Thüringen

Wo Koffer am Wegesrand stehen. Mein Wochenende im Urwald Deutschlands

Eigentlich ist der Nationalpark Hainich gar nicht so groß. Wie kommt es dann, das ich mit dem Auto gefühlt eine Stunde unterwegs bin, um von Kammerforst zum Wildkatzendorf zu gelangen? Ich jedenfalls fahr drei mal mit der Kirche ums Dorf und dann einmal quer durch die Pampa – um schlussendlich fast 40 Minuten zu spät am vereinbarten Treffpunkt zu erscheinen. Herr Henning wartet schon auf mich „Da haben sie wohl die Wege unterschätzt?“ Das hab ich wohl.

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Der Nationalpark erscheint auch heute im Sonnenschein, und wieder mache ich mich gemeinsam mit dem Ranger auf eine kleine Tour in den Süden des Nationalparkes. Auch der Süden war früher „Sperrgebiet“ und noch heute kann man leider erkennen, wo die Russen damals mit den Panzern entlang gefahren sind. Während sich hier vielerorts der Jungwald die Macht erkämpft, ist auf den ehemaligen Panzerstraßen nur wenig Natur zu sehen. „Das dauert wohl noch einige Zeit, bis sich die Natur davon erholt“ berichtet mir der Nationalpark-Experte.

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Leider suchen auch immer noch Irre nach „Blindgängern“

Die Natur hier im Süden sieht ganz anders aus. Hier gab es viel mehr Rodungsflächen und so entdeckt man auch viel häufiger sehr jungen Wald. Der wiederum hat sich ziemlich breit gemacht. Lohnenswert ist eine Tour in den Süden dennoch, denn von einer Aussichtsplattform „Hainich-Blick“ hat man einen tollen Blick auf Eisenach und kann sogar den höchsten Berg Thüringen entdecken.

Ein wenig windig ist es hier oben und dennoch versuche ich, anhand der Karte alles möglich zu erkennen – Zeit habe ich ja – der Ranger versorgt gerade unten ein Wanderpaar mit Pflastern.

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Hier findet man viel „jungen Wald“

Der Süden hat nicht nur „Jungbäume“ zu bieten. Einige wenige Bäume haben die Militär-Zeit überstanden und zeigen noch heute „Wunden“ dieser Zeit. Wenn ihr hier entlang lauft, achtet doch mal auf die Rinde der alten Bäume.

Einer der wenigen alten Bäume hier
Einer der wenigen alten Bäume hier

Wir kommen rechtzeitig zur „Raubtierfütterung“ beim Wildkatzendorf an. Die Fütterzeit ist die beste Möglichkeit, zum einen etwas über die scheuen Wildtiere zu erfahren und vor allem, diese auch einmal zu Gesicht zu bekommen. Zwar leben im Park knapp 70 freilebende Wildkatzen – die würden sich den Menschen jedoch im normalen Fall nicht zeigen.

Sehr scheu sind die Wildkatzen
Sehr scheu sind die Wildkatzen

So wurde vor ein paar Jahren das Katzendorf mit vier Gehegen für Wildkatzen angelegt. Die Katzen stammen aus dem Wildtierpark Anholter Schweiz – es handelt sich bei den Wildkatzen vor Ort auch ausschließlich um Kater.

Im Internet habe ich oft gelesen, das Katzendorf hier wäre nicht spannend. Sieht man jedoch den ganzen Zusammenhang und lässt sich auf ein Gespräch mit den Rangern ein – dann ergibt sich ein ganz anderes Bild. Ich lerne, das in Thüringen ein Korridor für die Katzen errichtet wird, damit sich die Hainicher Katzen mit den Thüringer Wald Katzen vermischen können.

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Die Wildkatzenscheune. Sehenswert!

Ich lerne, was eine Wildkatze von einer Hauskatze unterscheidet und vor allem, das die Weibchen immer „daheim“ bleiben, während die Männchen auf Suche nach einer Partnerin gehen. Und ich erfahre in der Scheune, die nur ein paar Meter weiter unten im Tal zu finden ist, allerhand über den Lebensraum der Miezen.

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Wusstet ihr, das die Deutsche Bahn Wanderwege baut ?

Herr Henning gibt mir jedoch gleich einen Tipp an die Hand. Die Deutsche Bahn – bzw. die DB Fahrwegdienste GmbH starten regelmäßige Social Events im Bereich Ökologie. Was das mit dem dem Wildkatzendorf zu tun hat? Nun – 2015 suchte sich das Team von insgesamt 115 Mitarbeitern den Nationalpark Hainich für ihr karitatives Projekt aus.

