Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Mit meinen fast 40 Lenzen habe ich schon so einige Geburtstage nicht klassisch mit Kaffee und Kuchen daheim verbracht. Ob mit Freunden im Harz, bei einem Mädelsroadtrip in Schweden oder aber auch über der Wupper schwebend mit einem Stück Torte auf Zeitreise. Da ich am ersten Mai meinen Ehrentag feiere, bietet es sich fast immer an, ein verlängertes Wochenende zu buchen. 2019 ging es deshalb nach Schottland.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Nach einem Kurzaufenthalt in Edingburgh hatte ich mir Glasgow für meinen Geburtstag ausgesucht. Darf ich verraten, dass der Trip in die schottische „Großstadt“ wohl einer meiner schrägsten Geburtstage ever war?

Glasgow – ein Kurztrip ins Herz Schottlands

Gut zwei Nächte verbrachten wir in der schottischen Stadt. Begrüßte uns Glasgow am ersten Tag noch mit viel Sonnenschein, so hatten wir zwei Tage typisch britisches Wetter und frische Frühlingstemperaturen. Von unseren Erkundungstouren hielt uns das nicht ab.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.
Glasgow am Morgen – der Blick aus unserem Zimmer.

Wir besuchten den botanischen Garten der Stadt, wir genossen eine Tea Time im wohl berühmtesten Café der Stadt und wir machten umfangreiche Spaziergänge im schottischen Nieselregen.

Die Stadt der Brücken – Impressionen von Clyde und Kelvin

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen – ich stehe auf Brücken. Und so war ich schon an unserem ersten Tag in Glasgow hellauf begeistert. Wusstet ihr das Glasgow eine Stadt der Brücken ist? Allein über den großen Fluss Clyde gibt es insgesamt 21 Brücken und im West-End findet ihr am kleinen Flüsschen Kelvin noch einmal 8 Brücken am Kelvin Walkway.

Es sei euch verraten, das sich durch die schottische Stadt noch mehr Flüsse als Clyde und Kelvin schlängeln. Selbst an diesen beiden Wasserstrassen haben wir nur einen Bruchteil der Brücken bestaunen können, schließlich waren wir nicht nur zum „Brücken-Watching“ hier. Die jedoch, die ich gesehen habe, haben sich gelohnt! Wenn ihr euch auf die Suche nach allen Glasgow Brücken machen wollt, seien euch theglasgowbridges.co.uk und dieser Beitrag zum Kelvin Walkway zu empfehlen. Und natürlich hab ich euch ein paar Bilder von unterwegs mitgebracht!

Streetart in Glasgow – ein Spaziergang der besonderen Art

Neben den Brücken gibt es in Glasgow eine Vielzahl von Straßenkunst-Werken. Damit mein ich keine klassischen Tags oder Graffitis – die Stadt ist voller Murals und haushohen  Kunstwerken. Mein Freund hat bei seinem ersten Besuch eine spannende Street-Art-Tour mit Tom von Photo Walk Scotland gemacht. Wagemutig hat Katrin von vielunterwegs diese Glasgow Tour im Winter gemacht. Mein Respekt!

Da sich meine bessere Hälfte noch an eine Vielzahl von Kunstwerken erinnern konnte, haben wir auch ohne Tom so einige bekannte Kunstwerke von Smug One und Co. gesehen. Und sind wir mal ehrlich – eine Entdeckungstour auf Spuren der Straßenkunst ist bei jedem Wetter toll. Zumal es in fast allen Vierteln auch passende Cafés oder Pubs gibt, die wir bei kurzen Regenschauern besuchen konnten.

Botanische Gärten und ein ganz besonderer Walkway

Nicht nur Brücken erhellen mein Herz. Auch botanische Gärten müssen bei fast jedem Besuch drin sein. Auch in Glasgow wollte ich da keine Ausnahme machen. Schon seit 1817 gibt es in Glasgow einen botanischen Garten, Kibble Palace kam erst Ende des 19ten Jahrhunderts dazu und wurde ursprünglich für Konzerte und Events genutzt, seit mittlerweile gut 140 Jahren wohnen jedoch Pflanzen in dem viktorianischen Glashaus.

