet sich gefühlt ganz Port St. Joe im Mittagsschlaf.

Ein wilder Strand und falsche Wege

Doch traurig sind wir über das „Nichterklimmen“ nicht, denn wir entdecken den wilden Strand von Port St. Joe. Waren die anderen bisherigen Strände sehr von Menschenhand beeinflusst, sauber und ohne Pflanzen in Wassernähe – so entdecke ich hier den ersten recht wilden Strandabschnitt. Bis kurz vor die Wasserkante stehen Palmen und Strandkiefern, am Boden einige alte Kiefernadeln, die zu ein paar Grashalmen einen spannenden Kontrast bilden.

Am Wasser entdecken wir ein paar Spaziergänger mit Hund. Und in einem schattigen kleinen Wäldchen eine Bank. Ein paar Kekse und mein Wasser habe ich mitgebracht und so sitzen wir hier und erleben ein etwas anderes Strand-Picknick. Eigentlich hatten wir für den heutigen Tag in Wakulla Springs eine Bootstour geplant. „Ist das okay – wenn wir die morgen früh machen?“ frage ich Anja. Sie nickt und wir haben etwas mehr Zeit um die Schönheit der Forgotten Coast® zu genießen. Uns zieht es zurück ins Auto. Nur Kekse sind auf Dauer irgendwie langweilig – ein wenig mehr Hunger habe ich schon.

Deshalb mache ich wohl hinter Port St. Joe auch einen kleinen Fehler. An einer Abbiegung gibt es die Möglichkeit, weiter auf der US 98 zu fahren, oder einen Abstecher auf die Country Road 30 A zu machen. Auf dieser jener welcher gibt es unglaublich schöne Strandabschnitte – und doch verpasse ich die Ausfahrt. Falls ihr den Abstecher einplant – schickt mir gerne ein Foto.

Apalachicola

In meiner ursprünglichen Planung wollte ich eigentlich in Apalachicola übernachten. Der kleine Ort ist der Ausgangspunkt für mehrere Naturschutzgebiete und Nationalparks und damit auch ideal für Naturbeobachtungen. Hätten wir nur einen Tag mehr Zeit – hier hätte ich ihn verbracht.

Und doch – in Apalachicola habe ich den wohl leckersten Nudelsalat meines Lebens gegessen. Und in einem Schaukelstuhl vor einer Villa gesessen. Das Gibson Inn wäre perfekt für eine Nacht gewesen. Auf einer kleinen Entdeckungsreise durch den Ort finden wir noch viel mehr spannende Dinge, den Hafen, das alte Gefängnis, die beeindruckende Brücke.

Doch die Sonne sinkt immer tiefer – und uns bleibt nicht mehr allzu viel Zeit für eine Weiterfahrt am Tag. Bis Wakulla Springs sind es noch knapp 70 Meilen. Die würden wir doch in einem Durchgang schaffen, oder?

Entlang des Scenic Highways

Was uns erwartete? Eine der schönsten Abschnitte der „Forgotten Coast®“. Die Bundestraße führt direkt an der wilden Küste in Floridas Norden entlang, wo das Meer recht wild ist und der eine oder andere Wirbelsturm häufig über das Land zieht. Den Wind spüren wir selbst in unserem gemütlichen Cruiser Wagen – und auch einem letzten besuchten Strandabschnitt herrscht Warnstufe Rot für Schwimmer.

Ein paar Bilder, ein tiefer Atemzug und ein leiser Abschied vom Golf von Mexiko. Mann ist das hier schön. Wild und so gar nicht touristisch. Noch gut 40 Meilen fahren wir entlang der Küste bis uns der Wald verschluckt. Ich bin verliebt. In Nordflorida, in die Forgotten Coast® und in ganz viel natürlichen Strand.

Wakulla Springs

Es dämmert, als wir kurz vor halb sieben in Wakulla Springs ankommen. Ein Herrenhaus mitten im Nirgendwo. Umgeben von „Dschungel“ und seltsamen Geräuschen. Was wir dort erlebt haben – davon handelt eine weitere Geschichte, die ich euch schon bald erzählen werde.

