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Deutschland – deine Unterwelten. Spurensuche in deutschen Städten.

Wenn man über „Unterwelten“ spricht, denkt man an dunkle und usselige Keller, an gruseliges halbgares Licht und an rutschige Treppen. Und doch haben gerade die Unterwelten in Deutschland einen sehr wichtigen geschichtlichen Stellenwert. Fast jede Stadt hat ihre geheimen Keller und Gänge, und überall gibt es auch eine Geschichte dazu. Bei einigen Städten ist ein Zugang schwierig, bei anderen könnt ihr das hochoffiziell via Führungen miterleben.

Authentisch – auf eine makabere Art faszinierend sind die Touren durch die Keller Deutschlands – ein Grund, sie jedem „Geschichtsreisenden“ zu empfehlen. Doch wo findet man diese Orte ? Wir haben uns durch unser Reisearchiv gewühlt und tatsächlich ein paar „Unterwelten“ gefunden. Habt ihr Lust auf eine Reise? Zieht euch warm an, dort unten ist es immer ein wenig frisch….

Nürnbergs Felsengänge -Von Bunkern, Bier und Eis-Schächten

Konstante Temperaturen, gleichbleibendes Wetter – eigentlich die idealen Bedingungen für eine Urlaubsdestinationen. Nicht aber in den Felsengängen von Nürnberg. Die liegen je nach „Etage“ bei 8 – 10 Grad Celcius. Wir haben uns einen total untypischen Tag für unsere knapp 1 1/2 stündige Tour durch die Gänge ausgewählt.

felsengänge

Mildes Herbstwetter und jede Menge Sonnenschein – und doch haben wir unsere 16Uhr-Tour nicht bereut. Unser Guide war richtig gut drauf, unsere Tour und die Geschichten sehr kurzweilig und die Möglichkeit Fragen zu stellen für mich auch ganz wichtig. Wer jedoch Fotos in Ruhe machen will, sollte dies lieber individuell vereinbaren, im Labyrinth der Etagen verliert man schnell mal den Anschluss.

Auch sind die Geschichten so spannend, das man diese eigentlich nicht verpassen sollte. Angefangen von der Nutzung der Felsengänge im zweiten Weltkrieg (wo sie vielen 1000 Nürnbergern das Leben gerettet haben) bis hin zur Nutzung als Bierkeller (für die Gärung ideale Bedingungen) wurden wir „unter der Nürnberger Altstadt“ kreuz und quer geführt. Wir haben die klassische Führung gebucht, die an Wochenenden jede Stunde angeboten wird. Ich hätte ja auch gerne noch den Kunstbunker und die Kassematten gesehen, diese Führungen sind aber leider oft schon Tage vorher ausgebucht und leider auch nicht so häufig.

karte

Für alle Bierfans gibt es als Finale der Führung noch einen kleinen Einblick in die Braukunst der Franken. Bei uns wurde auch noch ein kleiner Einblick in die Whisky-Distillerie  der Hausbrauerei Altstadthof gegeben – nix für schwache Nasen ;). Die Führung kostet für Erwachsene 5 Euro (mit der Nürnberg-Card inklusive). Unter historische-felsengaenge.de findet ihr alle weiteren Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten für alle „Unterweltführungen“

Berlin und seine Unterwelten 

Berlin hat ein wirklich spannendes und geschichtenreiches Unterwelten-Netz. Da ist zum einen die Berliner U-Bahn, die von einer Hochbahn Anfang des 19ten Jahrhunderts und Untergrundbahnen noch vor dem ersten Weltkrieg sich mit dem Titel „Erste Untergrundbahn Deutschlands“ rühmen kann. Die Kriege und vor allem die Trennung von Ost und West haben in dieser Stadt ein ganze riesiges Netz von besonderen und teilweise vergessenen Orten entstehen lassen, das man sich auf jeden Fall mal anschauen sollte. Auf Führungen zu genau diesem Thema haben sich die Berliner Unterwelten spezialisiert.

Besonders empfehlen kann ich die „Mauerdurchbrüche“ (Tour M), die für mich sehr beeindruckend war. Fotografiert werden darf nur an ganz wenigen Orten – aber die Tour ist auch viel zu spannend – um ständig durch den Fotoapparat abgelenkt zu werden. Die Touren kosten 9 – 14 Euro und dauern bis zu 1 1/2 Stunden. Tickets für die offenen Touren könnt ihr im Ticketshop am Gesundbrunnen kaufen. Mein Tipp: Früh hingehen und karten kaufen, auch wenn ihr eine Tour am Abend besuchen wollt.

Ein Blick in den Keller des Berliner Flughafens Tempelhof

Bei meiner Führung durch den Flughafen Tempelhof haben wir uns auch die Bunker angeschaut (die ich jetzt auch mal zu „Unterwelten“ zähle. Die Geschichte ist schon heftig – und doch hält so eine Bunkerführung immer wieder vor Augen, was die unbeteiligten Menschen im Krieg haben alles erleiden müssen. Mehr Infos zur Tempelhof-Führung bekommt ihr unter o.g. Link.