Auch wenn der botanische Garten und seine Häuser nicht mit riesigen Gärten wie in Edinburgh oder London mithalten können –  ein Besuch ist dennoch lohnenswert. Übrigens gibts auch ein kleines Tea-House welches wohl vor allem bei Einheimischen sehr beliebt ist. Eher durch Zufall entdeckten wir westlich vom botanischen Garten im Anschluss auch noch einen wunderschönen Spazierweg entlang des kleinen Flusses Kelvin.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Ein Teil befindet sich noch im botanischen Garten, der Kelvin Walkway führt anschließend jedoch noch gut 2 1/2 Kilometer am Flusslauf zum Kelvingrove Art Gallery and Museum – einem Ort, der nicht nur bei schlechtem Wetter ein „Must Do“ in Glasgow sein sollte. Übrigens – auf dem Spaziergang könnt ihr nicht nur zahlreiche einheimische Pflanzen und Tiere entdecken – es gibt auch eine Vielzahl an spannenden Gebäuden und (wie oben schon erwähnt) Brücken.

Sehenswerte Orte in Glasgow

Auch wenn Glasgow auf den ersten Blick ganz klar ihrem Ruf als Industriemetropole gerecht wird, ich habe auf meiner Reise viele spannende und für eine Industriestadt eher untypische Sehenswürdigkeiten entdeckt. Angefangen mit dem Rathaus bis zur beeindruckenden – weil wirklich kleinen – Metro-Linie. Meine fünf Lieblingsorte stelle ich euch hier vor.

Rathaus von Glasgow  (Glasgow City Chambers)

Eher durch Zufall (weil es ganz in der Nähe unseres Hotels lag) schauten wir uns das Rathaus am George Square an. Schon von außen wirkt das Haus imposant und fast ein wenig wie ein Schloss, von innen jedoch wird uns schnell bewusst, das Glasgow in der Kolonialzeit sehr viel Vermögen angehäuft haben muss. 1888 wurde das Glasgow City Chambers von Königin Viktoria eröffnet. Knapp 550.000 Pfund hat der Bau Ende des 19ten Jahrhunderts gekostet – eine recht hohe Summe, die sich jedoch gelohnt hat. Es gibt wohl auch geführte Touren durch das Rathaus, wir jedoch haben mit einem kurzen Blick in die Lobby und das Erdgeschoss vorlieb genommen.

Wir entdeckten aufwändig erstellte Mosaike, Treppen aus hochwertigen Holz, wunderschön verzierte Deckengemälde und Marmor. Hab ich schon die viktorianischen Lichter und die wunderschönen Kronleuchter und Lampen erwähnt. Der Eintritt abseits der Führung ist während der Öffnungszeiten  frei, ich verspreche euch, ein Blick ins Rathaus lohnt sich.

Eine Tea Time mit Charles Mackintosh und ein Leuchtturm in  Glasgow

Sagt euch der Name Charles Rennie Mackintosh etwas? Bis zu meinem Besuch in Glasgow war mir der Name „Mackintosh“ so gar nicht bekannt. Die Schwester meines Freundes jedoch empfahl uns unbedingt eine Tea Time in „The Willow Tea Rooms“ zu genießen. Diese sind übrigens sehr beliebt – eine Reservierung rund zwei Wochen vor unserer Tour stellte sich als wirklich  gute Wahl heraus.

Das Café befindet sich im Stadtzentrum, von außen wirkt es nicht wirklich auffällig – innen jedoch sticht die Einrichtung der zwei „Tea-Räume“ hervor. Die heutigen Möbel sind zwar keine Originale aus der Hoch-Zeit des Art Nouveau (liegt dem  Jugendstil sehr nahe) und doch entführt uns das Tee-Stündchen in eine andere Zeit. Besonders der chinesische Tea-Room, den ich eher zufällig beim Gang auf die Toilette gefunden habe, hat mich begeistert.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.
Sehr ihr mich am Boden liegen?

