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Rheinland Pfalz

Bahn verbindet – Von den Ludolfs, einer Mitfahreisenbahn und dem Bad der Queen

Warum hat ein Bahnmuseum eigentlich keinen eigenen Bahnhof ? Auf dem Weg zum Bahnmuseum in Koblenz stellte ich mir nicht nur ein mal diese Frage. Knapp 12 Euro kostete mich eine Taxifahrt. Einfach ist der Weg nach Koblenz Lützel nicht. Zumindest mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und von steppenden Bären kann hier draußen wohl nur die Bundeswehr berichten, die ein paar Meter weiter eine Kaserne betreibt. Und ja, es gibt einen Bus, aber den hab ich erst bei der Rückreise entdeckt.

Was für die einen nur ein Abstellplatz für ausgediente Loks und Bahnwagen ist, stellt für mich ein Eldorado an Bahn-Geschichte dar. In Koblenz fängt das ganze schon beim „Karten kaufen“ an. Dort gibt es sogenannte edmonsonsche Fahrkarten für den Eintritt ins Museum. Und die können zur Sammelleidenschaft werden. Die 5 x 3 cm großen Biletten, wie sie damals hießen, gibts auch heute noch – zum Beispiel bei der Brockenbahn oder in der Schweiz.

DB Museum Koblenz
Warum es hier nach Wannsee geht, hab ich nicht erfahren können…

Traut euch ruhig hier zu fragen, der „Schaffner“ am Einlass kann euch da einiger zu erklären! Und neben den ganzen kleinen Souvenirs gibt es schon an der Eingangspforte so einiges zu entdecken

Die meisten Mitarbeiter hier im Museum sind ehrenamtlich unterwegs. Und doch steckt da so viel Wissen, so viel Leidenschaft dahinter, das man sich das Museum allein schon wegen dieser besonderen Menschen anschauen soll. Liebevoll und in monatelanger Detailarbeit werden alte Loks restauriert, um ihnen den Glanz alter Tage wiederzugeben. Auch wenn einige der Züge in ihrem Leben wohl keinen Millimeter mehr fahren werden, so wirken sie doch, also würde man jederzeit einsteigen können und sich auf das weite europäische Schienennetz begeben.

Das Bahnmuseum in Koblenz ist besonders. Es ist nicht mal die Möglichkeit, in fast jeden Zug auch mal reinzuschauen, es hat auch nichts damit zu tun, das man hier eine Zeitreise durch mehr als 100 Jahre Bahngeschichte machen kann, sondern ich fühle Leidenschaft. Von den vielen Helfern und Mitarbeitern strahlt ein großer Stolz auf die Sammlung, das erreichte, die Arbeit aus – und das zu Recht. Fast jeder kann eine Geschichte zu einer der Loks und Mitbringsel erzählen. Einige sind pensionierte Bahnmitarbeiter, andere schon von klein auf Bahnbegeistert. Ich höre viele Storys: Von Wagon(s), die vor der Verschrottung gerettet wurden, und einer Lok, die jahrelang auf dem Kinderspielplatz im Kölner Zoo ihr Dasein gefristet hat bis hin zu einem Wagon, der im Staatsdienste die Queen umhergefahren hat.

Und dieser Abteilwagen hat es in sich. Ein Badabteil, was auch in einem Hotel so vorhanden gewesen wäre, einer Dusche die wirkte, als wenn man nur wenige Zentimeter von den Gleisen seine Füße abbrausen könnte und ein „Wohnzimmer“ mit Buffet. Und in dem, so will es die Sage, hat die Queen in den 50er Jahren einen Teil ihrer Deutschlandreise übernommen. Ich entdecke die Geheimtelefone mit der roten „Notfalltaste“ und finde Uniformen, in denen man schon seit Ewigkeiten keinen Bahnbeamten mehr sieht.

Ich besteige Loks und obwohl ich von dem ganzen Technikkram nix verstehe, schaue ich fasziniert auf die 1000 Hebel und Knöpfe – immer versucht, den einen oder anderen auch mal zu drücken. Hier kann ja nix passieren – hoffe ich. Ich balancierte auf Gleisen und entdecke eine Gartenbahn. „Hier gibts Bahnen in verschiedenen Größen“ wird mir verraten.

Leider ist erst am kommenden Wochenende wieder ein Gartenbahnwochenende und so entdecke ich, ganz versteckt an der Seite des Museums den Verein des Trix Expressclub. Auf den ersten Blick sieht das für mich nach einer ganz normalen Modelleisenbahn aus. Schnell werd ich jedoch eines besseren belehrt – Trix ist ein Modellbahn(gleise)typ, den es zwar schon seit 1935 gibt, der aber schon seit den 60er Jahren eher ein „Insider“ ist.