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Innerhalb von 3!!! Tagen entstand so der Wildkatzenschleichpfad, der auf 1,5 km nicht nur jede Menge Spaß für Jung und Alt bietet (neben dem Naturerlebnis), sondern für aktive Rollstuhlfahrer  und Kinderwagenfahrten durchaus geeignet sind.

Auch einen kleinen Kletterparcour ist Teil des Weges. Da kein Kind unterwegs war, hab ich mich natürlich auch mal selbst im Klettern versucht. Und bin über Baumstämme gelaufen. Das wollte ich seit dem Film Dirty Dancing schon immer mal machen!

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Auf den Spuren von Dirty Dancing.

Besonders schräg und ebenfalls einen Blick wert sind die die ganzen Kunstwerke, die das Wildkatzendorf umgeben.

Es gibt eine aufgerollte Straße, ein Dings im Baum (fragt mich nicht) und – was mir am meisten gefallen hat – einen Reisekoffer. In Stein und überdimensional. Als „Teilzeitreisender“ musste ich davon natürlich sofort ein Bild machen!

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So viel Kunst, Natur und Kultur macht mich natürlich ziemlich hungrig. Im Hotel zum Herrenhaus gibt es auch eine sehr gute Gastronomie mit einer besonderen Spezialität. Als Thüringer bin ich natürlich bei dem Wort „Kloßüberraschung“ neugierig geworden. Und natürlich habe ich mir eben dieses Gericht auch bestellt.

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Knapp 30 Minuten musste ich warten, was wohl auch der großen Gruppe am Nachbartisch zu verdanken war – die just vor mir bestellt hatten. Der Platz an der Sonne im Garten des Herrenhauses war hierfür aber ein durchaus angenehmer Platz. Etwas abseits des Trubels saß ich direkt in der Natur und entspannte!

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Die Kloßüberraschung

Meine Kloßüberraschung war dann auch jeden Cent wert. Der überdimensionale Thüringer Kloß beinhaltet eine kleine Roulade, um den Kloß herum ist eine Bratensoße. Obwohl ich als Kind diese Kombination nie mochte – diesmal fand ich es wirklich lecker!

Das Hotel scheint auch interessant zu sein – und ziemlich ausgebucht! Für meine nächste Reise in diese Gefilde habe ich mir das zumindest schon mal vorgemerkt.

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Meine Tour an diesem Wochenende setze ich kurze Zeit später in Richtung Westen fort. Auf der Suche nach Ausflugszielen rund um den Nationalpark hab ich noch die Burg Creuzburg entdeckt. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich euch das nächste Mal erzähle…

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Die Aussichtsplattform „Hainich Blick“ ist über einen rund 3,2 km langen Wanderweg von Hütschenroda aus erreichbar. Hier oben gibt es einen kleinen Picknickplatz – achtet bitte darauf, euren Müll auch wieder mitzunehmen.
  • Die interessanteste Zeit im Wildkatzendorf sind die Fütterungszeiten. Die Fütterungszeiten ändern sich ständig, am besten schaust du vor deinem Besuch noch einmal auf der Homepage des Wildkatzendorfes nach. Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang auch die 20 Minütigen Erläuterungen zu diesen ganz besonderen Wildtieren.
  • Der Eintritt in die Scheune und auf die Wildkatzenlichtung kostet 5,50 Euro pro Person.
  • Da im Sommer im Hotel Herrenhaus sehr viel Betrieb ist, empfehle ich euch eine Vorabreservierung. Das Hotel ist auch bei nicht so gutem Wetter sehr spannend – ein wenig museal aber interessant.
  • Auch hier sind die geführten Wanderungen empfehlenswert, die zum größten Teil unentgeltlich sind.

Eine Anreise mit dem Auto ist sinnvoll, es gibt auch hier einen Wanderparkplatz. Seit neuestem gibt es auch einen Wanderbus, der von Eisenach Hbf. startet und das Wildkatzendorf sowie den Baumkronenpfad anfährt.

Ich habe in Kammerforst im Hotel Hainichblick übernachtet. Das Hotel liegt am anderen Ende des Nationalparks, die Anreise dauert etwa 30 – 40 Minuten. Vor Ort befindet sich das Hotel Herrenhaus, hier konnte ich mir jedoch kein Bild von den Zimmern machen. Wird nachgeholt!

Offenlegung: Bei meiner Thüringen Natur – Tour wurde ich von Thüringen Tourismus und dem Nationalpark Hainich eingeladen.

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