Niedersachsen

Reif für die Insel: Im Winter nach Amrum

Amrum – als Kind kannte ich das vor allem von Nesthäkchen. Diese Insel bestand für mich damals aus einem Leuchtturm, einem Kinderheim und dem Wattenmeer. Und natürlich wollte ich unbedingt einmal dorthin. 30 Jahre später war es dann so weit:

Wir fahren nach Amrum.

Amrum hat eindeutig mehr zu bieten, als Kinderheim und Leuchtturm, wie ich dann feststellen sollte. Ab Dagebüll sind wir mit der Fähre über Föhr nach Wittdün gefahren. Knapp 2 Stunden dauerte die Überfahrt, die an diesem Samstag in aller Frühe nicht ganz so viele Leute nutzen. Daher ist es eine sehr ruhige Überfahrt. Im März ist es leider noch zu kalt für das Sonnendeck, so dass wir uns es uns an einen der Tische im Innenraum gemütlich machen. Wunderschön, denn wir fahren an diesem Morgen in den Sonnenaufgang hinein.

Gegen halb zehn erreichen wir den Hafen von Wittdün.

Direkt am Fährhafen liegt der Fahrradverleih, bei dem ich uns für das Wochenende Fahrräder bestellt habe. Wir haben Glück und bekommen wirklich tolle Räder, mit denen wir nun die Insel unsicher machen können.

Unsere Ferienwohnung liegt in Süddorf, nur wenige Kilometer von Wittdün entfernt, und ist das erste Ziel, das wir an diesem Morgen ansteuern, um unsere Taschen abzuladen.

Nach einer kleinen Pause für mich (wir sind wirklich verdammt früh aufgestanden an diesem Morgen) und einem Ausflug zum Supermarkt für meine Familie, satteln wir unsere Drahtesel für eine Inselerkundung. Finja wird nachher in ihr Tagebuch schreiben: „Papa hat sich den ganzen Rückweg vom Supermarkt darüber aufgeregt, wie teuer das alles ist!“

Mein Tipp: Bringt Lebensmittel mit, auf der Insel sind die Preise tatsächlich „etwas“ teurer.

Doch jetzt geht es erstmal rund um die Insel.

Wir fahren über Nebel, den alten Wirtschaftsweg nach Norddorf. Radfahren kann man hier wirklich phantastisch und es ist meiner Meinung nach auch das beste Fortbewegungsmittel auf der Insel. Das Auto für ein Wochenende mitzunehmen macht überhaupt keinen Sinn und wären wir die Strecken mit Bus gefahren, hätten wir lange nicht so viel von der Insel gesehen.

Es ist eine herrliche Natur, die frische Meeresluft weht uns um die Nase und wir genießen es sehr, diese entschleunigende Auszeit, die wir momentan alle irgendwie bitter nötig haben. Die Touristensaison beginnt in Amrum erst ab April, das hat den Vorteil, dass momentan alles noch etwas verschlafen und ruhiger ist, allerdings leider auch den Nachteil, dass Vieles noch geschlossen ist: Mühle, Leuchtturm, Öhm Hus.

Zeitsprünge auf Amrum

Dafür entdecke ich in dem Veranstaltungsplaner, den ich mir an der Information am Hafen eingesteckt habe, eine Führung zum Thema „Zeitsprünge“ vom Öömrang Ferian. Wir biegen also in Norddorf wieder ab zurück Richtung Süddorf. Auf etwa der halben Strecke erreichen wir die Vogelkoje, den Treffpunkt für die Tour. Ich bin überrascht, wie bewaldet dieser Teil der Insel ist. Das hätte ich in der Form nicht erwartet.

Ein junger Mann, der gerade sein FÖJ auf der Insel macht, nimmt uns in der folgenden Stunde mit auf einen Weg durch den Kniepsand. Teilweise sieht es hier aus wie in der Heide und ein weiteres Mal erstaunt mich die Vielfältigkeit dieser Insel. Auf einem Holzweg geht es durch die Dünen. Wir erfahren etwas über die Entstehung der Insel und darüber, wie die Menschen hier in der Vergangenheit gelebt haben.

In den Dünen sehen wir nicht nur eine alte Grabstätte, sondern auch ein reetgedecktes Haus aus der Bronzezeit. Es ist ein Nachbau, die Original-Grundrisse kann man aber direkt daneben ansehen.

Unsere Tour endet bei der Vogelkoje, die bis in die 30er Jahre eine sichere Einnahmequelle für die Insulaner war, die sich mit dem Fang von Vögeln und Enten ein gutes Zubrot verdienten. Mit dem Bau der ersten Kurhäuser wurde diese Barbarei glücklicherweise eingestellt.

Die Tour ist kostenlos, am Ende geht eine Spardose rum, damit man für den Verein eine Spende hinterlassen kann. Wir geben hier gerne etwas, denn die Tour war sehr informativ und kurzweilig, auch für die Kinder. Auch ohne Führung kann man diese archäologische Tour durch die Dünen machen, es sind überall Hinweisschilder angebracht, die Besuchern das Amrum von Einst näher bringen.

