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Nordrhein Westfalen

Dortmund mal anders – 8 Stunden Extraschicht im Zeitraffer

Es ist kurz vor 18 Uhr. Ich habe Hunger. Und ich habe nasse Füße. Klar – ich habe natürlich wieder die falsche Schuhentscheidung getroffen. Selbst schuld. Gemeinsam mit Jessica stehe ich vor der Kokerei Hansa und warte auf Einlass. Ein nächster Regenschauer kündigt sich an und ich merke, wie sich in mir der Wunsch nach einem warmen Bad und einer Entspannungsliege regt. Warum nur haben wir immer wieder so ein Pech mit dem Extraschicht – Wetter?

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Kokerei Hansa

Das Tor öffnet sich und wir sind mit die ersten, die ins Kokerei – Wonderland dürfen. Seine ganze Magie erlebt man erst im Dunkeln, wir jedoch haben heut noch einiges vor und starten hier. Vor zwei Jahren durfte ich an einer Führung durch die Kokerei teilnehmen und so gibt es einige Wiedersehensmomente.

Die Stimmung jedoch ist eine andere. Im Maschinenraum proben junge Akrobaten ihre Kunststücke vor den Druckmaschinen, auf dem großen Platz in der Mitte ist eine Bühne und ein kleiner Streetfoodmarkt aufgebaut und in einem kleinen Wäldchen hat einen Geschichtenerzähler und ein Theater ihr Lager aufgeschlagen. Überall laufen Phantasiefiguren herum und im Hintergrund spielt leise Musik.

Gurkeneis

Die Extraschicht schafft, was sonst nur selten gelingt – die haucht dem Begriff „Industriekultur“ eine völlig neue Bedeutung ein. An einem Eisstand stoppe ich und halte Jessica vom weiter laufen ab. „Hörmal – hier gibt es Gurkeneis, das muss ich probieren!“ und Schwupps hatte ich eine Waffel mit der interessantesten Eis Sorte meines Lebens in der Hand. Gurke? Schmeckt gut. Für eine weitere Portion reicht die Zeit jedoch nicht, wir haben schließlich einen engen Zeitplan. Dortmund Extraschicht (3)

In 8 Stunden müssen wir wieder in Essen sein – und viele Sehenswürdigkeiten stehen noch auf unserer Liste. Einen Rundgang durch die Kokerei mache ich dieses Mal nicht im Rahmen einer Führung, sondern allein. Überall stehen ehemalige Mitarbeiter und Experten und erklären die Arbeit der Kokerei. Nicht nur das ist spannend – auch die Kunst, die in den letzten zwei Jahren hier Einzug gehalten hat.

Eine Fahrt mit dieser Bahn ist auch drin.
Eine Fahrt mit dieser Bahn ist auch drin.

Lichtorgelspiele

Ich verliebe mich in die großen Pfützen, die dem Industriedenkmal einen ganz besonderen Charme verleihen. Aber nee – an Gummistiefel habe ich heut natürlich nicht gedacht. Meinen Spieltrieb habe ich in der Kokerei dann dennoch befriedigen können.

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Eine Lichtorgel übersetzte mein „Alle meine Entchen“ an die Wand der Kokerei – ein Erlebnis, was nicht nur mir, sondern anderen Gästen der Kokerei ebenfalls Spaß bereitete.

Bahnhof Mooskamp

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„In 7 Minuten fährt die Bahn!“ Gut das Jessica mich erinnerte – die Fahrt mit der alten Straßenbahn von der Kokerei Hansa zum Bahnhof Mooskamp war fest in unser Extraschichtprogramm eingeplant. Muss ich noch sagen, dass ich nach 5 Minuten Dauerlauf zur Bahnstation ziemlich platt war?

Am Endziel entschädigte mich dann jedoch ein bisher mir unbekanntes Bahnmuseum mit zahlreichen Straßenbahnmodellen des Ruhrgebietes. Und natürlich die Fahrt in der alten Eisenbahn.

Das Depot

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Der Regen hatte inzwischen nachgelassen und wir konnten nicht glauben, was wir nach dem Verlassen der Kokerei da am Himmel sahen. SONNE! Danke, lieber Extraschicht-Wettergott – im nächsten Jahr hätten wir das gerne den ganzen Tag! Mit dem Shuttlebus starten wir von der Kokerei Hansa zu unserem nächsten Stopp „Depot“. Wo einst die Straßenbahnen der städtischen Verkehrsbetriebe repariert wurden, finden heute Vernissagen, Kreativworkshops und Theateraufführungen statt. In kleinen Ateliers können sich Künstler einmieten und bei Flohmärkten kann man die einen oder anderen Kunstgegenstände auch erstehen.

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Kreativ unterwegs

Wir haben zur Extraschicht jedoch etwas Anderes vor. Während Jessica sich eine Ausstellung anschauen will, versuche ich mein Glück im kreativen Bereich. Ursprünglich wollte ich gerne einen Kissendruck – Workshop mitmachen – schnell stelle ich jedoch fest, dass ich dafür den ganzen Tag hier verbringen müsste.

