Meine erste Walpurgisnacht im Südharz: Der Magie im Harz auf der Spur

Ich bin groß geworden im Schatten des Harzes. Geboren am Tag nach der Walpurgisnacht. Und doch dauert es rund 38 Jahre bis ich mich traue den Hexen entgegen zu treten. Die letzte Aprilnacht ist magisch – selbst ich muss es jetzt eingestehen. Und ich will euch mitnehmen. Auf eine magische Reise in den Harz und zu einer ganz besonderen Walpurgisnacht.

Magische Momente im Harz

Wer um die Walpurgisnächte den Harz besucht entkommt der Magie nicht. Überall wird gefeiert – ständigt entdeckt man Hexen, Teufel und Zauberer – selbst wenn selbige nur verkleidete Menschen sind. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf und mir dünkt es das Goethes Gedicht aus Faust „vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ einst vom Harz inspiriert war.

Viel habe ich vorab über die Walpurgisnacht im Harz gehört. Doch der Grund für einen Besuch im Harz war ein ganz anderer. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine „Päärchen-Reise“ ließ ich mich von meiner alten Heimat inspirieren. Durch einen glücklichen Umstand fanden wir die Ferienwohnung „Klostermühle“ in Walkenried und machten uns Ende April auf den Weg ins Zentrum von Deutschland. Drei Paare – ob das wohl über 4 Tage gut gehen würde?

Eine Zeitreise nach Walkenried

Die Klostermühle war früher einmal ein Restaurant. Heute gibt es hier ein paar Ferienwohnungen, geführt von einer Weltenbummlerin die allerhand Geschichten zu erzählen hat. Aufgeteilt auf zwei Wohnungen haben wir das Glück die Terrasse der Klostermühle nutzen zu dürfen.

Im Schatten der Klosterruine – umgeben von Ruhe und der erwachenden Natur haben wir Frühstücken zu einer gemeinsamen Zeremonie gemacht (und damit viele Stunden verbracht). Die offene Wohnung im Haupthaus haben Monique und Sven bewohnt. Die war auch wirklich verrückt eingerichtet. Eine Mischung aus mystischen Souvenirs aus aller Welt mit amerikanischen Einrichtungstil und viel Liebe – wir fanden es schräg und haben und dennoch recht wohl gefühlt.

Zwischen alten Steinen verweilen

Uns faszinierte die Klosterruine vor unserem Haus so sehr dass wir uns das ganze natürlich auch eimal aus der Nähe angeschaut haben.

Schon 1127 wurde das Zisterzienserkloster erstmals erwähnt. Heute gehört es zum Unesco Weltkulturerbe und gerne hätten wir uns auch die Ausstellung angeschaut – doch der Brocken lockte!

Eine kleine Hexenwanderung zum Brocken

Was habe ich mir nur dabei gedacht mit gleich fünf wanderfreudigen Menschen unterwegs zu sein? Der Vorschlag: „Lass uns zum Brocken wandern!“ wurde einstimmig als richtig gute Idee angenommen und ich musste mich meinen Schicksal fügen.

Als ich erfuhr das wir die lange Strecke wandern wollen…

Schon bereitete ich mich seelisch und moralisch auf die kurze Brockentour von Schierke zur Brockenspitze vor als der Einwand kam: „Aber das sind doch nur 6 Kilometer – wir schaffen mehr!“. Und so kam es, das wir unsere Tour am Bahnhof „Drei Annen Hohne“ starteten. Ja – ich war nicht sehr begeistert. Und ja – ich habe unsere ganze Gruppe mehrmals aufgehalten.

Schuld daran sind die doofen Schilder – die erst 8 Kilometer und beim nächsten Hinweis plötzlich 9,5 Kilometer aus unserer Wanderstrecke machen. Das ist definitiv Hexenwerk. Der Weg schien unendlich. Ich habe Höllen gelitten – aber was tue ich nicht alles für gute Freunde (und eine Talfahrt mit der Harzer Dampflokbahn).

Die Trudensteine

Nach etwa zwei Kilometer erreichten wir die Trudensteine. Die Felsformation aus Granit steht dort schon so lange, das selbst Goethe auf seinen Harzwanderungen sie ausführlichst beschrieben hat. Die Steine haben Ähnlichkeit mit einer Sagenfigur und können über eine Leiter erklommen werden. Bis fast ganz hoch habe ich es geschafft – vor dem Gipfel jedoch hat mich der Mut verlassen. Ob das wohl ein böses Ohmen ist?

Hexen auf dem Weg nach Schierke

Unterwegs begegneten wir zwei netten und freundlichen Hexen. Die beiden stiegen sogar von Ihren Besen ab um sich für ein Foto ablichten zu lassen. Hab ich nicht mal gelesen alle Hexen sind wild und unberechenbar?

