Nordrhein Westfalen

Auf Kaisers Spuren – eine Zeit(Reise) durch Wuppertal

Ich kann nicht sagen warum – aber ich mag Wuppertal. Die Landschaft, die Menschen, die Orte. Wuppertal ist roh und zeigt dennoch an vielen Orten kleine Diamanten. Es ist fast so, als wenn hier mancherorts die Zeit stehen geblieben ist – während sie woanders im Eiltempo alles ändert.

Wuppertal Kaiserwagen (10)

Vier Jahre ist es nun schon her, das ich das erste Mal mit der Wuppertaler Schwebebahn gefahren bin. Damals habe ich gemeinsam mit einer Freundin den Wuppertaler Zoo besucht. Und war begeistert von dieser ganz besonderen Art zu reisen. Eine Bahn deren Schienen oben sind, die an jeder Haltestelle leicht schwingt, kannte ich bis dahin nicht. Was war ich traurig, als bei einem Besuch ein halbes Jahr später die Bahn aufgrund von Wartungsarbeiten für fast 3 Monate nicht fuhr!

2 Jahre später…

Es ist der erste Mai – der Tag, an dem vor knapp 36 Jahren meine Mutter auf die Idee kam, meine Wenigkeit auf die Welt zu bringen. Der erste Mai ist jedoch in diesem Jahr auch ein Tag, an dem ein ganz besonderes Event in Wuppertal angeboten wird. Kaffeekränzchen im Kaiserwagen.

Wuppertal Kaiserwagen (2)

Ja! Ich bin 36 – nicht in einem Alter, wo man sich zum Kaffeekränzchen trifft. Und doch finde ich die Idee wirklich originell, eine Reise mit einer Oldtimerschwebebahn mit einem guten Stück Kuchen, ein wenig Sightseeing und netten Menschen zu verbringen.

Die Kaiserwagenfahrten sind begehrt. Wir erfahren, das die Karten für die Touren immer sehr schnell ausverkauft sind. Glück gehabt. Sogar doppelt! Denn ich darf sogar an meinem Geburtstag fahren!

Ja wo iss sie denn?

Ich bin nicht allein an der Schwebebahnhaltestelle Wuppertal Vohwinkel. Neben zahlreichen schicken Gästen sind natürlich auch noch die normalen Fahrgäste unterwegs. Unsere Tickets halten wir schon in der Hand – wann kommt unsere Bahn denn jetzt endlich? Der Kaiserwagen lässt auf sich warten. Und vor allem ich werde immer ungeduldiger.

Wuppertal Kaiserwagen (13)

„Musst du noch mal auf Toilette?“ werde ich gefragt. Nein muss ich nicht. Und gleich kommt noch der Hinweis, das für die nächste Stunde das auch nicht möglich sein wird. Nun gut – das werde ich auch noch schaffen, und ich bin eher hibbelig, weil ich endlich Bahn fahren will.

Auf geht´s!

Vom Warten müde hab ich keine Lust auf „Position Foto“ und setze meine Kamera ab. Just in diesem Moment kommt die Kaiserbahn natürlich um die Ecke. Schnell bekomme ich noch ein Handyfoto gemacht, bevor sich alles in den Zug drängelt. Es gibt freie Platzwahl.

Und die Bahn ist sehr viel komfortabler als gedacht. Gemeinsam mit Meike finde ich schnell einen Tisch für zwei. Etwas eng ist es schon, doch schnell ordnet sich die Lage und die Bahn nimmt Fahrt auf. Vor uns steht ein Stück Schokotorte und Kaffee. Ganz klassisch. Und ein wenig oldfashioned. Bedenkt man jedoch, auf welch engem Raum hier gereist wird, ist schnell klar, warum hier keine große Kuchenauswahl möglich ist und auch nur normaler Kaffee gereicht wird.

Eine Stadtrundfahrt der anderen Art

In den zwei Zugabteilen ist jeweils ein „Schaffner“ vor Ort. Abwechselnd erzählen uns die beiden von der Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn, von Tuffi, dem fliegenden Elefanten und von dem Kaiserpaar, welches tatsächlich einmal mit unserer Bahn gefahren ist.

Wuppertal Kaiserwagen (3)

Zugegeben, nicht immer bin ich konzentriert bei der Sache. Immer wieder fällt mein Blick auf die Wupper unter uns oder auf die wunderschön ausgestattete Kabine. Hier gibt es Gardinen, Verzierungen an der Decke und Lampen wie vor 100 Jahren.

Einmal wenden bitte!

Wuppertal Kaiserwagen (20)

Wir halten unterwegs nicht, und so kommt es, das wir schon nach gut 35 Minuten die Endhaltestelle Oberbarmen erreichen. Wir müssen jedoch nicht aussteigen, denn seit 2012 gibt es hier eine Wendeanlage. Und für mich ist es total faszinierend, einen Einblick auf den „Schwebebahnen-Parkplatz“ zu bekommen.

Ein paar Meter weiter geht es dann schon wieder zurück Richtung Vohwinkel. Mit einer normalen Bahn stoppt man insgesamt 20 Mal und kann unterwegs viele Sehenswürdigkeiten entdecken. Wir jedoch fahren entspannt weiter und bekommen an den Stationen nur erstaunte Gesichter zu sehen. Allein dafür hat sich die Fahrt schon gelohnt.

Schon vorbei?

Ich merke schnell, wie kurzweilig die Tour mit dem Kaiserwagen ist. Nach einer Stunde sind wir schon wieder zurück und ich bin ein wenig traurig. Die Bahn muss wieder zurück ins Depot und unsere Schaffner winken uns zum Abschied ein letztes mal.

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Hach! Ich könnte noch eine Runde fahren, entscheide mich jedoch dafür, ein paar Schritte durch Wuppertal Vohwinkel zu laufen. Hier fährt die Schwebebahn nicht über die Wupper, sondern folgt der Straße. Der Blick von unten – einmalig. Wer noch ein wenig Zeit hat, sollte sich die Architektur auch von unten ein wenig genauer anschauen.

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen?
  • Die Fahrt mit dem Kaiserwagen kostet 25,50 Euro (Kinder bezahlen weniger) und kann telefonisch reserviert werden. Neben einer Kaffeefahrt gibt es auch Frühstücks und Abendfahrten.
  • Die Termine werden unter kaiserwagenticket.de ausgeschrieben. Generell gilt – eine frühzeitige Anmeldung (ca. 2 – 3 Monate vorher) ist wichtig, da die Termine sehr schnell ausgebucht sind.
  • Im Wagen selbst gibt es keine Toilette, in Vohwinkel gibt es jedoch einen Bäcker, wo ihr vor der Fahrt noch einmal austreten könnt.
  • Die Plätze sind recht eng. Deshalb empfehle ich euch, nicht so viel Gepäck mitzunehmen.
  • Es herrscht das Gebot der freien Platzwahl. Alle Gäste mit Ticket bekommen jedoch einen Sitzplatz.
  • Vor der Reise könnt ihr mit den nostalgisch gekleideten Schaffnern gerne Fotos machen.
  • Für Gruppen bis 60 Personen kann der Kaiserwagen auch individuell gebucht werden.
In Wuppertal Vohwinkel gibt es ca. 100 Meter neben der Schwebebahnstation einen großen Parkplatz, der direkt/indirekt zum Bahnhof gehört. Der „normale“ Bahnhof ist ca. 5 Gehminuten vom Schwebebahnhof entfernt.  

Offenlegung: Die Reise mit dem Kaiserwagen wurde mir ermöglicht von Die Bergische Drei. 

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"