So bemale ich spontan eine kleine Kiste mit einem Extraschicht – Bild, welches ich voller Stolz auch auf Instagram präsentierte. Und ja, mich hat es ziemlich verletzt, als ich in der Bahn gefragt wurde, ob das mein Kind gemalt hat. Kunst ist Kunst. Talent ist Ansichts-Sache.

Hösch-Museum

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Inzwischen war es schon kurz vor acht. Auf unserem Terminplan stand noch ein Besuch im Höschmuseum – in dem eine Ausstellung über die wilden 60er Jahre zu sehen ist. Wild wurde es tatsächlich vorm Hösch-Areal, denn eine Coverband spielte rockige Lieder und überall standen Tonnen mit offenem Feuer.

Auch eine Führung haben wir mitgemacht – nachdem uns aber klar wurde, dass es eher um Metalle und Förderung, nicht aber um Rock´n´Roll geht, entschlossen wir uns dafür, uns heimlich davon zu stehlen. So ein wenig wild kam ich mir dabei dann auch vor ;)

Dortmunder U

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Es ist dunkel als wir bei unserem letzten Stopp ankommen. Das Dortmunder U kenn ich schon von meinem bisher einzigen Barcamp – so wir zur Extraschicht habe ich es jedoch noch nicht erlebt. Die Fachhochschule präsentierte sich im Erdgeschoss und so kam es, dass ich kurze Zeit später mit Perücke und riesiger Spaßbrille auf einem Donut durch eine virtuelle Welt ritt. Und nein – zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein einziges Bier getrunken. Ich glaube jedoch mittlerweile, dass ich bekloppte Erlebnisse anziehe.

Ausblick und Bier

Es ist halb elf, als wir die gefühlt 30 Stockwerke des Dortmunder U´s erklommen hatten. Eine Disco befindet sich an der Spitze des Turmes – dort sollte an diesem Abend „Das Bo“ auftreten. Mit Hip-Hop habe ich es nicht so, aber so ein Konzert zum Abschluss wäre ja schon was Feines. Wir bekommen jedoch mit, dass ein Konzert erst für 2 Uhr geplant ist, da wollten wir schon wieder im Bett liegen. Wir trösten uns mit einem richtig leckeren Burger und einem Bier und kommen nicht umhin, die Skyline von Dortmund von der Dachterrasse zu bestaunen. Zu schade, dass wir es nicht rechtzeitig zum Sonnenuntergang geschafft haben – stellen wir fest. Unser Bier ist leer – und wieder sprinten wir. Diesmal zum Bahnhof – zurück nach Essen – ins Welcome Hotel. Dort bleiben wir der Rest der Nacht.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Die Kokerei Hansa und auch den Bahnhof Mooskamp könnt ihr auch außerhalb der Extraschicht im Rahmen von Führungen und Selbsterkundungen besuchen. Die Bahn fährt an jedem dritten Sonntag (April bis Oktober) zwischen Kokerei und Bahnhof. Auch am Tag des offenen Denkmals könnt ihr hier gerne vorbeischauen. Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Bahnhof Mooskamp und der Kokerei Hansa.
  • Das Depot könnt ihr sehr gut mit Bussen und Bahnen erreichen. Im Laufe des Jahres werden dort zahlreiche kulturelle Events angeboten – allen schon für die Architektur des Gebäudes lohnt es sich vorbeizukommen.
  • Auch das Hösch-Museum ist auch außerhalb der Extraschicht gut zu besuchen. Wenn euch das Thema Stahl interessiert – ist auch dieses Museum spannend.
  • Das Dortmunder U erreicht ihr vom Bahnhof in knapp 10 Minuten. Daher ist es neben dem Fußballmuseum auch ein geeigneter Ort für einen Stopover in Dortmund. Neben zahlreichen Büros und Ausstellungen gibt es „The View“ – eine Bar ganz oben und die Dachterrasse, die man kostenfrei besuchen kann. Nach oben gelangt man über Fahrstuhl, normale oder Rolltreppen. Letztere geben euch übrigens einen tollen Einblick in die Architektur des Hauses.
  • Ein paar Hilfreiche Tipps zur Extraschicht habe ich euch hier aufgeschrieben, und hier gibt’s aktuelle Infos zum Industriekultur-Event des Ruhrgebietes
  • Ebenfalls Empfehlenswert ist Bochum, gemeinsam mit Jessica habe ich mir die Extraschicht in der Ruhrmetropole 2014 angeschaut.
Inhaber der Extraschicht können Busse und Bahnen im Ruhrgebiet an besagten Samstag und am Sonntagmorgen kostenfrei benutzen. Ich empfehle, das Auto stehen zu lassen. Schnell ist man in kleinen Städten auch mit dem Fahrrad unterwegs. Es werden zudem Shuttlebusse eingesetzt.

Dortmund Extraschicht (2)

Ich habe im Welcome Hotel Essen übernachtet, welches sehr gut angebunden an das U-Bahn-Netz der Stadt ist. So kommt man auch in der Nacht noch gut „nach Hause“. Die Zimmer sind ruhig und sauber – das Hotel ist ideal für Ausflüge ins Ruhrgebiet.

Offenlegung: Wir wurden für die Extraschicht akkreditiert und uns wurde eine ÜN im Welcome Hotel gestellt.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

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