Der Expressclub bietet im DB Museum alle zwei Wochen Eintritt zu einer kleinen aber feinen Modelleisenbahnstrecke (die sogar hinter den Kulissen besucht werden kann). Ich finde an der Strecke sogar das Haus der Ludolfs und die Koblenzer Buga Anlage inkl. Seilbahn. Für Fans der Trix-Bahnen gibts hier die Möglichkeit zum Austausch. Aber auch für alle anderen Modelleisenbahner lohnt sich der Besuch. Hier bekommt ihr echt coole DIY-Tipps für die Modellbahnplatte.

Auf dem Rückweg fällt mir ein Speisewagen auf. „Kann man hier auch essen gehen?“ frage ich. Daraufhin erfahre ich, das die Wagen für einen Abend gemietet werden können. Heute Abend findet hier eine Hochzeit statt – Wie cool !!

Dieses Abteil verfügt über eine vierte Klasse. Außenbretter...
Dieses Abteil verfügt über eine vierte Klasse. Außenbretter…

Auch will ich wissen, ob die Bahnen denn Ausfahrt haben. Ich erfahre, das einige wenige tatsächlich unterwegs sind. Oftmals zum Tag der offenen Tür im Rahmen des Sommerfestes. Mal schauen, vielleicht versuch ich im kommenden Jahr auch mal mein Glück…

Ich schaue auf meine Uhr und stelle fest, das seit meiner Ankunft schon 3 Stunden vergangen sind – ich kann mich nicht erinnern, wann ich die letzten Jahre so lange in einem Museum war. Und noch hab ich nicht alles gesehen, denn vor den Toren des Museums gibt es auch eine „Mitfahrereisenbahn“ sowie eine Drehscheibe. Ich habe prompt beides mal ausprobiert.

In den Sommermonaten haben hier nicht nur Kinder ihren Spaß, auch ich habe auf der kleinen Lok so viel Freude, das ich seitdem jede dieser Mitfahrerbahnen auch unbedingt mal ausprobieren will. Das ganze kostet noch mal zusätzlich 1 Euro, macht aber echt Spaß !

Was solltet ihr wissen, wenn ihr das Bahn-Museum in Koblenz besuchen wollt:

  • Alle Informationen zum Bahnmuseum in Koblenz erhaltet ihr auf der Homepage des DB-Museum und auf der Seite der BSW Gruppe Koblenz
  • Der Eintritt ins Museum kostet derzeit 2,50, eine Familienkarte kostet 5 Euro
  • In den Wintermonaten ist das Museum nur am Wochenende geöffnet, lohnenswert ist aber immer mal wieder ein Blick auf die Seite der BSW Gruppe, da dort auch spezielle Aktionen ausgeschrieben werden.
  • In zahlreiche Loks und Abteile dürft ihr rein, jedoch gilt hier – achtsam umgehen, schließlich wollen auch noch andere davon etwas haben. Fotografieren ist überall erlaubt.
  • Der Trix Expressclub ist im zwei Wochenrythmus am Samstag vor Ort, Termine könnt ihr der Trix-Homepage entnehmen.
  • Eine Anreise ist am Wochenende einmal stündlich mit dem Bus 354/370 (Lützel oder Kaserne) möglich. Mit dem Auto gehts einfacher, hier könnt ihr auch sehr gut parken.
  • Auch die Mitfahrereisenbahn hat eine Internetseite, auf der ihr euch über Fahrtage informieren könnt.
Offenlegung: Vielen Dank für die Einladung und die Führung durch die Mitarbeiter des DB Museums Koblenz

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

5 Kommentare

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  • Hallo, Janett!

    Liebe Grüße aus Koblenz von den TRIXern; Dein Beitrag ist schön geschrieben. Wir stehen tatsächlich mit Herzblut zu und hinter unserem Hobby und möchten dazu beitragen, die Erinnerung an eine richtige Eisenbahn wachzuhalten. Jeder Besucher ist herzlich willkommen und darf uns viele Löcher in den Bauch fragen; wir kennen schließlich alle 1000 Knöpfe mit Vornamen ;-))).

    Deine Idee, nächstes Jahr wiederzukommen, ist gut – die TRIX-Modellbahn feiert nämlich ihren 80. Geburtstag. Und das ganze Museum wird mitfeiern! Genaue Infos gibt es auf unseren Webseiten (danke schön für’s Verlinken), wenn es soweit ist. Allerdings solltest Du dafür mehr als drei Stunden Zeit mitbringen, denn die vergeht im Museum wie bei einer Fahrt im „Rheingold“-Express.

    Abgesehen davon lohnt sich ein Besuch immer, gerade für Familien mit Kindern. Die Kleinen kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, und wenn man dann noch deren leuchtende Augen sieht… das ist der schönste Lohn für unsere Arbeit.