Infobox

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Die Region ab Pensacola wird auch häufig „Panhandle“ genannt. Bis kurz vor Mexico Beach gibt es sehr viele „Bettenburgen“ – die Region ist sehr beliebt vor allem bei Amerikanern. In den letzten Jahren ist hier Spring Break immer beliebter geworden, weshalb ich April als Reisemonat in dieser Region nur bedingt empfehlen kann.
  • Die Übernachtungspreise an der Nordküste sind Standard für Florida. Wenn ihr ein wenig Komfort haben wollt und nicht allzu weit vom Strand entfernt übernachtet, zahlt ihr oft 100 Euro und mehr.
  • Die besten und schönsten Strandabschnitte gehören meist zu Hotels und sind von außen gar nicht so einfach zugänglich. Eine Strandliege und einen Schirm muss man oft noch zusätzlich zahlen. Ich war in Sandestin schwimmen – das Meer ist dort recht flach und im Mai das Wasser angenehm. Da wir nur eine halbe Stunde dort waren, haben wir auf Strandliege und Co. verzichtet.
  • Es gibt zahlreiche Nationalparks und State Parks. Opal Beach befindet sich in einem Nationalpark, für den ihr auch Eintritt zahlen müsst. Dieses Ticket ist jedoch mehrere Tage gültig und gilt für alle Nationalparks entlang der Panhandle. Mehr Infos über die Parks – Rangertouren (empfehlenswert) und Eintritt findet ihr auf der Homepage der Gulf Islands Nationalparks
  • Ein Abstecher zum Camp Helen ist ganz spannend – wenn ihr könnt, solltet ihr an einer Führung zur Geschichte teilnehmen.
  • Entlang der Forgotten Coast haben wir Mexico Beach, Port St. Joe und Apalachicola besucht. Die Orte sind recht klein und übersichtlich und somit auch ideal für kurze Ausflüge.
  • In Port St. Joe gibt es einen Leuchtturm, den ihr auch besuchen könnt. Da es sich jedoch eher um eine Art Gerüst handelt, solltet ihr Höhentauglich sein.
  • Alle Strände bieten gute Voraussetzungen für Strandspaziergänge. Durchaus auch Barfuß, denn der Sand ist recht weich und heizt sich nicht allzu sehr auf.

Bis nach Pensacola kommt ihr von New Orleans sehr gut mit dem Greyhound Bus. Ab dort empfiehlt sich unbedingt ein Auto, denn öffentliche Verkehrsmittel abseits von Schulbussen habe ich nicht gesehen. Wer etwas mehr Zeit hat – die Forgotten Coast könnte sich meiner Meinung nach auch hervorragend für eine Radtour eignen.

Wir haben im Sandestin Golf und Beach Resort übernachtet. Wir sind spontan dort gelandet und haben vorab nicht reserviert. Die Nacht dort hat ohne Frühstück und Abendessen 212 Dollar gekostet. Online gibt es gelegentlich günstigere Raten. Im Zimmer selbst gab es eine kleine Küche, einen Balkon (wir haben Bayside gewohnt) und einen tollen Ausblick. Die Betten waren sehr gut und gemütlich – Parken, einige Attraktionen wie z.B. Stand Up Paddeln oder Fahrradverleih sind im Preis inklusive.

In Apalachicola kann ich das Gibson Inn empfehlen. Wir haben dort zwar nur gegessen, die Zimmer, die ich online gesehen habe, haben Südstaatencharme und der Ort bietet eine gute Ausgangsposition für Ausflüge in die Umgebung. Die Nacht kostet hier ca. 120 Dollar.

Wir haben die zweite Nacht in The Lodge at Wakulla Springs verbracht. Eine Zeitreise inklusive. Die Einzelbetten sind recht schmal, alles wirkt schon etwas älter aber sehr sauber. Die Nacht gibt es hier ab 110 Dollar.

Offenlegung: Der Hinflug nach New Orleans wurde unterstützt Condor. Alle weiteren Reisekosten waren eigenfinanziert.

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"