Makintosh war nicht nur Innenarchitekt. Auch an der Planung des Glasgow Herald Building, welches heute als „The Lighthouse“ bekannt ist und unter anderem ein Museum zum Thema Makintosh und Art Nouveau befindet sich in diesem Gebäude. Warum aber nennt sich das Gebäude Leuchtturm? Nun, das wird klar, wenn man wie wir durch die Museumsräumlichkeiten  wandert.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.
Der Blick von Leuchtturm in Glasgow

Im hinteren Bereich gibt es eine Wendeltreppe, die sich über drei Etagen hinauf zu einer Plattform schlängelt. Die Treppe ist ein beliebtes Fotomotiv aus Glasgow, ich jedoch hatte zu viel Höhenangst um diese offene Treppe hinaufzulaufen. Mein Freund verriet mir: „Der Blick von oben über Glasgow ist wirklich sehenswert!“.  Wir waren kurz vor Schließung des Zentrums vor Ort – viel Zeit für die gesamte Ausstellung hatten wir deshalb nicht. Der Eintritt ist frei, Spenden sind jedoch willkommen. Übrigens – es gibt  jeden Samstag um 13 Uhr eine Führung zum Leben und Wirken von Charles Mackintosh.

Das Kelvingrove Art Gallery and Museum Glasgow

Bleiben wir doch gleich beim Thema Kunst, oder? Das 1901 eröffnete Kelvingrove Art Gallery and Museum Glasgow war für mich ebenfalls eine große Überraschung. Schon von außen wirkt das größte Museum Glasgows beeindruckend. Kein Wunder also, das es sich um eines der meist besuchten Museen der britischen Insel handelt.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Die Kelvingrove Art Gallery besitzt eine der größten städtischen Kunstkollektionen,  die sich durchaus sehen lassen kann. Neben Werken von lokalen Künstlern wie Makintosh gibt es auch zahlreiche alte und moderne Künstler wie Salvatore Dalí,  von denen Kunstwerke bestaunt werden können. Sehr spannend fand ich auch die Kombination zwischen Museum und Kunstgalerie – an regnerischen Tagen kann  man hier gut und gerne einen ganzen Tag verbringen.

Sogar eine Tea-Time zu einem wirklich guten Preis wird hier im Haus angeboten. Übrigens – das Gebäude wurde schon immer als Museum genutzt – die Orgel ist also kein Relikt  aus vergangenen  Kirchenzeiten. Wer Glück hat, wird auch in den  Genuss ihres Klanges kommen – es  gibt regelmäßige Konzerte. Übrigens – Stephan hat über das Kelvingrove Museum einen ausführlichen  Artikel geschrieben.

Die Subway von Glasgow

Mein erster Gedanke, als ich mich auf eine Tour mit der Subway einließ? „Moaaah ist die niedlich!“ Und wirklich, sehr groß sollte man für eine Fahrt mit der U-Bahn nicht sein.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Die Strecke von knapp 10 Kilometer wurde 1896 eröffnet und ist damit eine der ältesten U-Bahn-Strecken der Welt. Damals gab es wohl auch nicht so viele große Menschen, wie meine Vermutung ist.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Selbst heute und in Stoßzeiten ist es bei 2,34 Breite und 2,65 Maximalhöhe sehr sehr kuschelig in den Zügen und auf den Bahnsteigen . Die komplett unterirdische Strecke geht einmal rundherum und alle 15 Stationen zu durchfahren braucht 24 Minuten. Mit 3 Pfund für das Tagesticket sollte eine Fahrt doch drin sein, oder?

Die Police-Boxes

Als wir in unser Hotel Ibis Styles in der Nähe vom George Square eingecheckt haben, fiel mir eine Sache in unserem doch recht kompakten Zimmer sofort auf. Das Bild einer Art blauen Telefonzelle in stattlicher Größe  hinter unseren Bett.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Neugierig wie ich war hab ich mir sofort mein Handy geschnappt und nachgeschaut, was es mit den blauen Police-Boxes in Glasgow auf sich hat. Schnell hab ich herausgefunden, das diese Polizei-Zellen in mehreren Städten eingerichtet wurden. In Albany erfunden starteten sie Ihren Siegeszug in den USA und  Glasgow war 1891 die erste Stadt in Großbritannien, die die Kabinen auf die Insel brachte.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

In  einer Zeit vor Handys und Funkgeräten hatten diese Zellen eine wichtige Funktion. Während Bürger von dort aus die Polizei rufen konnten,  war es der Polizei in diesen Kabinen durchaus möglich, Kriminelle festzusetzen,  Verletzte zu versorgen oder mal eben auf dem Polizeiamt Verstärkung  anzufordern. Um 1970 wurden die Zellen nach und nach abgeschafft – in Glasgow jedoch sieht man ab und an  eine solche Kabine. In manchen befinden sich kleine Shops und manche sind als Attraktion aufgebaut.