Wieder mal ein Gerücht mit dem ich aufräumen kann. Und ich bezweifele nicht, dass die beiden echte Hexen waren. Wer würde sich sonst bei gefühlt 20 Grad im Schatten in einer solche Montur verkleiden?

Das sieht doch aus wie ein Ufolandeplatz, oder?

Nach gefühlten 10 Stunden habe auch ich mein Ziel erreicht.

Den Brockengipfel.

Und ob ihr es glaubt oder nicht – ich habe ihn erst gar nicht erkannt. Normalerweise befinden sich hier dicke Nebel oder Regenschwaden. Davon jedoch war an diesem sonnigen Frühlingstag nix zu entdecken. Sonne satt – und so entdeckten wir auch den Ufolandeplatz im Zentrum des Gipfels. Mysteriös was ich hier noch alles entdecken kann!

Die Fahrt mit der Harzquerbahn zurück ins Tal war meine persönliche Belohnung. Wie schön eine Reise mit der Bahn doch ist!

Ein Abstecher nach Elend

Ja – ich war schon in Sorge. Wohl auch deshalb hat es uns ins benachbarte Elend verschlagen – auf unserer Rückfahrt nach Walkenried war der Abstecher kein großer Umweg. Wie viele Menschen sich wohl schon mit diesem Schild fotografiert haben? Und irgendwie hab ich auch das Gefühl das dieses ganze „Hexengerede“ auf mich abfärbt. Schaut euch mal meine Position an?!

Über den Rappbodetalsperre schweben (auf der Hängeseilbrücke)

Am nächsten Tag ging es für uns in den Südharz. Die Rappodetalsperre habe ich als Kind häufig besucht. Ein im Wald befindliches Restaurants war einst ein persönliches Lieblingsrestaurant meiner Großmutter – dementsprechend häufig haben wir uns deshalb in meinen Kindertagen auch die Talsperre angeschaut.

Als vor einigen Jahren bekannt wurde das dort ein „Actioncenter“ eingerichtet wird konnte ich es nicht glauben. Klar – die Steilwand des Stausees ist beeindruckend – aber hier eine Hängeseilbrücke und Zipline mitten im Harz zu etablieren? Das konnte ich mir nicht wirklich vorstellen.

Und doch scheint das Konzept aufzugehen. Wir haben uns allesamt über die Brücke gewagt – Sven ist sogar „Zipline“ geflogen und trotz Wind und wackeligen Beinen ist es den Eintritt definitiv wert gewesen. Das Gefühl von der Tiefe nur durch ein dünnes Gitter und eine wackelige Brücke getrennt zu sein hat bei mir einen wahren Adrenalinschub verursacht. Dem hab ich dann auf der Toilette nachgegeben.

Unabhängig davon war ich aber ziemlich stolz auf mich. Normalerweise leide ich ziemlich an Höhenangst. Aber hier – mit viel Ablenkung – klappte es ganz gut!

Sich von Stolberg verzaubern lassen

Doch der Tag hat auch seine entspannten Seiten. Nach der Aufregung an der Talsperre habe ich mich aufgemacht und der gesamten Gruppe Stolberg im Harz vorgestellt. Ich liebe diesen Ort. Nicht nur wegen dem Schloss oder dem Fachwerk – ich mag einfach das Gesamtkunstwerk. Entspannt haben wir uns im Café Alt bei lecker Tee und Kuchen – ausgepowert beim Weg hinauf zum Schloss.

Begeistert erzählte ich von all meinen Begegnungen mit der Südharzer Kleinstadt. Von Luther, von der Wiege des europäischen Adels, von Lerchen und von Fachwerkhäusern aus vielen Epochen. Meine „Reisegruppe“ habe ich damit wohl auch ein wenig verzaubert. Denn spontan entschlossen wir uns an diesem Walpurgistag nicht ins gut 40 Kilometer entfernte Thale zu fahren sondern einfach in Stolberg zu bleiben. Hier – am Josephskreuz – findet alljährlich ebenso ein „Hexentanz“ statt.

Am Josephskreuz mit den Teufeln und den Hexen in den Mai tanzen

Nach der Wanderung am Vortag und dem Abenteuer der Vormittages waren wir recht platt – den Spaziergang zum Josephskreuz haben wir an diesem Tag einfach mal ausgelassen. Die Strecke von Stolberg zum Kreuz beträgt knapp 5 Kilometer – aber noch mehr wandern? Im dunklen Wald? Dazu hatte ich irgendwie keine Lust. Mit kleinen Shuttlebussen gab vom Stolberger Bahnhof eine entspannte Transportmöglichkeit. Gefühlt waren wir hier die einzigen Touristen – um uns herum waren nur Einheimische.