Die Geschichte der Bochumer Jahrhunderthalle – von geheimen Produktionsstätten in der Unterwelt

Bis zu diesem sagenumwobenen Sonntag im Juli wusste ich nichts von der „militärischen Unterwelt“ des Ruhrgebiets. Von den unterirdischen Fabriken im zweiten Weltkrieg, von den verzweigten Gängen zwischen den Metropolen. Klar, das durch den Bergbau das Ruhrgebiet von unten wohl ziemlich löchrig ist, aber was dort im zweiten Weltkrieg abgelaufen ist, mag ich mir so gar nicht vorstellen. Der Zufall wollte es, das ich zur Extraschicht die Bochumer Jahrhunderthalle besuche. Ein tolle Gebäude, lange Zeit für die Industrie im Ruhrgebiet genutzt und nun ein wichtiger Ort für coole Events (z.b. die 1Live-Krone) in NRW.

unverändertseit70jahren

Bis dahin wusste ich nicht, das es direkt unter der Halle einen Zugang zur „Unterwelt“ gibt. Knapp eine Stunde habe ich angestanden um zu Erfahren, was mich dann wirklich überrascht hat. Ich entdecke Relikte, die quasi seit 1945 unverändert geblieben sind, ich bekomme eine Geschichte erzählt, die mich einerseits total schockiert und andererseits total fasziniert. Unsere Führung war zu kurz um einen vollständigen Einblick zu bekommen, und so werde ich im kommenden Jahr auf jeden Fall die Führung Unterwelt + Westpark in Bochum mitmachen. Einen solchen Einblick in diese Zeit bekommt man sonst recht selten. Sehr schön finde ich hier auch die Illumination mit Licht, die das ganze auch ein wenig dramatisiert.

Die Führung kostet 9 Euro (für alle unter 25 sogar nur 7 Euro) und beinhaltet ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

Die tiefen Keller von Merseburg – warum sie für Kunstliebhaber interessant sind

Merseburg war vor gut 150 Jahren Hochburg der Braukunst. Zahlreiche Brauereien säumten das Stadtbild. In einer Zeit, wo Kühlschränke noch nicht erfunden waren, brauchte man für dieses wertvolle Gut eine effektive Kühlungsmethode. So entstanden schon im 13ten Jahrhundert die ersten Keller von Merseburg, von denen auch heute noch gut 300 Meter erhalten und teilweise wieder freigelegt wurden.

Die Tour in den Kellern von Merseburg sind jedoch nicht nur wegen ihre Geschichte recht spannend. Auch das Argument, das 10 Grad vor allem an warmen Sommertagen eine angenehme Erfrischung bedeuten, lässt sie noch nicht zu einem Highlight werden. Das besondere an dieser Unterwelt ist Kunst. An einigen Orten konnte ich unterwegs effektvoll inszinierte Töpferkunst bestaunen. Auch wenn ich bei meiner Führung längst nicht alles entdeckt habe – das ist wirklich sehenswert. Übrigens gibts hier auch einen echten tiefen „Partykeller“ – für alle, die unter Tage feiern möchten.

Bei den öffentlichen Führungen, die einmal pro Monat stattfindet, kostet 5 Euro und dauert ungefähr eine Stunde. Individuelle Führungen können angefragt werden – in Zukunft sind auch Konzerte und Vernisagen geplant. Dazu erfahrt ihr mehr unter tiefer-keller.de

Auf der Suche nach dem Herz von Bad Reichenhall

Auch im Süden gibt es einige spannende „Unterwelten“ zu entdecken. In Bad Reichenhall habe ich mir die alte Saline angeschaut.

Was von außen wie ein typischer Bau aus dem 19ten Jahrhundert aussieht, versteckt im inneren zwei seit dem Jahre 1834 durchgängig durch Wasser angetriebene Räder, die das Salzwasser pumpen sollen und ein riesiges Stollenwerk.

Viele Jahre wurde hier Sole gefördert – mittlerweile wird die Ausbeute aus den Quellen jedoch nur noch für Kur und Heilanwendungen genutzt. Umso spannender sind die Führungen durch das unterirdische Stollengewölbe, die Geschichten um das Herz von Bad Reichenhall und um die erstaunlichen Erfindungen, die nun auch schon gut 200 Jahre alt sind.

Auch die salzhaltige feuchte kühle Luft hier unten ist angenehm – vor allem wenn es draußen richtig heiß ist! Wer sich auf das Thema „Salz“ noch mehr einlassen will, dem sei auch ein Besuch im Bad Reichenhaller Salzmuseum empfohlen.

Mehr Informationen zur Alten Saline, der Führung, Öffnungszeiten und Preisen findet ihr auf alte-saline.de

Wichtige HinweiseWeitere Inspirationen?
  • Gutes Schuhwerk anziehen! Dort unten ist es teilweise Rutschig und uneben, da oftmals die Haftung bei euch liegt, heißt es gut aufpassen
  • Eine Sweat/Strick-Jacke sollte in jedem Gepäck dabei sein, oftmals ist es in der „Unterwelt“ sehr frisch.
  • Vorher anfragen, ob Fotografieren erlaubt ist (und die Stimmung zwischendurch nicht durch hässliche Blitze zerstören). Lieber die Kamera auch mal daheim lassen.
  • Bitte lasst alles dort wo es ist, und verschandelt nix. Diese Orte sind Zeitrelikte und nur deshalb so interessant, weil sie genauso erhalten geblieben sind, wie sie vor 70 Jahren waren. Bitte zerstört solche Orte nicht durch dämliche „Ich war hier“ Markierungen
  • Traut euch zu fragen ! Die Guides haben immer noch jede Menge Zusatzinfos.
  • Viele Führungen werden nur selten angeboten und sollten daher schon vorab reserviert werden.
  • Fragt auch in eurer Heimatstadt an, da es Unterwelten quasi überall gibt, vielleicht bietet die Tourismuszentrale in eurem Ort so etwas auch an…
  • Sehr interessant ist für Unterweltenfans auch das Berliner Bunkermuseum

Ein paar tolle Berichte über „Unterwelt-Touren“ habe ich bei anderen Bloggern entdeckt. Wenn ihr selbst noch den einen oder anderen Tipp habt, ich freue mich über eure Ergänzung via Kommentar:

Offenlegung: Zum Besuch in Merseburg und in Bad Reichenhall wurde ich eingeladen.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

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