Warum ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof war

Als mein Freund mir vorschlug, nach unserer Streetart-Tour an meinem Geburtstag auch noch einen Abstecher  auf den Friedhof zu machen hatte ich  erst Bedenken. Ist es mit 39 wirklich schon so weit für einen Besuch auf  dem Friedhof am Geburtstag? Ich mag Friedhöfe. Ich mag die Ruhe dort und die Natur. Für mich sind Friedhöfe zudem Geschichtenerzähler. Denn ein jeder alter Grabstein erzählt etwas über die Familie oder den Mensch der hier seine letzte  Ruhe gefunden hat.

Auch wenn es sicher die seltsamste Sache war, die ich je an meinem Geburtstag gemacht habe – so war der Besuch auf Necropolis doch jeden zusätzlich gelaufenen Meter wert. Der „Glasgow Necropolis“ ist ein viktorianischer Friedhof unweit der St. Mungo’s Cathedral,  auf dem seit 1832 zahlreiche bekannte Glasgower Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden  haben. Über 50.000 Personen fanden hier ihren letzten Ruheort – heute finden jedoch nur noch selten Bestattungen statt. Übrigens – auch Charles Mackintosh schläft hier den ewigen Schlaf. Mit einem tollen Blick auf die Stadt Glasgow!

Die Sache mit dem Bier.

Kommen wir nun aber zur unrühmlichen Geschichte meiner Reise. Ihr wisst ja, manchmal sind es die Briten, die auffallen, in Schottland war es wohl eher meine Wenigkeit. Schuld daran war einzig und allein die „kleine“ Bierverkostung bei Drygate.

Ja, wir haben vorher zu wenig gegessen und die kleinen aber leckeren Häppchen vor Ort haben mich nach vier oder fünf Bier doch ein wenig über die Stränge schlagen lassen. Auch wenn die frische Luft gut getan hatte – ich konnte mir so manch peinliche Sache nicht verkneifen.

Was ich an meinem Geburtstag in Glasgow auf dem Friedhof machte.

Oder als was würdet ihr die Verfolgung eines Glas Bieres beschreiben? Ich schwöre – ich habe an diesem Nachmittag geruht und bin erst am Abend in einigermaßen nüchternen Zustand wieder on Tour gewesen. Würde ich es noch mal machen? Ja klar!

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen
  • Glasgow lohnt sich zu jeder Jahreszeit, es gibt zahlreiche Hotels auch in Stadtnähe, sowohl Bus als auch Bahnhof sind gut vom Stadtzentrum zu erreichen
  • Alle besuchten Museen und auch der Botanische Garten hatten kostenfreien Eintritt. Spenden sind erwünscht – wenn ihr also den einen oder anderen Pfund übrig habt, investiert sie in die Spendenbox, in den Tearooms oder in den Shops der Museen.
  • Es gibt fast überall Tea-Rooms in  Glasgow, ich  glaube ich habe noch nirgends so viel Tee getrunken.
Wir haben uns ein Zimmer im Hotel Ibis Styles in der Nähe vom George Square gebucht. Der Bahnhof ist gut erreichbar und in der Nähe sind zahlreiche Restaurants und Cafés. Die Nacht hat Anfang Mai 75 Pfund gekostet (incl. Frühstück)
Glasgow hat einen Flughafen, wir sind jedoch via Edinburgh geflogen und von dort aus mit dem Bustranfer. Dies war günstiger und hatte bessere Anbindungen  an  Düsseldorf und Köln.

Keine Offenlegung. Vollständig privat gezahlte Reise.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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