Schnell da.

Nach einem kurzen Austoben auf dem Spielplatz (natürlich nur für Finja ;-) ) geht es zurück nach Süddorf. Wir fahren den Waldweg weiter und sind überrascht, wie schnell wir wieder an unserer Ferienwohnung sind. Apropos Ferienwohnung, es ist übrigens gar nicht so leicht, einen Vermieter zu finden, der für eine einzige Nacht vermietet. Viele haben einen Mindestaufenthalt von 5 oder 7 Tagen. Für ein Wochenende würde sich ggf. auch die Jugendherberge in Wittdün eignen.

Die Bewegung an frischer Luft hat uns müde und hungrig gemacht. Den Rest des Abends lassen wir also ganz ruhig ausklingen.

Mit den Rädern zum Yachthafen.

Am nächsten Morgen geht es direkt wieder auf die Räder, dieses Mal fahren wir über Steenodde nach Wittdün, denn wir wollen einen Blick auf den Yachthafen werfen.

Es ist gerade Ebbe und so nutzen wir die Gelegenheit, ein paar Muscheln zu sammeln. Wir haben immer noch die Muscheln vom Schottland-Urlaub hier liegen, mit denen wir immer noch „was machen“ wollten, aber Muscheln kann man anscheinend nie genug haben!

Wir befinden uns nun schon wieder in Wittdün, mit Blick auf den Fähranleger.

Auf zum Strand!

Die Kinder und ich nutzen die Zeit, an den Strand zu fahren. Räder müssen leider unten am Weg angeschlossen werden, so dass wir leider nicht am Strand entlang radeln können. Aber da wir ohnehin Richtung Meer laufen wollten, war das auch nicht wichtig. Ganze 2 km ist der Sandstrand breit, es ist also ein ganzes Stück zu laufen, bis man am Meer ankommt. Doch diese Tour war mein absolutes Amrum-Highlight.

Sonntags morgens sind hier nicht sehr viele Leute unterwegs, zumindest nicht um diese Jahreszeit. Wir hatten also den Strand für uns alleine, weit und breit nichts anderes als Sand, ganz hinten in der Ferne sehen wir den Leuchtturm. Der Horizont scheint unendlich weit zu sein.

Wir sind im Paradies angekommen.

Diese Weite, diese Naturschönheit ist kaum zu beschreiben. Wir lassen uns auf einen kleinen Sandhügel fallen und genießen die Aussicht. Noch haben wir etwas zu laufen bis zum Meer, der Strand mit seinen Häusern scheint unendlich weit weg zu sein. Streichholzschachtel-groß in der Ferne.

Am Meer angekommen werden natürlich weitere Muscheln gesammelt, eine wirklich Schöne sind darunter. Finja ist nicht zu bremsen! Wir lassen uns im Sand nieder, lauschen dem Rauschen der Meere und atmen die salzige Luft ein. Keiner möchte den Rückweg antreten, doch es ist es schon Mittagszeit und so langsam bekommen wir Hunger.

Mittagessen ist allerdings gar nicht so einfach, entweder haben die Restaurants noch nicht auf oder die Mittagsküche bereits wieder geschlossen. Doch dann finden wir ein kleines Bistro, in dem wir sehr gut gegessen haben zu annehmbaren Preisen.

Meine Empfehlung: Mundart, Inselstr. 41 in Wittdün!

Den Rest des Tages verbringen wir am Strand. Jetzt sammeln die Kinder keine Muscheln mehr, sondern halten Ausschau nach Bernstein. Auch Torben ist davon angesteckt und sie finden sogar den ein oder anderen Bernstein.

Viel zu schnell ist unsere Zeit in Amrum schon wieder vorbei. Es war eine sehr schöne, entspannte Zeit auf der Insel. Wir geben unsere Fahrräder zurück und gehen hinüber zum Fähranleger, wo die Fähre bereits auf uns wartet. Auf der Rückfahrt treffen wir unseren Tourguide von der archäologischen Führung und die anderen Teilnehmer wieder.

Eigentlich haben wir uns auf ein Eis gefreut, aber – das alte Lied – in der Nebensaison ist die Truhe auf der Fähre eben leer.

Kaum haben wir abgelegt, fallen uns auch schon die Augen zu.

Amrum ist eine sehr schöne und vor allem überraschend vielseitige Insel. Mit dem Rad wunderbar zu erkunden, denn sie ist von Wittdün nach Norddorf gerade mal 10 km lang. Im Sommer kann man durch das Watt bis nach Föhr laufen. Der Sandstrand ist einfach ein Traum!

Amrum – wir kommen sicher wieder!!

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Yvonne

Yvonne und ihre Familie - besser bekannt unter "Familienspaß im Bonbonglas" sind ständig auf der Suche nach besonderen Sehenswürdigkeiten. Den Norden haben sie schon erobert...