Gegen 18:30 Uhr kamen wir am Josephskreuz an. Obwohl ich schon oft im Südharz unterwegs war – hier hat es mich noch nie her gelockt. Beeindruckend – dieser riesige Stahlkoloss. An diesem Abend war nicht nur der Zugang auf die Sehenswürdigkeit verboten – es wurde auch noch beleuchtet. Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter.

Ich dachte erst an einen Scherz meiner Freunde und drehte mich um – bereit um sie zumindest etwas böse anzuschauen. Hinter mir stand jedoch eine Hexe. Sie schaute mich und meinen Freund an und sprach etwas. Ich war so geschockt das ich nicht einmal mehr weiss was sie eigentlich wollte. Das war sie also – die Walpurgisnacht.

Inzwischen war es dunkel und ein Feuer wurde entzündet. Mit ein paar Snacks machten wir es uns am Feuer gemütlich und entdeckten sogar den Teufel wie er um die Flammen tanzte. Oder war das wieder nur eine Einbildung? Werde ich auf meine alten Tage dann doch irgendwie senil? Es waren voll hier oben – aber nicht so überlaufen das wir nicht auch Platz und Ruhe für ein paar ruhige Minuten hatten. Ein Theaterstück mit Tanz und Gesang wurde aufgeführt und immer wieder erlebte ich seltsame Begegnungen mit Hexen. Selbst auf dem Klo war ich nicht vor Ihnen gefeit.

Dann wurde es dunkel. Richtig dunkel. Nur die letzten Glutreste des Feuers waren noch zu sehen. Der Teufel hielt eine Rede vom Josephskreuz. Als er von dannen zog knallte es. Ein Feuerwerk. Mit Musik. Ganz ehrlich? Ich bin ja kein großer Fan von Pyrotechnick – in diesem Ambiente mit dem Josephskreuz jedoch passte alles. Der tolle Mann der mich die ganze Zeit im Arm hielt – die Lichter am Himmel – die 90er Jahre-Musik und die entspannten Menschen um uns herum.

So und nicht anders ist eine magische Nacht!

Müde von den aufregenden Erlebnissen der letzten Tage ging es für uns im Wald bei Vollmond zurück zur Straße. Dort organisierte Monique ein Taxi (hat sie gezaubert?) und noch vor Mitternacht waren wir beim Auto. Zurück auf dem Weg nach Walkenried piepte mein Handy schon fleißig: „Happy Birthday du kleine Hexe“ war tatsächlich eine der Nachrichten. Nach einem Tag in Bad Frankenhausen ging es für uns zurück in die Heimat. Ohne Magie. Mit der Bahn.

Das wichtigste zur Walpurgisnacht und dem Harz zusammengefasst.

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen
  • Die Tour auf den Brocken dauert knapp 4 Stunden von Drei Annen Hohe (bei gutem Wetter). Da ihr durch waldiges und teilweise schlammiges Gebiet lauft ist gutes Schuhwerk unabdingbar. Ab Schierke lässt sich die Strecke auch gut mit Turnschuhen laufen.
  • Die letzte Bahn vom Brocken nach 3 Annen Hohne fuhr für uns 17:30 Uhr. Über die Brocken-Bahnfahrt habe ich ausführlich hier berichtet.
  • Die Kosten für einen Spaziergang über die Hängeseilbrücke im Harz beträgt 6 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder. Erwachsenentickets können auch am Automaten gezogen werden. Von 8 – 22 Uhr ist die Brücke geöffnet.
  • Die Fahrt mit dem Zipline an der Talsperre kostet  39 Euro. Was es zu beachten gibt kannst du hier nachlesen
  • Einen Artikel über spannende Sehenswürdigkeiten in Stolberg im Harz habe ich auch geschrieben
  • Über den Hexentanz 2019 in Stolberg habe ich leider noch nichts in Erfahrung bringen können. In den letzten Jahren hat jedoch immer etwas stattgefunden.

Wir haben in zwei Ferienwohnungen in Walkenried übernachtet. Die Unterkunft ist sauber und verfügt über alles wichtige – wir haben auch recht gut geschlafen (sehr ruhig ist es hier nachts) und auch die Versorgungsmöglichkeiten – 500 Meter zum Bäcker sind gegeben.

Die Klostermühle Walkenried ist aktuell nur über Booking.com buchbar. Wir haben zu sechst für 3 ÜN knapp 600 Euro bezahlt.

Eine Reise im Harz ist zwar theoretisch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich – ich empfehle hier jedoch definitiv ein Auto. Die Unterkunft verfügt über Parkplätze (kostenfrei)

Keine Offenlegung. Alles Privat gezahlt.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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