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Niederlande

Eine Radtour durch den Nationalpark Zuid-Kennemerland

Niemand hatte mich darauf vorbereitet. Die milde Februarsonne scheint in mein Gesicht, in der Ferne rauscht die Nordsee und ich höre ein paar Möven, als ich langsam wieder zu Atem komme.

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Ich dachte immer, das Holland recht flach ist. Ist es sicherlich auch weitestgehend, doch Dünenlandschaften sollte man nicht unterschätzen. Und mit leeren Magen einen solchen Hügel hinaufzusteigen geht schon leicht an Kräfte. Ich habe mir das so einfach vorgestellt. Gemeinsam mit Milena und unserem Radguide starteten wir eine Radtour vom Landgut Duin & Kruidberg. Vorab sei zu sagen, das wir beide im Alltag nicht unbedingt viel Radel fahren, was aber „kein Problem“ sei, wie unser Guide uns beruhigt. Die mitgebrachten Fahrradhelme ziehen wir dann doch lieber an, man weiss ja nie!

Vom Landgut ist der Eingangbereich des Nationalparks keine 50 Meter entfernt. Eine große Tafel zeigt uns die Ausmaße des Parks und ich stelle fest, das ich das ganze von der Meerseite sogar schon einmal abgewandert bin. Barfuß. Im Oktober. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Mit dem Rad geht es auf gepflasterten und geteerten Wander und Radwegen in den Park hinein. Während unser Guide locker flockig vorneweg fährt, haben Milena und ich die ersten Meter ziemlich zu kämpfen. Der Anstieg ist nicht ohne und kurz vor dem Ende angekommen steht uns ein riesigen Wollenes irgendwas im Weg. „Sieht aus wie ein Rind!“ höre ich Milena sagen.

Irgendwie habe ich ja ziemlich Respekt vor der scheinbar trächtigen Kuh, der auch noch ein Horn fehlt, und steige vorsorglich vom Rad ab. Mit dem größtmöglichen Abstand laufe ich an der Kuh vorbei, und sehe dann ganz entspannt unseren Guide stehen… „Keine Sorge, das sind schottische Hochlandrinder, die laufen hier überall im Park frei herum und sind Wanderer und Radfahrer gewohnt!“ Und stimmt, als ich mir das Rind mal genauer anschauen, stelle ich fest, das es tatsächlich tiefenentspannt ist, und selbst die junge Familie, die nach uns die Düne heraufgewandert kommt, kann die Kuhdame nicht aus der Ruhe bringen.

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Auf den ersten Schreck folgt dann Entspannung. Es geht Abwärts – und ich bin erstaunt, wie mild die Temperaturen im Februar sind. Wir halten an einem flachen See. „Dieser See ist hier nicht immer – die Region hier ist unglaublich abhängig vom Grundwasserspiegel – Ist der sehr hoch, entstehen überall in der Düne Seen dieser Art.“ berichtet uns unser Begleiter. Ich sehe einige Vogelarten, die es sich in dem flachen Wasser gut gehen lasssen uns genieße die Ruhe die uns an diesem Nachmittag umgibt. Ich bin neugierig und frage, was die schönste Zeit hier im Park ist.

„Wenn die Orchideen blühen.“ kommt wie aus der Kanone geschossen. Das ist eine Zeit, in der ich hier ständig unterwegs bin – Mitte Mai bis Mitte Juni. Wir erfahren von früheren Besiedlungen „Hier gab es noch vor dem Mittelalter zahlreiche kleinere Häuser – es gibt immer mal wieder Dinge die von Archeologen hier gefunden werden.“ Unser Guide weiss aber noch viel mehr – und während wir kreuz und quert durch das inzwischen etwas flachere Naturschutzgebiet radeln, erzählt er uns von wandelnden Dünen und erläutert und das Beispiel anhand einige Beispiele.

Wir sind an der Nordsee angelangt, und wir erfahren, das die breite Aussparung in den letzten Jahren von den Menschen gemacht wurde – um der Natur ihren natürlichen Kreislauf zu ermöglichen. Viel zu lange wurde die Region ausgebeutet, doch die Dünen sind wichtig für uns, und werden jetzt auch so behandelt.

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Ich entdecke ein paar Pferde auf einer der Dünen und frage sofort ob das auch wilde Pferde sind. „Das sind Konikpferde, eine sehr wiederstandsfähige Pferderasse, die Sommer wie Winter hier draußen sind.“

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Gefühlt sind wir an diesem Freitag allein auf der Düne und ich hätte ewig Richtung Meer hinausschauen können, doch wir müssen weiter. „Ich hab da noch etwas für euch, dafür müssen wir jedoch ein Stück laufen!“ Und so bin ich kurze Zeit später auf dem Weg zu einer Aussichtplattform auf einer der höchsten Dünen des Gebietes. Der Anstieg strengt mich an – der Blick von dort oben ist jedoch atemberaubends (siehe erstes Foto). „Das muss man einfach lieben.“ sind die einzigen Worte, die ich in den nächsten drei Minuten höre – und ich muss unserem Guide recht geben…

Das ist einfach aaawww!!!

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Auf dem Weg zurück kommen wir noch an einer Wasseruhr vorbei, die den Grundwasserstand zeigt und auch ein Vogelbrutgebiet befindet sich an der Wegstrecke. Wir bekommen den Hinweis, das man zwar auf den Radwegen wandern und radeln kann – bitte aber den Rest vom Naturschutzgebiet sich selbst überlassen sollte. Leider wird gerade in den Sommermonaten das ganze häufig missachtet, was ich sehr schade finde.

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Es wird langsam dunkel und mir kommt der Gedanke, ob es hier Schließungszeiten gibt. „Ja klar, wenn die Sonne untergegangen ist – aber keine Sorge, auf den Radwegen darf man auch dannach unterwegs sein.“ Immer wieder gibt es Hinweisschilder, und so finden wir, so ziemlich am Ende unserer Kräfte – 20 Minuten später den Weg aus dem Nationalpark Zuid Kennemerland….

Wenn ihr auch eine Tour plant:

Allgemeine InformationenAnreiseMehr darüber im Internet
  • Der Park ist zu jeder Jahreszeit geöffnet und kann zu Fuß oder mit dem Rad und Pferd besucht werden. Eine Einfahrt in den Park mit dem Auto ist nicht erlaubt.
  • Zahlreiche seltene Pflanzen und besondere Tierarten gibts zu beobachten. Hierzu werden ausgehend vom Besucherzentrum auch Führungen angeboten
  • Das Besucherzentrum ist einem Dünenbauernhof aus dem 7ten Jahrhundert nachempfunden. Die Adresse findet ihr unter Anreise. Beachtet bitte das hier die Öffnungszeiten unabhängig vom Nationalpark sind. (Di – So 10 – 17 Uhr)
  • Der Nationalpark ist geöffnet von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Zelten oder übernachten innerhalb der Nationalparkgrenzen ist nicht erlaubt.
  • Rauchen ist verboten und Hunde können nur in eingeschränkten Bereichen unterwegs sein.
  • Für alle Übernachtungsgäste empfiehlt sich das Hotel und die Brasserie im Landgoed Duin & Kruidberg
  • Für Radfahrer gibt es an einigen Stellen die Möglichkeit ihre Fahrräder abzustellen.

Der Park hat insgesamt 25 Eingänge, und wer gerade in Amsterdam unterwegs und einen kleinen Ausflug hierher machen will, kann mit der Bahn bis Overveen fahren und ist dort in 15 Minuten im Park.

Mit dem Auto seit ihr von der A9 und von der N208 gut bedient. Auf allen Parkplätzen bis auf Koevlak, Parnassia und Bleek en Berg ist das Parken kostenfrei.

Wer genauso wie wir eine Radtour plant, kann diese beim Besucherzentrum leihen. Hier ist aber zu beachten, das dieses um 17 Uhr schließt, eine Tour lohnt sich deshalb eher Tagsüber.

Zeeweg 12
2051 EC Overveen

Offenlegung: Wir wurde zu einer Rundreise durch Nordholland vom NBTC (Niederländisches Büro für Tourismus & Convention) in Zusammenarbeit mit Amsterdam Marketing eingeladen.

Über den Autoren

Janett

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